Drohende US-Sanktion: Was der Zürcher MBaer Bank zum Verhängnis wurde

Die von der US-Behörde Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) vorgeschlagenen Massnahmen gegen MBaer könnten die Schweizer Bank komplett vom US-Finanzsystem und damit von Dollar-Transaktionen abklemmen. Der Grund: Die US-Behörde hat die MBaer Merchant Bank als primäres Risiko für Geldwäscherei eingestuft.

Im Falle einer endgültigen Verabschiedung würde die vorgeschlagene Regelung es US-Finanzinstituten untersagen, ein Korrespondenzkonto für oder im Namen von MBaer zu eröffnen oder zu führen.

Das FinCEN ist dem US-Finanzministerium unterstellt. In einer Mitteilung hat sich dabei auch Finanzminister Scott Bessent zu dem Fall geäussert: «MBaer hat im Namen illegaler Akteure mit Verbindungen zum Iran und zu Russland über hundert Millionen Dollar durch das US-Finanzsystem geschleust», erklärte er. «Banken sollten sich bewusst sein, dass das US-Finanzministerium die Integrität des US-Finanzsystems mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln aggressiv schützen wird.»

Geldwäsche und illegale Finanzaktivitäten

Seit seiner Gründung habe MBaer und seine Mitarbeitenden Geldwäsche und illegale Finanzaktivitäten ermöglicht, heisst es in dem Statement. Dies sei unter anderem durch die Erleichterung von Korruption im Zusammenhang mit russischer Geldwäsche sowie Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung im Namen von mit dem Iran verbundenen ausländischen Terrororganisationen geschehen. Genannt werden dabei die Islamische Revolutionsgarde und ihre Elite-Einheit, die Quds-Brigade.

«MBaer ist für eine Vielzahl illegaler Akteure ein wichtiger Zugangsknotenpunkt zum US-Dollar, wodurch die nationale Sicherheit der USA gefährdet, und die Integrität des US-Finanzsystems untergraben wird», schreibt das Ministerium.

In der 45-seitigen Begründung des FinCEN für die angestrebten Massnahmen wird etwa auf eine Reihe von Kundenbeziehungen von MBaer zu Personen aus dem Umfeld des venezolanischen PDVSA-Korruptionsfalls verwiesen (Petróleos de Venezuela).

Zudem sei MBaer auch in erheblichem Masse von illegalen russischen Aktivitäten betroffen, da Konten russischer Personen wahrscheinlich den grössten Teil seines verwalteten Vermögens ausmachen würden. Berichten zufolge sei MBaer auf wohlhabende Russen, von denen einige Sanktionen unterliegen, als zentrale Kundengruppe angewiesen, heisst es weiter.

Russische Kundenbeziehungen verschleiert

Nach nicht öffentlichen Informationen, die FinCEN vorliegen, habe MBaer demnach Ende 2024 trotz der Sanktionen gegen Russland seine wichtigsten russischen Kunden behalten. Die Daten dieser russischen Kunden habe die Bank auf verdeckte Weise gespeichert. «Der leitende Mitarbeiter von MBaer, der die gesamte Koordination und alle Aktivitäten im Zusammenhang mit den russischen Kunden überwacht, ist ein Gründungspartner», heisst es in dem Dokument.

Diese Verschleierungsmassnahmen, die 2024 eingeführt wurden, seien zeitlich mit der Einleitung einer Untersuchung der Schweizer Aufsichtsbehörde gegen MBaer zusammengefallen. «Angesichts des zeitlichen Zusammenhangs dieser beiden Ereignisse geht FinCEN davon aus, dass MBaer Ende 2024 möglicherweise bewusst Informationen vor seiner Aufsichtsbehörde zurückhält, um russlandbezogene Fakten über seinen Kundenstamm zu verschleiern.»

Kunden mit Iran-Bezug

MBaer habe auch Personen Zugang zum US-Finanzsystem verschafft, die materielle Unterstützung für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung im Zusammenhang mit dem Iran leisten, sowie Sanktionen und Exportkontrollen umgehen. Wahrscheinlich habe MBaer im Zusammenhang mit einem iranischen internationalen Ölschmuggel- und Geldwäschesystem mehr als 37 Millionen Dollar transferiert, heisst es in dem Schreiben.

Die Mitteilung des US-Finanzministeriums endet mit einem Hinweis auf das Wistleblower-Programm. Dieses belohnt die Anzeige von Verstösse gegen das Bankgeheimnisgesetz und bestimmte Sanktions- und nationale Sicherheitsgesetze, wenn daraus eine erfolgreiche Strafverfolgungsmassnahme resultiert.

Privatkunden, Unternehmer, Family Offices

Die MBaer Merchant Bank fokussiert sich nach eigenem Selbstverständnis primär auf die Betreuung von vermögenden Privatkunden, Unternehmern, Family Offices sowie deren Familien und Unternehmen. Sie wurde 2018 in Zürich gegründet. Hinter ihr steht Michael Bär, ein Mitglied der Schweizer Bankiersfamilie Bär.