GZO: Auch Clearway Capital lehnt die Thurmed-Offerte ab
Vergangene Woche haben sich die Ereignisse rund um das unter Nachlassstundung stehende GZO Spital Wetzikon überschlagen.
Letzten Mittwoch gab Infracore bekannt, ein Angebot für eine Sale-and-lease-back-Transaktion für die Immobilien des Spitals abgegeben zu haben, und publizierte die Eckwerte dazu (finews berichtete). Wenige Stunden später teilten die Sachwalter und die Spitalleitung mit, dass sie der Gläubigerversammlung im Oktober die Annahme des schon längeren bekannten Vorschlags der Thurmed empfehlen werden (finews berichtete). Und schliesslich meldete sich auch Gregor Greber, gewählter Vertreter der Obligationäre der notleidenden GZO-Anleihe über 170 Millionen Franken, zu Wort und appellierte an die Gläubiger, den Nachlassvertrag in dieser Form abzulehnen (finews berichtete).
Abhängig von ungewissen künftigen Ereignissen
Nun stösst die von Gründer Gianluca Ferrari geführte Investmentgesellschaft Clearway Capital, treibende Kraft hinter der schon lange aktiven Gläubigervereinigung GZO Creditor Group, ins gleiche Horn. Sie kündigt an, gegen den Antrag zu stimmen und ruft die anderen Gläubiger dazu auf, es ihr gleichzutun.
Die Begründung: Das Thurmed-Angebot bringe nur gut 70 Millionen Franken in bar, was einer Dividende für die Gläubiger von bloss 29 Prozent entspreche. Die von der Spitalleitung genannte Dividende von 39,3 bis 47,5 Prozent überschätze den ökonomischen Wert der Offerte massiv, weil er von künftigen Ereignissen abhänge, die sehr ungewiss seien. Diese Komponenten (im Jargon also alles ausser der Festdividende 1, der sofortigen Barausschüttung von 29 Prozent) seien kaum werthaltig, moniert Clearway.
Weshalb bleibt das PwC-Gutachten unter Verschluss?
Das selber in der GZO-Anleihe engagierte Anlagevehikel stösst sich zudem daran, dass das für die Gläubiger «deutlich bessere» Infracore-Angebot nicht weiterverfolgt wird. Die Dividende hätte in diesem Fall bis zu 60 Prozent betragen können.
Kritisiert wird auch, dass das Gutachten von PwC, wonach die Infracore-Offerte «kein finanziell tragbares Szenario, das gleichzeitig auch zu einer erhöhten Dividende führt», ermöglicht hätte, unter Verschluss gehalten wird. Die auf die Verwaltung und Entwicklung von Spitalliegenschaften spezialisierte Gesellschaft habe ein verbindliches Angebot mit einem Marktpreis für die Immobilien von 55 Millionen Franken vorgelegt. Das entspreche mehr als dem Vierfachen des (ebenfalls extern ermittelten) Betrags, der den Gläubigern genannt worden sei.
«Zuversichtlich», dass Quorum für Ablehnung erreicht wird
Clearway-Chef Ferrari kommentiert: «Die Gläubiger werden aufgefordert, 70 Prozent ihrer Forderungen abzuschreiben, um ein Spital zu rekapitalisieren, an dem sie weder Anteile noch Sicherheiten noch Zinsen auf die ihnen noch geschuldeten Beträge erhalten werden. Gleichzeitig lehnte das GZO ein deutlich besseres Angebot ab, ohne den Gläubigern die Möglichkeit zu geben, es zu prüfen.»
Clearway erinnert daran, dass der Nachlassvertrag durch Gläubiger, die mindestens einen Drittel aller ausstehenden Forderungen vertreten, blockiert werden kann, und ist zuversichtlich, dass er in der vorliegenden Form abgelehnt werden wird. Zugleich werden alle Gläubiger eindringlich dazu aufgerufen, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen und mit Nein zu stimmen.
Ferrari hält fest: «Dieser Plan basiert nicht darauf, was GZO zahlen könnte. Er basiert vielmehr darauf, mit wie wenig GZO glaubt, die Gläubiger dazu bewegen zu können, das Angebot zu akzeptieren.»
ZKB: Barwert tiefer, ungewöhnliche Taxierung des Infracore-Angebots
Patrick Hasenböhler, versierter Bonitätsspezialist der Zürcher Kantonalbank (ZKB) u.a. für Spitalschuldner, gibt aus naheliegenden Gründen keine Stimmempfehlung an die Gläubiger ab. Aber er kommt in einer Kurzanalyse in der Publikation «Daily Market Opinion» vom vergangenen Freitag mindestens teilweise zu den gleichen Ergebnissen wie die kritischen Obligationäre.
«Der Barwert der Festdividende 2 dürfte wegen Laufzeit, Zinslosigkeit und fehlender Sicherheit tiefer ausfallen als nominell in den von GZO präsentierten Unterlagen gezeigt. Auch der Rang gegenüber künftigen Darlehen ist ungewiss.» Und zur (Nicht-)Behandlung der Offerte von Infracore hat Hasenböhler ebenfalls eine klare Meinung: «Ungewöhnlich bleibt die Taxierung des Infracore-Angebots als ‹nicht tragbar›, ohne Offenlegung von Annahmen und Berechnungen gegenüber dem Kapitalmarkt.»
Die ZKB bestätigt bei dieser Gelegenheit ihr GZO-Rating von C mit negativem Ausblick.















