Finanzplatz VAE trotzt geopolitischen Hürden

Venezuela, Grönland, Iran, Palästina: Den Auftakt in das Jahr 2026 hatten sich viele anders vorgestellt. «Die geopolitische Fragmentierung der Welt ist das neue Normal», sagte Ben Powell, der Chef-Anlagestratege für Asien-Pazifik und den Nahen Osten, Blackrock Investment Institute, an einer Medienkonferenz am Dienstag. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), am Schnittpunkt zwischen Ost und West, starten dennoch mit Schwung ins neue Jahr. 

Superboom und Welthandel

«Die Golfstaaten, insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien, reiten geschickt auf dem Superboom der künstlichen Intelligenz (KI), und sie diversifizieren ihre Industriezweige stetig», stellte Powell fest. 

Die VAE wollen in der KI-Topliga mitmischen. Dazu hat das Ministerium für Aussenhandel der VAE eine Vereinbarung mit dem in Abu Dhabi ansässigen KI-Unternehmen Presight, einer Tochterfirma der G42-Gruppe, unterzeichnet, um eine landesweite KI-Plattform zu entwickeln. Ziel ist es, die VAE als globales Handelsdrehkreuz zu stärken. Auch der Chef des Dubaier Hafenkonzerns DP World glaubt an eine Zukunft der Golf-Emirate in der neuen, fragmentierten Welt.» Sultan Ahmed bin Sulayem, Group Chairman und CEO von DP World, sagte in einer Medienmitteilung vom Dienstag: «Der globale Handel wird zunehmend komplexer – nicht einfacher. Unsere Rolle ist klar: den Handel am Laufen zu halten, indem wir verstehen, wo Reibungen bestehen, voraussehen, wo sie als Nächstes entstehen könnten, und in die Infrastruktur, Fähigkeiten und Partnerschaften investieren, die unseren Kunden helfen, effizienter und zuverlässiger zu arbeiten.»

Begehrter Standort für Private Banking

Der Golfstaat heisst beinahe täglich Firmen willkommen, die im Bestreben um Wachstum auf die Region setzen. So lockte das Dubai International Financial Center (DIFC), die grösste Bankenfreihandelszone im Mittleren Osten, Anfang Januar Prospera Wealth Management in die Golfmetropole. Der Vermögensverwalter aus London bietet von seinem neuen Office im DIFC Finanzplanung für wohlhabende Kunden an, vom Hauskauf bis zur Rentenplanung. 

In Abu Dhabi gehen UBS und Julius Bär in ihr erstes Kalenderjahr. Die zwei Schweizer Geldhäuser, bereits seit Jahzehnten in Dubai vor Ort, hatten Ende 2025 in der Finanzfreihandelszone Abu Dhabi Global Market (ADGM) Dependenzen eröffnet, um ihr Geschäft im Private Banking in der Region auszuweiten.

Arab Bank (Switzerland) Middle East, die neu gegründete regionale Einheit der Schweizer Privatbank Arab Bank (Switzerland) Ltd. aus Genf, hat Ende 2025 von der Finanzaufsicht des ADGM eine grundsätzliche Genehmigung für eine Beratungslizenz erhalten. Die Berater von der Boston Consulting Group schätzen das private Vermögen in den Golfstaaten auf 7,5 Billionen Dollar. 
Auch Bank of Palestine aus Ramallah in der Westbank fasste zum Jahresauftakt im ADGM Fuss.

Börsen im Plus

Die Investoren sehen die Lage ähnlich optimistisch. Der Leitindex DFMGI an der Börse in Dubai stieg bislang um rund fünf Prozent. Sein Schwesterindex ADXGI in Abu Dhabi machte bis Mitte Januar zwei Prozent gut. Schon liebäugeln das Dubai World Trade Center und die Partnerfirma, dem Handelsmessenveranstalter Informa, gemeinsam, Aktien am DFM zu kotieren. «Wir erwarten mehr IPOs in den VAE in den kommenden 12 Monaten», so Powell von Blackrock. Der IWF erwartet für 2026 in den VAE 5 Prozent Wirtschaftswachstum.