Revolut wächst rasant – auch in der Schweiz
Das erst 2015 in Litauen gegründete Finanzinstitut eröffnete vergangenen September seinen neuen Hauptsitz in London. Nach langer Wartezeit erhielt Revolut am 11. März die behördliche Genehmigung für den Start seiner britischen Bank. Dadurch sei man in der Lage, den 13 Millionen Kunden im Vereinigten Königreich Bankdienstleistungen anzubieten, und schaffe zugleich eine Vorlage für den im März eingereichten formellen Antrag auf eine nationale Banklizenz in den USA, heisst es dazu.
Revolut-CFO Victor Stinga erklärte gegenüber Journalisten: «Die geografische Expansion ausserhalb Europas wird für uns zur nächsten Priorität, sobald wir die britische Bank finalisiert haben.»
Viel mehr internationale Zahlungen
Dabei zeigen die Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr schon ein enormes Wachstum: Weltweit zählte Revolut zum Jahresende 68,3 Millionen Privatkunden, was einem Anstieg von 30 Prozent oder gut 16 Millionen Kunden innert Jahresfrist entspricht. Dazu kamen 767'000 Geschäftskunden (+33 Prozent).
Schweizweit werde Revolut mittlerweile von «mehr als einer Million Kunden» genutzt, heisst es in der jüngsten Mitteilung. Genau den gleichen Satz findet sich übrigens im Abschluss 2024. Trotzdem gehöre die Schweiz zu den wichtigsten Wachstumsmärkten. Revolut spricht von zusätzlichen 240'000 neuen Kunden allein 2025. Das ist leicht unter den Zielen, die vor einem Jahr verkündet wurden.
Seit 2017 in der Schweiz aktiv
Laut einem Sprecher ist 2025 für Revolut in der Schweiz das Jahr mit dem bislang stärksten absoluten Wachstum gewesen. Die Neobank ist seit 2017 in der Schweiz aktiv und auf Expansionskurs. Wichtiges Detail: Bei Revolut gilt als Privatkunde, wer die App heruntergeladen, sich registriert und den Verifizierungsprozess durchlaufen hat.
Im Schweizer Markt zeige sich die internationale Ausrichtung in dem Wachstum bei den internationalen Kartenzahlungen von 61 Prozent, schreibt Revolut. Gleichzeitig sei der Anteil inländischer Kartenzahlungen im Jahresvergleich um 28 Prozent gestiegen. Mit einem Plus von 29 Prozent legte auch das Geschäftskundensegment in der Schweiz klar zu.
Mehr und teurere Abos
Die Anzahl der Nutzer kostenpflichtiger Abonnements stieg weltweit um 42 Prozent. Die entsprechenden Abo-Einnahmen wuchsen sogar um 67 Prozent auf 708 Millionen Pfund. Der Gesamtumsatz stieg gleich um 46 Prozent auf 4,5 Milliarden Pfund. Der Nettogewinn lag bei 1,3 Milliarden Pfund, das sind genau 65 Prozent mehr als 2024.
Revolut erzielt damit im fünften Jahr in Folge einen Nettogewinn. Nik Storonsky, Mitgründer und CEO von Revolut, sagt dazu: «Während wir uns zu einer wirklich globalen Bank entwickeln, zeigen wir, dass unser technologiegetriebener Ansatz es uns ermöglicht, schnell zu wachsen und gleichzeitig extrem profitabel zu bleiben. Auch ein Jahrzehnt nach unserer Gründung stehen wir erst am Anfang dessen, was möglich ist.»
Schon jetzt sind auch andere Zahlen eindrücklich: Bei einem privaten Anteilsverkauf im November letzten Jahres wurde das Unternehmen mit 75 Milliarden Dollar bewertet. Das entspricht mehr als 30 Mal dem aktuellen Betriebsgewinn und zeigt, wie gross die Erwartungen der Investoren sind. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Betriebsmarge (vor Steuern) schon von 35 auf 38 Prozent. Ende Jahr beschäftigte Revolut 12'200 Mitarbeiter weltweit, das sind nochmals 20 Prozent mehr als 12 Monate davor. Die Personalkosten stiegen im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf gut 922 Millionen Pfund.
Kreditgeschäft noch in den «Kinderschuhen»
Während die Gewinne der letzten Jahre vor allem durch Zinserträge und Kryptowährungen generiert wurden, strebt das Unternehmen nun einen Ausbau seines Kreditbuchs und Darlehensgeschäfts an, um so in das Territorium der traditionellen Banken vorzustossen. Das Kreditportfolio, das überwiegend aus Konsumentenkrediten besteht, wuchs gegenüber dem Vorjahr um 120 Prozent auf 2,2 Milliarden Pfund.
Im Vergleich zu den Kundeneinlagen in bar von 50,2 Milliarden Pfund sind die Ausleihungen also noch sehr klein. Das Geschäft sei noch «in den Kinderschuhen», Finanzchef Stinga erklärte gegenüber Journalisten, Revolut plane, Hypotheken auch in anderen Ländern anzubieten, dies sei jedoch «wahrscheinlich keine Frage von Monaten, sondern eher von mehreren Jahren.»
Viel mehr Transaktionen
Die Strategie des reinen Online-Angebots habe bisher darin bestanden, Kunden zu gewinnen, welche die App als Zweitkonto für Dienstleistungen wie Zahlungsverkehr und Devisenhandel nutzten, um ihnen anschliessend Zusatzleistungen wie Abonnements anzubieten, erklärte der scheidende US-Chef von Revolut Anfang des Monats gegenüber Reuters. Das Unternehmen versucht nun, mehr Kunden dazu zu bewegen, Revolut als Hauptkonto zu nutzen. Stinga lehnte es ab, genaue Zahlen dazu zu nennen, wie viele Kunden dies im Jahr 2025 taten, obwohl der Jahresbericht festhielt, dass diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent gestiegen ist.
Ein grosses Plus gab es auch bei den Kunden-Transaktionen: Das gesamte Volumen stieg um 66 Prozent auf 1,5 Billionen Euro. Im Schnitt steigerten die Kunden die Zahl der getätigten Transaktionen um 24 Prozent.
Noch keine Schweizer Banklizenz
Das Finanzinstitut bemüht sich derzeit um eine Banklizenz in Frankreich, während es Bankdienstleistungen in der Europäischen Union über das «Passporting» einer litauischen Lizenz anbietet. Revolut operiert laut eigenen Angaben mittlerweile in mehr als 30 von insgesamt 40 Märkten als lizenzierte Bank. In der Schweiz verfügt das Fintech über keine Bankbewilligung. Die Schweizer Niederlassung operiert als «lokale Repräsentanz».
Zu den Plänen für einen immer wieder diskutieren Börsengang liessen sich die Verantwortlichen wenig entlocken. Der Finanzchef sagte dazu immerhin, dass es «keinen in Stein gemeisselten Zeitplan» gebe.













