13 Minuten bis zur nächsten Bank: Studie enthält Zündstoff

Laut einer Mitteilung zeigen die Auswertungen der IFZ Retail Banking-Studie 2025, dass eine kurze Reisezeit das wichtigste Kriterium für die Wahl einer Bankfiliale ist. 66 Prozent der befragten Personen geben an, dass ihnen die Anreisezeit wichtig oder sehr wichtig ist. Ausgedehnte Öffnungszeiten (als zweitwichtigstes Kriterium) sind für 51 Prozent der Befragten entscheidend. 

Deutlich weniger Filialen 

Im Jahr 1990 gab es in der Schweiz noch 5’427 Bankfilialen, seither sind gut die Hälfte verschwunden. In der gleichen Zeit wuchs die Bevölkerung von 6,8 auf 9 Millionen. Die Bankstellen-Dichte erreichte ihren Höhepunkt 1988, als auf 100’000 Personen in der Schweiz 82 Filialen kamen. Im Jahr 2024 gab es noch 27,4 Filialen pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Die Autoren gehen davon aus, dass sich dieser Rückgang in den kommenden Jahren fortsetzt. Gemäss Schätzung wird die Bankstellendichte bis Ende 2027 auf knapp 24 Filialen pro 100‘000 Einwohnerinnen und Einwohner sinken.

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 Grafik: IFZ

Insgesamt wurden in der Schweiz allein in den vergangenen fünf Jahren 323 Bankfilialen geschlossen. Die Umfrage zeige, dass die Mehrheit der Kundinnen und Kunden den starken Rückgang an Bankfilialen kaum als spürbare Veränderung erlebt: 71 Prozent stufen die Situation als unverändert ein. Nur 15 Prozent geben an, dass sich die Bedingungen (stark) verschlechtert haben, 6 Prozent sehen gar eine Verbesserung. Insgesamt bewerten rund 77 Prozent der Befragten die Situation als mindestens stabil oder besser; weitere 7 Prozent konnten diese Frage nicht beantworten.

Während die Raiffeisenbanken 6,1 Prozent ihrer Filialen schlossen, waren es bei den Kantonalbanken 5,6 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Grossbanken: Zwar hat die UBS im Jahr 2024 – dem ersten Jahr nach der Übernahme der Credit Suisse – etwa jede sechste Filiale geschlossen, dabei handelte es sich jedoch grösstenteils um Zusammenlegungen von nahe beieinanderliegenden UBS- und Credit Suisse-Standorten. 

In 13 Minuten zur nächsten Bankfiliale

Laut der Umfrage erreichen die Befragten die nächstgelegene Bankstelle mit dem ÖV (oder zu Fuss) respektive mit dem Auto in durchschnittlich 13 Minuten. Zwischen den Altersgruppen zeigen sich nur geringe Unterschiede. Auffällig: Im Tessin dauert die Autofahrt zur nächsten Filiale nur neun Minuten, in den anderen Sprachregionen sind es vier Minuten mehr. Am schnellsten sind die Kunden der Raiffeisenbanken, bei der Grossbank ist der Weg mit dem bevorzugten Verkehrsmittel etwas weiter.  

Rund 31 Prozent aller Bankstellen in der Schweiz entfallen auf Raiffeisen. Zum Vergleich: Die UBS verfügt über lediglich 13 Prozent aller Filialen.

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Grafik: IFZ

In einem zweiten Schritt wurde erhoben, wie hoch die maximal akzeptable Anreisezeit zu einer Bankfiliale ist. Im Durchschnitt wären Kunden bereit, rund 24 Minuten mit ihrem bevorzugten Verkehrsmittel zu investieren. Dabei zeigt sich: Die Unterschiede bei der maximal akzeptierten Anreisezeit sind zwischen den Generationen, Geschlechtern oder Sprachregionen nur gering.

Wie gut die Versorgung der Bevölkerung mit Bankdienstleistungen ist, zeige sich beim Vergleich mit den gesetzlichen Anforderungen an die Post: Gemäss Postverordnung müssen für mindestens 90 Prozent der Bevölkerung die Dienstleistungen des Zahlungsverkehrs zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb von 20 Minuten erreichbar sein. 

Zusätzlicher Spielraum für die Retail-Banken

Die Umfrage zeige, dass Filialschliessungen aus Kundensicht nicht zwingend einen markanten Leistungsabbau darstellen. Kunden seien bereit, für den Besuch einer Bankfiliale einen gewissen Aufwand in Kauf zu nehmen, wenn sie dafür einen Mehrwert erhielten. Zudem gehen Personen in der Schweiz durchschnittlich nur rund viermal pro Jahr in eine Bankfiliale und wenn sie dies tun, dann meist für komplexere Anliegen.