Vereinigte Arabische Emirate: Finanzplatz wartet mit wichtigen Neuerungen auf

Gerade hat Dubais Herrscher Scheich Mohammed Bin Rashid Al-Maktoum sein 20-jähriges Thronjubiläum gefeiert. Jetzt will der Monarch, seines Zeichens auch Vizepräsident und Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), den Golfstaat auf Augenhöhe mit Finanzzentren wie Hongkong oder Singapur bringen.

Mehr Macht für die Finanzaufsicht


In den VAE traten am 1. Januar 2026 zwei föderale Dekretgesetze zur Stärkung und Modernisierung der Kapitalmarktregulierung in Kraft. Diese erweitern die Unabhängigkeit und Befugnisse der Kapitalmarktbehörde, um Stabilität, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Finanzmärkte zu sichern und internationale Standards einzuhalten.

Der neue Rechtsrahmen soll Aufsicht, Governance, Risikokontrolle und Verbraucherschutz stärken, fördert den Zugang zu Finanzdienstleistungen sowie die Finanzbildung und berücksichtigt digitale Entwicklungen. Zudem erhält die Behörde weitreichende Eingriffs- und Sanktionsmöglichkeiten bei Regelverstössen. Die Einhaltung der Leitlinien basiert auf Empfehlungen internationaler Institutionen wie der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO), der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Im Hinblick auf administrative Sanktionen sehen die Gesetzesdekrete eine Erhöhung der Geldbussen bezüglich der Schwere der Regelverletzung vor. Sie ermächtigen die Kapitalmarktaufsicht, Geldbussen von bis zum Zehnfachen des von der Zuwiderhandlung erzielten Gewinns oder bis zum Zehnfachen des vermiedenen Schadens zu verhängen.

Mehr Freiheit für Krypto-Token


Die Dubai Financial Services Authority (DFSA), die das internationale Finanzzentrum DIFC beaufsichtigt, führt zum 12. Januar 2026 neue Kryptoregelungen ein. Damit verlagert sich die Verantwortung für die Beurteilung der Eignung von Krypto-Token stärker auf die Unternehmen selbst. Die bisherige vorgeschriebene Liste genehmigter Token wird abgeschafft. Der Fokus liegt auf mehr Transparenz, verbessertem Risikomanagement und klarer Verantwortlichkeit der Marktteilnehmer.

Im DIFC angesiedelte Firmen sind künftig verpflichtet, robuste interne Prüf- und Governance-Rahmenwerke einzurichten, die Eignung von Krypto-Token zu dokumentieren und diese fortlaufend auf wesentliche Veränderungen zu überwachen. Dieses neue Modell ersetzt die frühere Praxis, sich auf von der DFSA vorab genehmigte Token zu stützen. Tokens sind digitale Vermögenswerte, die auf einer bestehenden Blockchain (z. B. Ripple) basieren. «Für Unternehmen, die im DIFC tätig sind oder dort tätig werden möchten, bedeutet dies einen transparenteren, vorhersehbareren und klar strukturierten Rahmen für Aktivitäten im Bereich von Krypto-Token,» sagt die DIFC auf ihrer Homepage.

Die VAE stehen mit anderen Krypto-Zentren wie Zug, Singapur und Hongkong im Wettbewerb um den besten Finanzplatz in der Welt des Web3.

Die elektronische Rechnung kommt


Noch nicht obligatorisch, doch auf freiwilliger Basis können Unternehmen ab dem 1. Juli 2026 auf elektronische Rechnungen umsatteln. Nach einer sechsmonatigen Pilotphase, in der die Betriebe in den Golf-Emiraten ihre Buchhaltung dementsprechend umstellen können, folgt eine stufenweise verpflichtende Einführung der E-Invoice:

• Ab 1. Januar 2027 müssen Grossunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Dirham (13,65 Millionen Dollar) auf E-Invoicing umstellen.
• Ab 1. Juli 2027 sind auch für KMU mit einem Umsatz von unter 50 Millionen Dirham die Zeiten loser Rechnungen auf Papier und PDF vorbei.

Ab dann sind Unternehmen qua Gesetz verpflichtet, maschinenlesbare elektronische Rechnungen über akkreditierte Service Provider zu übermitteln. Ziel ist es, die digitale Transformation auszubauen und die Erhebung der Mehrwertsteuer sicherzustellen. Seit 2018 erheben die VAE eine Mehrwertsteuer in Höhe von 5 Prozent. Der IWF hatte eine solche indirekte Steuer von den arabischen Ölstaaten gefordert, um mögliche Einbussen in Zeiten gesunkener Erdölpreise auszugleichen.