Neobanken: Yuh überholt fast alle
Dass Neobanken gekommen sind, um zu bleiben, sei in der Zwischenzeit wohl allen klar, schreiben die beiden Experten in ihrem Blog. Heute dürfte ihr Schweizer Kundenstamm deutlich über einer Million liegen.
Grundlage für die Nutzerzahlen der einzelnen Neobanken bilden Angaben, die von den Instituten selbst oder in Medienberichten kommuniziert wurden. Für die Monate nach dem letzten verfügbaren Datenpunkt (z.B. Juni 2025) wurde die Nutzerzahl hochgerechnet. Der Hochrechnung liegt die Annahme zugrunde, dass die Neobanken mit einer ähnlichen Dynamik weiterwachsen, wie in den 18 Monaten zuvor, wobei jüngere Monate stärker in die Prognose einfliessen.
Um die Grössenordnung der Nutzerzahlen von Wise und N26 zu ermitteln, erfolgte eine Schätzung auf Basis der Umfrageergebnisse des Swiss Payment Monitors (SPM) der HSG und der ZHAW.
- Wise: zwischen 160’000 und 190’000 Nutzer:innen
- N26: zwischen 70’000 und 90’000 Nutzer:innen
Revolut rechnet anders
Bei Revolut sind die Nutzerzahlen zwar klar definiert, folgen jedoch (zumeist) einer anderen Logik als bei der Konkurrenz und sind daher nur bedingt vergleichbar. Medienberichten zufolge verzeichnete in der Schweiz und im Frühjahr 2025 sogar über eine Million. Diese Zahlen würden bedeuten, dass Revoluts Kundenstamm grösser ist als jener aller anderen in der Schweiz aktiven Neobanken zusammen und beispielsweise mehr als doppelt so gross ist wie jener von Yuh. Die relativen Marktanteile gemäss dem Swiss Payment Monitor zeichnen ein anderes Bild. Würde die Anzahl Kundinnen und Kunden von Revolut auf dieselbe Art berechnet wie für Wise und N26, resultierten deutlich tiefere Nutzerzahlen.
Als Nutzerin respektive Nutzer zählen bei Revolut alle Personen, welche die App heruntergeladen, sich registriert und den Verifizierungsprozess (Know-your-customer-Prozess) der Identität erfolgreich abgeschlossen haben.
Viele andere Banken definieren ihren Kundenstamm konservativer als Revolut und berücksichtigen etwa nur Personen, die eine gewisse Mindestaktivität aufweisen (zum Beispiel mindestens eine Transaktion durchgeführt). Trotz der Unsicherheit zur Bemessung der Nutzerzahlen, verwendet das IFZ für Revolut ausschliesslich Werte, die vom Unternehmen selbst bekanntgegeben wurden.
Die Aus- und Umsteiger
Radicant, Kaspar& und Yapeal haben ihre Aktivitäten im Privatkundenbereich im vergangenen Jahr eingestellt oder zurückgefahren. Die Tochter der Basellandschaftlichen Kantonalbank Radicant hat den Betrieb im November eingestellt. Kaspar& wiederum fokussiert künftig auf die Erbringung von Banking-as-a-Service-Leistungen. Yapeal will sich ebenfalls stärker auf das Firmenkundengeschäft konzentrieren. Die App für Privatkunden wird zwar weiterbetrieben, aber nicht mehr beworben. Ende November 2025 vereinten die drei Neobanken etwas über 36’000 User auf sich. Über die Hälfte davon waren Radicant-Nutzende, die nun von Alpian übernommen werden.
Yuh startet durch
In starkem Kontrast zu den Schwierigkeiten bei Radicant steht der steile Aufstieg von Yuh. Die Firma wurde im Mai 2021 lanciert. Gut viereinhalb Jahre nach seiner Lancierung weist es bereits eine Kundenbasis von 400’000 Personen aus. Damit hat das Unternehmen, das mittlerweile zu 100 Prozent im Besitz von Swissquote ist, den bisherigen Schweizer Platzhirsch Neon überholt. Allerdings bleibt auch Neon auf Wachstumskurs. Das von bestehenden Banken unabhängige Zürcher Start-Up trat im Jahr 2019 in den Markt ein und verfügte Ende 2025 über rund 250’000 Kundinnen und Kunden.
Verhaltenes Wachstum bei Zak und N26
Mit deutlich weniger Tempo, aber trotzdem ebenfalls weiter gewachsen sind die Cler-Tochter Zak und die Berliner Neobank N26. Zak gilt als die erste Schweizer Smartphone-Bank und konnte seit ihrem Start im Jahr 2018 langsam aber kontinuierlich neue Kundinnen und Kunden gewinnen. Basierend auf den jüngsten verfügbaren Zahlen ist davon auszugehen, dass Zaks Kundenstamm Ende 2025 etwas unter 90’000 Personen umfasste.
Bei N26 scheint sich die Wachstumsdynamik zuletzt allerdings vermindert zu haben – zumindest basierend auf den Ergebnissen des Swiss Payments Monitor. Gemäss dem SPM hat N26 im Verhältnis zu den anderen Neobanken an Marktanteil eingebüsst. Die Autoren schätzen, dass die Neobank Ende 2025 über knapp 80’000 Nutzende in der Schweiz verfügte.
Wise und Newcomer Alpian wachsen konstant
Alpian ist Teil der italienischen Bankengruppe Intesa Sanpaolo und wurde Ende 2022 in der Schweiz lanciert. Das junge Unternehmen mit Fokus auf die Vermögensverwaltung verfügte Ende letzten Jahres über einen Kundenstamm von 27’000 Personen. Im Rahmen der Auflösung von Radicant wird Alpian dieses Jahr rund 20’000 Radicant-Kundinnen und Kunden übernehmen. Alpian hat sich das Ziel gesteckt, seine Kundenbasis im Jahr 2026 auf deutlich über 45’000 ausbauen zu wollen.
Die Londoner Neobank Wise nahm ihren Betrieb bereits im Jahr 2011 in Grossbritannien auf. Wie sich von den Zahlen des Swiss Payment Monitors ableiten lässt, ist Wise auch in der Schweiz in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Die Autoren schätzen die Wise-Kundenbasis per Ende 2025 auf rund 175’000 Personen.
Revolut: Auf hohem Niveau stark steigend
Trotz der Unsicherheiten rund um die Anzahl aktiver Nutzerinnen und Nutzer steht ausser Frage, dass Revolut klar die kundenstärkste Neobank in der Schweiz ist. Wie bereits erwähnt, zählte die Londoner Bank gemäss eigenen Angaben über eine Million Kundinnen und Kunden per Ende 2025. Seit Längerem kursieren zudem Gerüchte, Revolut plane die Beantragung der hiesigen Bankenlizenz. Eine solche dürfte dem Wachstum in der Schweiz zusätzlichen Schub verleihen.
Abbildung 1 fasst die beschriebenen Entwicklungen zusammen. Zwecks besserer Lesbarkeit sind in Abbildung 2 die Neobanken exkl. Revolut dargestellt.

Entwicklung Nutzerzahlen der in der Schweiz aktiven Neobanken 2019-2026 (Werte zwischen den Datenpunkten wurden linear interpoliert; Prognosen ab letztem Datenpunkt sind Schätzungen der Autoren. Daten: öffentlich kommunizierte Angaben der Neobanken, Medienberichte und Swiss Payment Monitor (SPM))
Nur wenige nutzen sie als Hauptbank
Angesichts der begrenzten Marktgrösse der Schweiz sei es wenig überraschend, dass sich der Neobankenmarkt bereits zu konsolidieren beginnt. «Die jüngsten Rückzüge von Kaspar&, Radicant und Yapeal aus dem Privatkundengeschäft sind eine normale und erwartbare Entwicklung in einem reifenden Markt. Wir erwarten zudem, dass nicht alle derzeitigen Anbieter langfristig bestehen werden.» Gleichzeitig gehen die Autoren davon aus, dass die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer von Neobanken weiter steigt.
Spannend werde dabei sein, ob Yuh seinen rasanten Aufstieg fortsetzen könne. Falls ja, könnte der Kundenstamm des Unternehmens bis Ende 2026 auf über 500’000 Nutzerinnen und Nutzer anwachsen. Mit weiterhin starkem Wachstum sei auch bei Revolut zu rechnen. Gemäss eigenen Angaben will die Neobank jährlich bis zu 250’000 Neukundinnen und -kunden gewinnen. Wise werde voraussichtlich ebenfalls weiter zulegen und könnte bis Ende Jahr an Neon aufschliessen.
Noch entscheidender sei aber, dass auch die Durchdringung zunimmt. «Wir erwarten, dass Kundinnen und Kunden zunehmend zusätzliche Produkte nutzen und einen grösseren Teil ihrer Transaktionen über Smartphone-Banken abwickeln werden.»
Noch offen sei hingegen eine weitere zentrale strategische Frage: Schaffen es Neobanken, sich als Hauptbank zu etablieren? Derzeit nutzen erst etwas mehr als 1 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Neobank als primäre Bankverbindung. Ein Blick nach Grossbritannien unterstreiche dieses Potenzial: Dort stieg der Anteil der Smartphone-Banken an den Hauptbankbeziehungen von 1 Prozent im Jahr 2019 auf rund 6 Prozent im Jahr 2025 — ein klares Zeichen dafür, dass Neobanken nach einer gewissen Zeitspanne als Primärbank akzeptiert werden. «Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, erscheint auch in der Schweiz ein Anteil von rund 5 Prozent Hauptbankbeziehungen innerhalb der nächsten fünf Jahre plausibel.»
IFZ schafft neue Datengrundlage
Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ will die Entwicklung des Schweizer Neobankenmarkts auch künftig eng verfolgen. Die Zeitreihen zu den Nutzerzahlen der in der Schweiz aktiven Neobanken werden laufend aktualisiert und zur Verfügung gestellt. Die Daten können über den IFZ Retail Banking Blog bezogen werden. Damit entstehe ein Datenangebot, das in dieser Form bislang fehlte.













