887 Milliarden: Unabhängige Vermögensverwalter auf Augenhöhe mit UBS

Ausländische UVV wollen in die Schweiz

Carine Frick-Delaloye, die bei Aquila das Business Development leitet, zeigte sich zuversichtlich für ihr Unternehmen als Infrastrukturanbieter für UVV: Während vielleicht weniger klassische Abgänge von Relationship Managern aus Banken zu beobachten seien als auch schon, bleibe die Nachfrage nach unabhängigen Strukturen bestehen. Derzeit beobachte sie eine erhöhtes Interesse ausländischer UVV, die in der Schweiz Fuss fassen wollen. Auch das Thema von Geschäftsaufgaben / Exits oder Aufspaltungen bestehender Anbieter belebe das Ökosystem.

Auch die Geopolitik kam zur Sprache: Auf der einen Seite standen Stimmen, die auf konkrete Zuflüsse aufgrund der Spannungen im Mittleren Osten verwiesen. So hielt der Pictet-Vertreter fest: «Wir sehen schon von dieser Region gewisse Inflows.» 

Rückflüsse aus Middle East?

Demgegenüber relativierten andere Teilnehmer diese Entwicklung. Für den Aquila-CEO sind die aktuellen Entwicklungen «kein Game Changer» im Wettbewerb der Wealth-Management-Standorte. Vielmehr handle es sich um kurzfristige Reaktionen in einem Umfeld, das sich «unglaublich schnell» drehe.

Aus anderer Optik beleuchtete Nikolett Venesz die Situation. Für die Privatkundenberaterin des Investment-Migration-Dienstleister Henley & Partners greift die Frage nach klassischen Kapitalzuflüssen zu kurz: «Es geht nicht nur um Asset-Diversifikation, sondern auch um geografische Diversifikation.» Viele vermögende Familien suchten bewusst ein Sicherheitsnetz über mehrere Jurisdiktionen hinweg – derzeit durchaus auch mit einem Schweizer Schwerpunkt.

Doppeltes demografisches Problem

Was bleibt von dem Abend? Obwohl die Diskussion manche der kritischeren Studienbefunde relativierte, blieb unbestritten, dass Herausforderungen bestehen.

Besonders die Nachfolgeregelung zieht sich wie ein roter Faden durch die Wortmeldungen: Die Branche, deren Wurzeln in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren lagen, ist gemeinsam mit ihrer Kundschaft gealtert. Dass viele Entscheidungsträger heute im fortgeschrittenen Alter sind, ist eine logische Folge dieser historischen Entwicklung. Umso entscheidender wird die Fähigkeit zur Ansprache der nächsten Kundengeneration, also der Erben der bisherigen Kunden.

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Alter des Geschäftsführers. (Quelle: FIN21, Grafik: finews)

15 Prozent plus

Am Abend im Zunfthaus zur Meisen dominierte klar die Zuversicht. Diese speist sich aus dem Selbstverständnis der Schweizer UVV. Das Geschäft bleibt persönlich, unternehmerisch und beziehungsgetrieben. Es sind Trümpfe, die gerade in der neuen KI-Welt weiterhin stechen dürften.

Oder, wie es Vermögensverwalter Patrick Cettier nur halb scherzhaft ausdrückte, mit einem Marktanteil von rund 15 Prozent sei das Potenzial bei weitem nicht ausgeschöpft: «Das heisst, 85 Prozent sind noch nicht bei uns.»