Wundersamer Boom: Noch nie so viele Private Banker in der Schweiz

Die Zahl der Mitarbeitenden bei Schweizer Privatbanken erreicht einen Rekordstand – das zeigt eine neue KPMG-Studie. Doch wie stabil ist dieser Beschäftigungsboom wirklich? finews.ch hat beim Studienautor und einer spezialisierten Executive-Search-Boutique nachgefragt.

Vergangene Woche veröffentlichte KPMG Schweiz die neueste Ausgabe ihrer Studie «Clarity on Swiss Private Banking», die auch auf finews.ch vorgestellt wurde.

Ein bemerkenswerter Befund: Die Zahl der Privatbanken ist zwar seit 2010 um rund die Hälfte zurückgegangen. Die in der Studie abgebildeten Banken beschäftigten aber 2024 so viele Mitarbeitende wie nie zuvor – insgesamt 40'464  Vollzeitstellen (FTE).

Historischer Beschäftigungsrekord?

Die Studie stützt sich auf Daten aus den Geschäftsberichten und deckt einen Grossteil der Schweizer Privatbanken ab, mit der nennenswerten Ausnahme der UBS, die aus methodischen Gründen nicht berücksichtigt ist.

Doch die Marktabdeckung der Studie (Anzahl der berücksichtigten Institute als Anteil des Totals) variierte über die Jahre. Daher erschien es zunächst zweifelhaft, ob es sich tatsächlich um einen historischen Beschäftigungsrekord handelt.

FTE-Wachstum im Durchschnitt...

finews.ch hat Christian Hintermann, Bankenexperte bei KPMG Schweiz und Autor der Studie, gebeten, die Datenlage genauer zu durchleuchten. Das Ergebnis: «Die Schweizer Privatbanken beschäftigen heute im Durchschnitt mehr Mitarbeitende als früher», sagt Hintermann und illustriert die Entwicklung wie folgt.

  2017 2020 2024
# FTEs 30'715 37'969 40'464
# Banken in Studie 85 83 71
# Banken in Industrie 107 92 85
Marktabdeckung 79% 90% 84%

Insbesondere für den Zeitraum 2020 bis 2024 lässt sich der Schluss ziehen, dass die totale Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Privatbanken wohl deutlich gestiegen ist: Obwohl die Marktabdeckung der Studie von 90 Prozent auf 84 Prozent gesunken ist, beschäftigen die in der Studie berücksichtigten Banken 6,6 Prozent mehr Personal als 2020.

... aber auch im Total

Laut KPMG kam zwischen 2020 und 2024 keine zusätzliche grössere Bank ins Sample, welche den Befund nennenswert verfälscht hätte. (Die Zahlen von 2016 und 2020 lassen sich hingegen weniger gut vergleichen, da in diesem Zeitraum einige grössere Privatbanken hinzukamen, die infolge Umwandlung in Aktiengesellschaften neu zur Publizität ihrer Zahlen verpflichtet waren und infolgedessen 2020 in die Studie eingeflossen sind, nicht aber 2017.)

Ein Blick auf die aggregierten verwalteten Kundengelder (Assets under Management, AuM) aller berücksichtigten Banken zeigt: 2017 lagen diese bei 2,6 Billionen Franken, 2020 bei 2,9 Billionen und 2024 bei 3,4 Billionen Franken. 

Wachstum der durchschnittlichen AuM pro Bank

Auch die durchschnittlichen AuM pro Bank stiegen von 35,5 Milliarden Franken im Jahr 2020 auf 47,2 Milliarden Franken, was sowohl auf grössere verwaltete Volumina als auch auf die Konsolidierung am Markt hinweist.

Bei den AuM pro Mitarbeiter sieht die Entwicklung folgendermassen aus:


(Infografik: finews.ch)

Es stellt sich die Frage, ob die Steigerung bei den FTEs zwischen 2020 und 2024 vor allem regulatorische Gründe hat, oder ob sie eher von Frontfunktionen angetrieben wurde?

Primär gefragt: Relationship Manager

Zwar hätten auch die erhöhten regulatorischen Anforderungen zum Stellenwachstum beigetragen, so Hintermann. Das Wachstum bei den FTEs liege aber «primär an der Einstellung von Kundenberaterinnen und -beratern, um das organische Wachstum anzukurbeln, aber auch an der Ausweitung des Dienstleistungsangebots, zum Beispiel durch den Aufbau von Asset Management-Kompetenzen im Bereich Private Markets.»

Thomas Bossard, Gründungspartner von Stellar Executive Search, bestätigt gegenüber finews.ch diese Analyse. «Bei den Privatbanken mit ihrer starken Kundenzentrierung beobachten wir einen gezielten Stellenausbau. Nicht breitflächig, sondern klar fokussiert auf Rollen mit strategischer Hebelwirkung und direkter Geschäftsrelevanz», sagt Bossard.

«Spürbare Wirkung»

Besonders gefragt seien Relationship Manager mit unternehmerischer Haltung und Zugang zu wachstumsstarken Segmenten wie Unternehmerfamilien, der Next Generation oder internationalen Kundengruppen. «Der Markt sucht nicht nur fachliche Kompetenz, sondern spürbare Wirkung», so Bossard weiter.

Parallel dazu nehme auch die Nachfrage nach Expertise in Private-Markets-Strategien und Governance-relevanten Funktionen wie Compliance oder Risikomanagement zu.

Ähnliche Dynamik bei EAMs

Auch im Arbeitsmarkt der unabhängigen Vermögensverwalter (uVV) respektive External Asset Managers (EAM) zeigt sich eine ähnliche Tendenz. Kürzlich hat Stellar Executive Search eine entsprechende Marktanalyse vorgelegt, wonach in den kommenden Jahren rund 1'000 spezialisierte Kundenberater fehlen werden (finews.ch berichtete).

Die Dynamik, die sich hier abspielt, ist jener der Banken nicht unähnlich: «Die Zahl der Unternehmen nimmt tendenziell ab, während sich die grösseren uVVs in ihrer organisatorischen Tiefe, operativen Reife und personellen Stärke weiterentwickeln. Das Wachstum bei den FTEs erfolgt gezielt – vor allem in Schlüsselrollen wie Relationship Manager, COO-Funktionen und Investment-Spezialisten.»

Positive Aussichten

Für Relationship Manager im Wealth Management bleiben die Berufsaussichten laut Bossard positiv: «Das Berufsbild entwickelt sich deutlich weiter. Gefragt sind nicht mehr nur Vertriebsstärke, sondern auch digitale Souveränität, generationenübergreifende Kommunikationsfähigkeit und strategisches Denken.» Der demografische Wandel verstärke den Bedarf zusätzlich.

Fazit: Für Privatkundenberater bleibt der Arbeitsmarkt attraktiv – auch wenn es bei UBS und Julius Bär aufgrund von Restrukturierungen zu Unsicherheiten kommen kann. Die Perspektive für Talente mit unternehmerischem Mindset und Zugang zu vermögenden Kunden bleibt vielversprechend.