Gewaltiger Umbau bei Bitcoin Suisse – jede zweite Stelle in Zug gefährdet

Bei Bitcoin Suisse bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Das 2013 gegründete Zuger Unternehmen richtet sein Geschäftsmodell neu aus, expandiert international und verlagert gleichzeitig einen erheblichen Teil seiner bisherigen Aufgaben ins Ausland.

Der Umbau markiert einen Wendepunkt für einen der Pioniere des Schweizer Crypto Valley. Bitcoin Suisse machte sich zunächst vor allem mit dem Handel und der Verwahrung von Kryptowährungen einen Namen. Inzwischen reicht das Angebot von Trading und Custody über Staking bis zu Lending.

Nun soll der nächste Schritt folgen: Aus dem Schweizer Krypto-Spezialisten soll ein international aufgestellter Anbieter für vermögende Privatkunden, Family Offices, Asset Manager und institutionelle Investoren werden.

Nicht mehr nur Krypto

«In der Vergangenheit war unser Fokus vor allem auf die Schweiz gerichtet. Nun steht bei uns das internationale Wachstum im Vordergrund. Ausgehend von unserer grossen Kryptoerfahrung wollen wir der internationalen Kundschaft ein breites Offering im Wealth und Asset Management anbieten können, das über Krypto hinausgeht», sagt Group-CEO und Mitgründer Andrej Majcen gegenüber finews.

Seit diesem Jahr verfügt Bitcoin Suisse zunehmend über das regulatorische Fundament dafür. In Liechtenstein erhielt die europäische Tochter eine MiCAR-Lizenz, die über Passporting den Zugang zu Märkten im Europäischen Wirtschaftsraum ermöglicht. Auf Bermuda erhielt die Gruppe Bewilligungen für Digital-Asset- und Investment-Aktivitäten. Im Sommer erhielt die Tochtergesellschaft im Nahen Osten von der Finanzaufsicht in Abu Dhabi die vollständige regulatorische Zulassung.

Massiver Stellenabbau in Zug

Der strategische Wandel hat einschneidende Folgen für den Standort Schweiz. Bis zur Hälfte der heutigen Arbeitsplätze in Zug dürften ins Ausland verlagert werden. Betroffen sind vor allem Backoffice- und Administrationsaufgaben. Diese sollen künftig entweder in Bratislava angesiedelt werden oder nach Vietnam wandern, wo Bitcoin Suisse in den kommenden Jahren einen neuen Standort aufbauen will.

Die Mitarbeitenden in Zug wurden am Freitagmorgen im Rahmen einer Townhall über die Pläne informiert.

Erste Kündigungen noch dieses Jahr

Wie viele Stellen effektiv wegfallen, wird nach Abschluss eines zehntägigen Konsultationsverfahrens feststehen. Klar ist jedoch: Die ersten Kündigungen werden noch in diesem Jahr wirksam.

Die Ankündigung von Bitcoin Suisse reiht sich in eine Serie von Hiobsbotschaften für den Finanzplatz Schweiz ein. Neben der UBS, bei der im Zuge der CS-Integration rund 3'000 Stellen in der Schweiz wegfallen sollen, und Helvetia Baloise, wo im Schweizer Markt infolge der Fusion bis zu 1'200 Stellen abgebaut werden sollen, haben jüngst auch Raiffeisen Schweiz mit bis zu 180 Stellen und Swiss Life mit rund 600 Stellen – davon etwa die Hälfte hierzulande – Abbauprogramme angekündigt.

Kosten als entscheidender Faktor

Der Grund für die Verlagerung ist vor allem finanzieller Natur. «In Bratislava und Vietnam können wir die Dienstleistungen deutlich günstiger anbieten», sagt Majcen.

Mit der derzeit schwierigen Lage am Kryptomarkt habe der Schritt dagegen nichts zu tun. «Wir verfügen über ein dickes Polster, um diese Phase zu überstehen», sagt Majcen. Vielmehr handle es sich um einen klaren strategischen Entscheid: «Wir investieren in Wachstum und Bitcoin Suisse soll zu einem globalen Brand werden», betont er.

Trotz des Stellenabbaus will Majcen die Schweiz keineswegs abschreiben. Zug bleibe Hauptsitz, auch am Namen Bitcoin Suisse werde nicht gerüttelt. Mehr noch: Das Unternehmen will hierzulande weiter wachsen und schliesst dafür auch Übernahmen nicht aus: «Die Schweiz ist ein extrem attraktiver Finanzplatz, und es ist entscheidend, dass wir mit unseren Kundenteams hier sind.»