Märchen, Mäzene und viele Finanzfirmen im Schweizer Fussball
Der Aufsteiger als Schweizer Meister. Angesichts des riesigen Vorsprungs, heisst die Frage nicht mehr ob, sondern nur noch wann die Thuner den Titel auf sicher haben. Was dabei schnell vergessen geht: Noch vor weniger als einem Jahr standen die Berner Oberländer kurz vor Insolvenz. Unternehmer und Verwaltungsrat Beat Fahrni musste zum zweiten Mal in die Taschen greifen. Nach 2 Millionen Franken 2024 schoss er weitere 870'000 Franken nach. Nun die kurzfristige Wende: Fahrni tritt auf Ende März als Delegierter des Verwaltungsrates zurück, bleibt aber noch im Gremium. Er hat nach eigenen Angaben in den letzten Jahren 4 Millionen Franken in den Club investiert. Sein Aktienanteil ist aber von 35 auf 21 Prozent gesunken, weil er sich bei den letzten Kapitalerhöhungen zurückgehalten hat. Gesucht sind neue Geldgeber.
Wie der Klub aus dem Berner Oberland nun mitteilte, benötigt er einen Überbrückungskredit in der Höhe von 4 Millionen Franken, nachdem der für Januar geplante Einstieg eines weiteren Grossinvestors nicht realisiert werden konnte. Das Geld kommt von der Stadiongenossenschaft Arena Thun.
Nach dem Aufstieg wurde das Budget nur leicht erhöht. Die Thuner rechnen ohne Meisterbonus mit etwa 6 Millionen Franken Personalaufwand –, beim grossen YB sind dies fast 40 Millionen Franken, beim FC Zürich knapp 20 Millionen Franken.
Unsere Übersicht zeigt die 12 Super League Clubs, rangiert nach Betriebsaufwand. Mit dem klar wenigsten Geld, haben die Berner also den grösstmöglichen Erfolg erzielt. Nun hoffen die Thuner auf die lukrativen Übertragungsrechte aus den Uefa-Wettbewerben, um die eigene Bilanz definitiv zu sanieren.
FCZ – die grosse Ausnahme
Viel zu reden gab es zuletzt auch um den FCZ. Laut den offiziellen Geschäftsberichten des Vereins schoss das Ehepaar Ancillo und Heliane Canepa allein in den vergangenen beiden Jahren insgesamt 17 Millionen Franken ein. Nun sollen neue Geldgeber und Eigentümer gefunden werden. Dazu haben die Canepas den Schweizer Unternehmer und Investor Claudio Cisullo gewonnen, der in der Finanzbranche sehr gut vernetzt ist.
Kleines Detail, als einziger Club in der Super League spielt der FCZ aktuell ohne Trikotsponsor. Ringier Sports hatte die Vermarktung zwischen 2018 und 2022 übernommen, dann wechselte das Mandat zu Goldbach Media und nun vermarktet sich der FCZ wieder selbst.
In der Vergangenheit sorgten die Sponsoren beim Stadtverein vorab für Negativschlagzeilen: So etwa der umstrittene Prepaid-Kreditkarten Anbieter Antepay, der 2020 den Betrieb einstellte, nur weniger Monate nachdem er einen Vertrag für knapp 1 Million Franken unterschrieben hatte.

Als einziges Super League Team spielt der FC Zürich ohne Trikotsponsor, YB wechselt auf die neue Saison. (Bild Keystone)
23 Jahre treu
Deutlich länger dauert die Partnerschaft zwischen dem FC St. Gallen und der St. Galler Kantonalbank. Dies zeigt die spezielle Auswertung der aktuellen Super League respektive ihrer Hauptsponsoren. Seit mittlerweile 23 Jahren zahlt die Bank als «grösstes Sponsoring» an den regionale Aushängeschild im Fussball. Konkrete Angaben dazu gibt es nicht. Die Bank profitiere neben der ganzjährige Markenpräsenz und der Emotionalisierung unter anderem durch die attraktive Möglichkeit, Kundinnen und Kunden ganzjährig auf verschiedene Hospitality-Plattformen einzuladen, heisst es auf Anfrage.
«In St. Gallen ist fast zweitrangig wie gut auf dem Rasen gespielt wird, das Stadion ist zu einem sozialen Treffpunkt geworden.»
Nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung von 2022 sind knapp 20’000 Kleinaktionäre beim FC St. Gallen engagiert. Damit sind die Ostschweizer ein «Spezialfall», wie Dominik Schwizer, Sportökonom an der FH Graubünden formuliert: «Dort ist fast zweitrangig wie gut auf dem Rasen gespielt wird, das Stadion ist zu einem sozialen Treffpunkt geworden. Das gibt den Verantwortlichen eine gewisse Planungssicherheit.»
Punkto Zuschauer liegt der FC St. Gallen in der laufenden Saison mit einem Schnitt von 17'579 hinter YB und Basel auf Platz drei, laut offiziellen Zahlen ist der Kybun Park damit zu 88 Prozent ausgelastet.

Das Stadion als sozialer Treffpunkt. (Bild zVg)
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