Daniel Zuberbühler positioniert sich in der AT1-Kontroverse
«Das Massnahmenpaket des Bundesrats zur Verschärfung der Bankenregulierung ist völlig überrissen, auf das Senior Managers Regime kann verzichtet werden, und die Finma braucht auch keine neue Bussenkompetenz.» Bemerkenswert an dieser Positionierung, die am Donnerstag auf einem Podium an der Veranstaltung «Vision Bank» der «Finanz und Wirtschaft» zu vernehmen war, ist weniger die Botschaft als der Absender.
Hätte nämlich einer der drei anderen Teilnehmer sich so geäussert, wäre der entsprechende Überraschungseffekt sehr überschaubar gewesen. Roman Studer, CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung, Simon Rahn, Partner bei der Privatbank Rahn+Bodmer, und Luca Bianchi, Partner bei der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard, stehen alle dem Finanzplatz nahe und betrachten daher die nach dem Untergang der Credit Suisse (CS) entstandene Regulierungswelle naturgemäss eher skeptisch.
Besonders gut nachvollziehbar ist dies im Fall des Senior Managers Regime für Rahn, haftet dieser doch als Privatbankier für sein Institut in seinen Worten ohnehin «bis aufs letzte Hemd».
Zuberbühlers Fokus auf die UBS
Doch die obige Stellungnahme stammte von Teilnehmer Nummer vier, Daniel Zuberbühler, der den grössten Teil seiner Karriere beim Vorgängerinstitut der Finma verbrachte und die Eidgenössische Bankenkommission als Direktor bzw. Vizepräsident durch die globale Finanzkrise steuerte. Seither hat er aber die Perspektive gewechselt, 2014 bis 2019 sass er im Verwaltungsrat der EFG Bank, und seit 2014 ist er Mitglied des Leitungsgremiums der BPS (Suisse). Diese ist die schweizerische Tochterbank der Banca Popolare di Sondrio, die seit Juli 2025 zur drittgrössten Bankengruppe Italiens gehört (Gruppo BPER Banca).
Allerdings: Stromlinienförmig ist Zuberbühler in dieser Zeit nicht geworden, er befürwortet angesichts des «extremen Too-big-to-fail-Problems» (TBTF) die schärferen Kapitalanforderungen für die UBS. «Es gibt Gründe, um hier streng zu sein«, hielt Zuberbühler fest, der damit seine bereits bekannte Position bekräftigte.

Daniel Zuberbühler hält nichts von einer zusätzlichen Bussenkompetenz für die Finma: «Ihr Track Record ist im internationalen Vergleich auch ohne solche Instrumente ziemlich gut.» (Bild: Linkedin)
Und auch zu einem weiteren heissen Thema äusserte sich Zuberbühler klipp und klar: Er hält den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts zu den Additional Tier 1 Bonds (AT1) der CS für ein Fehlurteil. «Das Gericht hat es nicht begriffen.» Durch das Urteil seien AT1 nicht mehr brauchbar, er hoffe darauf, dass das Bundesgericht den Entscheid umkehre. Das Bundesverwaltungsgericht hätte also offensichtlich quasi im Landesinteresse, der Aufrechterhaltung der Stabilität des Finanzsystems, Bedenken juristischer Art in denn Hintergrund stellen sollen.
Zuberbühler liess aber auch eine gewisse allgemeine Skepsis gegenüber den Eigenheiten des Instruments und und seiner Funktionstüchtigkeit im Krisenfall an sich durchblicken.
«Geniales Instrument»
Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Oktober 2025 die Ungültigkeitserklärung der AT1 durch die Finma aufgehoben. Finma und UBS haben das Urteil umgehend am Bundesgericht angefochten, seither ist es dort pendent. Im Januar hatte Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Vorsteherin des für die Verschärfung der Bankenregulierung zuständigen Eidgenössischen Finanzdepartements, in einem Interview festgehalten, dass sie fundamentale Zweifel an der Tauglichkeit des Instruments der AT1 hegt.
Die anderen Podiumsteilnehmer sahen tunlichst davon ab, den Rechtsstreit zu kommentieren. Bianchi bezeichnete AT1, die es Banken ermöglichen, relativ günstig Mittel mit Eigenkapitalcharakteristiken aufzunehmen und damit ihre Resilienz in einer Krise zu stärken, jedoch als «geniales Instrument».
Nachbesserungen nötig
Auch Studer verteidigte AT1 vehement, warb aber zugleich für stringentere Definitionen in den Emissionsbedingungen. Er verwies dabei auf internationale Standards und einen Vorschlag der Bankenbranche, wonach schon in einem frühen Stadium einer Krise aufgrund des Erreichens bestimmter Schwellenwerte Couponzahlungen (ebenso wie Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe) automatisch ausgesetzt würden.
AT1 wurden nach der grossen Finanzkrise mit tatkräftiger Unterstützung der Aufsichtsbehörden geschaffen, wobei sich diese dafür im Basler Bankenausschuss international koordinierten. Seither hat sich ein liquider Markt für diese besondere Art von Obligationen entwickelt.














