Märchen, Mäzene und viele Finanzfirmen im Schweizer Fussball

Deutlich weniger eng ist es üblicherweise im Stade de la Tuilière. Bei den Heimspielen des FC Lausanne Sport ist im Schnitt knapp jeder zweite Platz besetzt. Schon seit 15 Jahren engagiert sich die Waadtländer Kantonalbank (BCV) als Hauptsponsor. Die Anfänge waren durchaus bescheiden, wie auch finews im Sommer 2011 schrieb: «Das Logo der Banque Cantonale Vaudoise wird aber jeweils nur eine Halbzeit auf den Fussballerleibchen zu sehen sein: Der Challenge-League-Aufsteiger hat sich in der Budgetnot etwas einfallen lassen. Er bediente damals gleich zwei Hauptsponsoren und bestreitet eine Halbzeit mit dem Logo des zweiten Hauptsponsors – der Migros-Linie SportX.» 

Details zum aktuellen Engagement im Fussball nennt die Bank nicht, sie betont aber, insgesamt nicht weniger als 850 Organisationen oder Events zu unterstützen. «Wichtig ist uns ein langfristiges Engagement», sagt BCV-Pressesprecher Jean-Pascal Baechler. So unterstütze man beispielsweise den Hockeyclub Lausanne seit 1987 oder den Volkslauf «20-Kilometer von Lausanne» bereits seit 1981.

«Sponsoring bringt nur langfristig einen Effekt. Das gilt, auch wenn dieser Effekt logischerweise nicht einfach zu messen ist.»

Für Sportökonom Schwizer macht dies durchaus Sinn: «Sponsoring bringt nur langfristig einen Effekt. Das gilt, auch wenn dieser Effekt logischerweise nicht einfach zu messen ist, weil Sponsoring ja immer auch in andere Aktivitäten eingebettet wird.»

Unbekannte Eigentümer aus England

Der FC Lausanne-Sport meldete zuletzt Sponsoring und Werbeeinahmen von 10,7 Millionen Franken, das ist fast so viel wie der grosse FC Basel ausweist. Bei den knapp 11 Millionen Franken «verstecken» sich laut Experten ein Teil der «Mäzenen-Gelder» des langjährigen Besitzers, der Chemiegruppe Ineos des britischen Milliardärs Jim Ratcliffe. Erst am 1. März hat der Club neue Eigentümer bekommen, eine nicht näher benannte britischen Gesellschaft hat auch einen neuen Präsidenten installiert. Dieser Transfer im Rahmen eines sogenannten «Blind Trust» wurde vollzogen, um potenzielle Interessenkonflikte mit anderen Clubs der Ineos-Gruppe (wie Nizza oder Manchester United) im Hinblick auf die Uefa-Wettbewerbe auszuschliessen. Das Reglement untersagt Teams mit demselben Besitzer die Teilnahme am gleichen Wettbewerb.

Der FC Basel spielt seit dieser Saison mit dem Krypto-Spezialisten Bitpanda als Sponsor. (Bild zVg)


Bitpanda «klotzt» international und in Basel

Beim FC Basel sind die Besitzer bekannt. Laut der «Basler Zeitung» halten die beiden Roche Erben Jörg und Lukas Duschmalé seit vergangenem Herbst knapp 20 Prozent der FCB Holding AG. Präsident David Degen (über 40 Prozent) und das Ehepaar Ursula und Andreas Rey halten den Rest. Die Juristin Ursula Rey-Krayer ist Tochter von Georg Krayer, dem ehemaligen Präsidenten der damaligen Bank Sarasin. 

«Da scheint Marketing-Geld ohne Ende vorhanden zu sein.»

Nach mehr als 20 Jahren mit dem Novartis-Logo auf der Brust spielt der FCB seit dieser Saison mit Bitpanda als Hauptsponsor. Der Deal dürfte laut Experten rund 2 Millionen Franken kosten und ist Teil einer internationalen Strategie des österreichischen Krypto-Händlers. Seit 2024 sponsort Bitpanda unter anderem den FC Bayern München, kurz darauf folgte die Premium-Partnerschaft mit Paris Saint-Germain und dem AC Mailand.

«Da scheint Marketing-Geld ohne Ende vorhanden zu sein», kommentiert Schwizer zum «Börsenkandidaten» Bitpanda, neben dem Fussball engagiert sich die österreichische Gruppe unter einem Schweizer Holding Dach unter anderem auf der ATP-Tennis Tour und beim legendären Hahnenkamm-Rennen. Vermittelt hat den Sponsoring-Deal mit dem FC Basel übrigens die Liechtensteiner Agentur WWP. Weirather-Wenzel & Partner vermarkten seit 1997 (!) den Grossevent in Kitzbühel und hat erst kürzlich den Vertrag bis 2034 verlängert.