Denza Z: Mit 1604 PS aus China gegen Porsche & Co.
Ursprünglich 2010 als Gemeinschaftsprojekt mit Mercedes-Benz gestartet, gehört Denza jetzt vollständig BYD und übernimmt innerhalb des chinesischen Konzerns die Rolle des Premiummarke.
Der Denza Z steht dabei an der Spitze der Modellpalette. Die Präsentation beim berühmten Goodwood Festival of Speed in Südengland «soll der Autowelt zeigen, BYD kann nicht nur Stückzahlen, sondern auch Emotionen», schreibt das «Handelsblatt» dazu.
Rund 200'000 Besucher pilgern jedes Jahr zum Festival, das 1993 als kleines Bergrennen begann und längst zu einem Pflichttermin für alle geworden ist, die Benzin im Blut haben. Auf dem riesigen Landsitz des Duke of Richmond, Charles Gordon-Lennox, präsentieren die grössten Hersteller ihre spektakulärsten Automobile auf dem berühmten Hillclimb. Ferrari bringt seine neuesten Supersportwagen, Porsche schickt seine GT-Modelle und McLaren hat hier ein Heimspiel.
Doch der grösste Stand in der 33-jährigen Geschichte gehörte vergangenes Wochenende «Neuling» BYD. Auf drei Stöcken und einer Fläche von mehr als 2000 Quadratmetern präsentierte sich der chinesische Konzern. Im Mittelpunkt des riesigen Interessens: der neue Denza Z Coupé.
Volle Power
Der Denza Z sieht nicht aus wie ein Konzeptfahrzeug. Er wirkt laut Experten «seriennah, flach, breit und entschlossen». Verantwortlich dafür ist Wolfgang Egger. Der ehemalige Designer von Alfa Romeo, Audi und Lamborghini weiss genau, wie man ein Auto zeichnet, das bereits im Stand Tempo ausstrahlt.
Statt einer futuristischen Lounge setzt Denza auf ein überraschend klassisches Sportwagen-Cockpit mit tief integrierten Carbon-Schalensitzen, schmalem Instrumentendisplay und grossem Zentralbildschirm.

Überraschend klassisches Sportwagen-Cockpit. (Bild zVg)
Auch das Konzept folgt eher europäischem Vorbild als dem eines kompromisslosen Supersportwagens. Der Denza Z ist als 2+2-Sitzer ausgelegt und soll später auch als Spider angeboten werden. Damit orientiert sich BYD eher an Porsche 911 oder Gran Turismo als an einem radikalen Zweisitzer. Herzstück ist die neue «Steer-by-wire-Lenkung». Sie verzichtet vollständig auf eine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern. Das Lenkrad lässt sich sogar einklappen, um beim automatisierten Fahren mehr Platz zu schaffen.
Extrem schnell geladen
Ein Elektromotor vorne und zwei hinten produzieren zusammen 1180 kW beziehungsweise 1604 PS. Den Sprint auf Tempo 100 soll das Coupé in 2,25 Sekunden schaffen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei bis zu 300 Stundenkilometern, in der Racing Variante sind es dann sogar noch 50 Stundenkilometer mehr.
Auch beim Laden möchte BYD neue Massstäbe setzen. Auf der neuen Super-e-Platform sollen Ladeleistungen von bis zu 1500 kW möglich sein. Unter Idealbedingungen soll sich die Batterie in rund fünf Minuten von zehn auf 70 Prozent laden lassen. Das entspricht ungefähr einer Kaffeepause – vorausgesetzt, die Infrastruktur spielt künftig mit.
Laut Auto Motor Sport ist der Denza Z ab sofort in Grossbritannien bestellbar, die ersten Auslieferungen sollen gegen Jahresende erfolgen. Die offiziellen Preise starten bei 142’900 Pfund für das Coupe und gehen bis zu 172'900 Pfund für die Rennvariante Racing. Eine Einführung in weitere europäischen Märkten sei wahrscheinlich.
Start in Grossbritannien
Im Vergleich zur EU sind die chinesischen Marken im Vereinigten Königreich schon jetzt deutlich stärker vertreten.
Das liegt unter anderem an den Zöllen von zum Teil mehr als 40 Prozent, die die Europäische Union auf chinesische Elektroautos erhebt. Weil Grossbritannien nach dem Brexit kein EU-Mitglied mehr ist, gelten diese Zölle dort nicht. Zudem seien die Briten eher bereit, auf Stromer umzusteigen, glauben Experten. Grossbritannien gilt nach Deutschland als zweitgrösster Automarkt in Europa.














