21Shares wagt sich auf Neuland vor

Seit einem Jahr führt er als CEO 21Shares, den Schweizer Spezialisten für Exchange Traded Products (ETP) auf Krypto-Basiswerte, mit verwalteten Vermögen von rund 8 Milliarden Dollar. Russell Barlow wechselte zusammen mit dem heutigen Präsidenten Duncan Moir aus der Hedge-Funds-Industrie in den Kryptobereich.

Und seit Oktober 2025 hat 21Shares auch einen neuen Eigentümer. Die beiden Gründer haben ihre Anteile an den US-Broker FalconX verkauft. finews.ch unterhielt sich in Zürich mit Barlow über sein erstes Jahr als CEO, seine Pläne und das Risiko eines neuerlichen Krypto-Winters.


Herr Barlow, sind Sie mit dem Jahr 2025 zufrieden?

Ja, auch wenn wir keine Zahlen offenlegen, so kann ich sagen, dass es ertragsmässig das beste Jahr war, das 21Shares je hatte.

Was hat Sie in den letzten zwölf Monaten auf Trab gehalten?

Aus einer Marktperspektive ging es darum, in Gesprächen mit bestehenden und potentiellen Kunden zu einem noch besseren Verständnis der Rolle und der Charakteristiken von Krypto beizutragen und zu erklären, weshalb die Anlageklasse in ein diversifiziertes Portfolio gehört. Aus einer geschäftlichen Sicht stand die Identifizierung neuer Wachstumsmärkte im Vordergrund. Und betrieblich bestand die Herausforderung darin, die operative Infrastruktur von FalconX so zu nutzen, dass wir Synergien beim Wachstum und den Erträgen erzielen können.

Wird 21Shares vollständig integriert? Und was bedeutet die Übernahme für den Standort Schweiz?

Nein. FalconX weiss, dass sie mit uns den grössten Mehrwert haben, wenn wir weiterhin eigenständig unter unserem Brand unterwegs sein können. Der Mehrwert für unsere neue Muttergesellschaft besteht darin, dass sie ihr Angebot und ihre Ertragsquellen diversifizieren kann. Aber wir nutzen natürlich die grosse Infrastruktur von FalconX, um zu skalieren und noch effizienter zu werden. 21Shares bleibt als Schweizer Gesellschaft der Heimat treu, mit Hauptsitz in Zürich.

«FalconX weiss, dass sie den grössten Mehrwert haben, wenn wir weiterhin eigenständig unter unserem Brand unterwegs sein können.»

Wie sieht Ihre Strategie für 2026 aus?

Zum einen wollen wir uns, was wohl niemanden richtig überraschen wird, in den Wachstumsmärkten USA und Grossbritannien stärker positionieren. In den USA ist mit der Trump-Administration die Haltung gegenüber Bitcoin & Co bekanntlich viel offener geworden. Und in Grossbritannien hat die Aufsichtsbehörde erst im Oktober 2025 das Verbot von Krypto-Assets für Privatanleger aufgehoben, was zu Zuflüssen in ETP führte. Einen zweiten Schwerpunkt bilden für uns regulatorische Zulassungen. Wir wollen in der Schweiz eine Finma-Lizenz und prüfen, ob wir ähnliche Bewilligungen auch in anderen Jurisdiktionen beantragen wollen.

Was versprechen Sie sich davon? Solche Lizenzierungsprozesse sind ja nicht gerade billig und einfach.

Das hängt zusammen mit einer dritten Neuerung, die wir uns für 2026 vorgenommen haben. 21Shares hat in den letzten Jahren den Anlegern mit ETP günstig und niederschwellig den Zugang zum Beta der Anlageklasse Krypto ermöglicht, mit viel Erfolg. Doch der Markt hat sich weiterentwickelt, die Ansprüche der Kunden wachsen und verändern sich. Deshalb zünden wir nun die nächste Stufe: Wir werden in diesem Jahr aktive ETP lancieren.

Live Abstimmung

21Shares lanciert 2026 aktive ETP auf Krypto. Würden Sie ein solches Produkt kaufen?

Ist das nicht ein fundamentaler Bruch mit der Philosophie des passiven Anlegens im Kryptobereich, mit der 21Shares gross und bekannt wurde?

Natürlich werden wir auch weiterhin passive Produkte anbieten, und wir erwarten auch gar nicht, dass die aktiven ETP rasch riesige Volumen anziehen. Ähnlich wie seinerzeit im passiven Bereich wollen wir aber First Mover sein, d.h., wir lancieren die Produkte jetzt, damit die Kunden in ein paar Jahren den Track Record sehen können. Damit bauen wir Schritt für Schritt Vertrauen in das für den Kryptobereich doch noch recht neue Instrument auf.

«Ähnlich wie seinerzeit im passiven Bereich wollen wir auch bei aktiven Produkten First Mover sein.»

Sie haben damit argumentiert, dass sich der Markt weiterentwickelt. Was heisst das genau?

Heute werden die Krypto-Assets oft noch in einen Topf geworfen – entweder läuft es für alle gut oder für alle schlecht. Je reifer der Markt wird, desto mehr wird differenziert, also analysiert, ob ein Geschäftsmodell trägt oder nicht. In einem solchen Umfeld mit Gewinnern und Verlierern schneiden aktive Strategien besser ab. Konkret könnte sich ein aktiver ETP weiterhin an einem Index verschiedener Kryptowerte orientieren, aber bewusst gewisse Abweichungen von der Zusammensetzung erlauben. Die nächste Stufe wäre dann, dass man auch, ähnlich wie heute im Aktienmarkt, auf einfache Weise Short-Positionen in bestimmten Krypto-Assets eingehen könnte, doch das ist noch Zukunftsmusik. Seit sieben Jahren ist 21Shares im passiven ETP-Bereich tätig, wir haben die nötige Glaubwürdigkeit, um diese Erweiterung des Angebots erfolgreich umzusetzen.

Wagen Sie den Schritt auch deshalb, weil im passiven Bereich die Konkurrenz immer härter wird? In der Schweiz gibt es bereits 20 Emittenten von Krypto-ETP, und mit Blackrock hat 2025 ein Koloss die Bühne betreten.

Nein, das war nicht der Grund. Aber der von Ihnen angesprochene verschärfte Wettbewerb und der Eintritt grosser etablierter Akteure gehören zur Marktreifung dazu. Blackrock verleiht der Anlageklasse Reputation und Akzeptanz. Krypto-Assets sind kein Nischenprodukt mehr, sie gehören mehr und mehr zum Mainstream und damit in die strategische Asset Allocation. Und mehr Wettbewerber sind gut für die Kunden, auch wenn wir mittelfristig mit einer Konsolidierung rechnen.

Wird 21Shares dabei eine aktive Rolle spielen?

Zurzeit stehen für uns wie erwähnt andere Themen im Vordergrund. Aber wir schliessen nichts aus und werden günstige Gelegenheiten nutzen.

Malen Sie da nicht ein allzu rosiges Bild? Wenn doch beispielsweise eine Schweizer Pensionskasse eine Bitcoin-Position via einen ETP aufbauen will, wird sie doch statt 21Shares eher Blackrock wählen, schlicht und einfach, weil sie dieses Institut viel besser kennt.

Das sehe ich anders. Pensionskassen haben strukturierte Anlageprozesse und laden meist mehrere Anbieter ein, wenn sie eine Quote aufbauen wollen. Bei ETP sind wir in der Schweiz und auch in Europa seit sieben Jahren der Platzhirsch, haben mit über 50 die grösste Zahl an Produkten und viel Erfahrung. Wir weisen einen langen Track Record über die ganze Wertschöpfungskette inklusive Verwahrung auf. Unsere Chancen in einem Schönheitswettbewerb stehen also gut.

«Unsere Chancen in einem Schönheitswettbewerb um Pensionskassen stehen gut.»

Bereitet Ihnen die starke Marktkorrektur seit Oktober 2025 eigentlich gar keine Sorgen? Sie kam ja ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem viele Fundamentalfaktoren für den Bitcoin sprachen, wie die wachsende Akzeptanz und Verbreitung in den Portfolios sowie die Aufnahme in die Asset Allocation.

Nichts kann immer nur steil aufwärts gehen. Unser Research-Team hat die Anleger frühzeitig auf das Risiko einer Korrektur hingewiesen, wir waren beim Bitcoin aus markttechnischen Gründen vorsichtig, auch wenn wir das Ausmass des Rückschlags nicht vorhergesehen haben. Wir haben bereits einige kürzere und längere Baissen durchlebt. Und auch in der jüngsten Korrektur, die natürlich schmerzt, aber langfristig wohl gesund ist, waren wir immer für unsere Kunden ansprechbar und verfügbar. Die von Ihnen erwähnten Fundamentaldaten sind weiterhin intakt, aber bis zu einer Erholung können erfahrungsgemäss einige Monate verstreichen.

Und was stimmte markttechnisch betrachtet nicht?

Grosse Halter von Bitcoin haben Teile ihrer Bestände verkauft, aus den ETF in den USA gab es erhebliche Abflüsse, weil auch wegen der veränderten Anlegerstimmung insgesamt Liquidität gesucht war. Aber wir rechnen nicht damit, dass wir am Anfang eines langen Krypto-Winters stehen. Vielmehr dürfte es sich um eine Gelegenheit handeln, vergleichsweise günstig in die Anlageklasse einzusteigen.

Teilen Sie die Befürchtung, dass immer noch zu viel Leverage im Kryptosystem ist, also zu viele Kredite? Und dass Notverkäufe aufgrund von Margin Calls die Kurse drücken, wie das auch schon im Aktienmarkt vorgekommen ist?

Nein, der grösste Teil des sogenannten Deleveraging hat bereits stattgefunden. Und anders als bei Aktien werden Bitcoin-Bestände heute erst selektiv als Collateral für Kredite verwendet. Und wo dies gemacht wird – bei langfristigen Anlegern, die Mittel für andere Investments frei machen wollen – sind die Standards und der Belehnungswert vernünftig.

«Der strukturelle Trend bei Bitcoin ist weiterhin intakt. Er stützt die Preise, stabilisiert den Markt und dämpft die Volatilität.»

Was halten Sie von der Greater-Fool-Theory, die besagt, dass versierte Investoren sich rechtzeitig von zu hoch bewerteten Anlagen trennen, indem sie diese an weniger schlaue Investoren verkaufen?

Dagegen spricht, dass bei Krypto-Assets die Adoption durch die Investoren anders verlaufen ist als üblich. Normalerweise investieren zuerst die grossen Institutionellen in neue Anlageklasse. Erst in einer späteren Phase steigen allmählich auch die Retailer ein, nicht immer zum besten Zeitpunkt. Bei Kryptos waren die Retailer zuerst da. Erst in den letzten Monaten investierten auch Institutionelle substanzielle Beträge. Die Anlegerbasis verschiebt sich also hin zu weniger Retailern und mehr Institutionellen – darunter viele bekannte Namen wie die Stiftung der Harvard University (Harvard Endowment). Solche Investoren haben einen längeren Zeithorizont und bleiben in der Regel ihrer Asset Allocation ziemlich treu. Dieser strukturelle Trend, der die Preise stützt, den Markt stabilisiert und die Volatilität dämpft, ist weiterhin intakt.