Die Banken sind bereit – ihre Berater oft noch nicht
Die Schweizer Banken haben die Vorgaben zur Integration von Nachhaltigkeitskriterien in der Vermögensverwaltung inzwischen eingebettet. Das zeigt die neue ESG-Selbstregulierung Studie im Auftrag der Schweizerischen Bankiervereinigung. Der Untersuchung zufolge haben 86 Prozent der Institute die erste Version bereits vollständig umgesetzt. Auch bei der Weiterentwicklung kommt die Branche voran: Jeweils 42 Prozent der Banken haben die überarbeiteten Richtlinien bereits umgesetzt oder befinden sich aktuell in der Umsetzung.
85 Prozent der Banken wenden die Schweizer Vorgaben direkt an, während sich 15 Prozent an EU-Regeln orientieren. Bemerkenswert: Viele Institute sehen darin weniger eine Belastung als vielmehr eine Chance zur Weiterentwicklung ihres Angebots.
August Benz, Leiter Transformation & International bei der Bankiervereinigung, zieht ein positives Fazit: «Die Banken haben gezeigt, dass sie die komplexen Anforderungen effektiv und vergleichsweise schnell umsetzen können». Nun brauche es Zeit, damit die Massnahmen ihre Wirkung entfalten – zusätzliche Regulierung sei dabei nicht zielführend.
Beratung als entscheidender Hebel
Im Anlagegeschäft ist der Wandel angekommen – vor allem bei grossen Instituten. Mehr als die Hälfte misst entsprechenden Kriterien eine hohe strategische Bedeutung bei. Kleinere und mittlere Banken gewichten sie tiefer, auch weil die Nachfrage dort weniger ausgeprägt ist.
Die Angebotsstruktur hat sich überraschend verschoben: ESG-Anlagelösungen werden von 68 Prozent der Banken angeboten, konventionelle von 61 Prozent und explizit nachhaltige Lösungen von 36 Prozent. Mehr als die Hälfte der Banken kombiniert verschiedene Ansätze.
Kundenberater haben grossen Einfluss
Zugleich wird die Beratung zum Schlüsselfaktor. In 73 Prozent der Banken haben Kundenberater grossen Einfluss auf die Klassifizierung und Profilzuordnung und prägen damit direkt die Anlagelösungen der Kunden.
Hier trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen: Während grosse Institute ihre Mitarbeitenden systematisch schulen, geraten kleinere Banken schneller an ihre Grenzen. Zudem zeigen sich in der Praxis Berührungsängste: Wird das Thema von oben verordnet, reagieren viele Berater zurückhaltend. Entsteht das Interesse aus intrinsischer Motivation, steigt die Bereitschaft zur Vertiefung deutlich.
Ausbildung bleibt Baustelle
Die Schulung der Mitarbeitenden bleibt eine Daueraufgabe: Rund 79 Prozent der Banken stufen sie als anspruchsvoll ein. «Die Ausbildung der Kundenberatenden ist und bleibt eine Herausforderung», sagt Brian Mattmann, Dozent an der Hochschule Luzern. Kleinere Institute seien dabei deutlich stärker gefordert.
Auch beim Reporting besteht Handlungsbedarf. Fehlende Standards erhöhen den Aufwand und erschweren die Vergleichbarkeit. Gleichzeitig steigt der Druck, Informationen transparent aufzubereiten. Dennoch zeichnet sich eine schrittweise Angleichung in der Branche ab.
Schweizer Ansatz bewährt sich
Insgesamt befindet sich die Branche in einem fortgeschrittenen Transformationsprozess. Die Vorgaben sind breit verankert und tragen dazu bei, Greenwashing einzudämmen.
Erol Bilecen von der Bankiervereinigung sieht den eingeschlagenen Weg bestätigt: «Das Schweizer Modell mit der Selbstregulierung zur Bekämpfung von Greenwashing hat sich – gerade auch im Vergleich zur EU – bewährt.»













