Robeco zu Schwellenländerbonds: Trotz geopolitischem Lärm positiv

Wer hierzulande früher in Anleihen aus Schwellenländern (Emerging Markets, Emmas) investierte, wählte dafür traditionell sogenannte Hartwährungen wie Dollar oder Euro (auch der Franken gehört zu den Hartwährungen, aber die Palette an entsprechend denominierten Emma-Bonds ist sehr schmal). Zudem wurden solche Anlagen mehr als Satellit bzw. als opportunistische Beimischung zur Renditeaufbesserung betrachtet und nicht als Teil der strategischen Asset Allocation.

Das hat sich in den letzten Jahren gründlich geändert, wie die zwei für den Asset Manager Robeco tätigen Emerging-Markets-Fixed-Income-Experten Richard Briggs, Portfolio Manager Emerging Markets Debt, und Meena Santhosh, Client Portfolio Manager Emerging Markets Debt, im Gespräch mit finews festhalten. Sie sind beide in London stationiert und weilten für Investorengespräche in Zürich (wo Robeco ebenfalls einen Standort hat).

«Die Dollarschwäche hat den Trend hin zu Anleihen in lokaler Währung befeuert», konstatiert Briggs, der seit 2024 für zwei Robeco-Emmas-Bond-Fonds verantwortlich ist, die v.a. von Staaten oder staatsnahen Schuldnern emittierte Obligationen enthalten. Vor Robeco sammelte Briggs Erfahrungen u.a. bei Candriam, GAM Investments und dem Researchhaus Credit Sights.

«Für institutionelle Investoren werden Emerging-Markets-Bonds in Lokalwährung immer mehr zu einer Kernanlage.»

Und Santhosh ergänzt: «Für institutionelle Investoren werden solche Bonds immer mehr zu einer Kernanlage.» Sie ist bereits 2021 zu Robeco gestossen und war zuvor u.a. fast zehn Jahre für Blackrock tätig.

Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte lehren, dass Emmas-Anleihen in Lokalwährung besonders empfindlich auf eine global gestiegene Unsicherheit und eine wachsende Risikoaversion der Anleger reagieren. Druck kommt dann jeweils von zwei Seiten, wird doch dann sowohl die Bonität der Emittenten als auch die Stabilität der Währung auf die Probe gestellt.

Mehr Stabilität und Resilienz in vielen Schwellenländern

Doch selbst die Eskalation im Nahen Osten seit Ende Februar vermag den Enthusiasmus der beiden Robeco-Spezialisten für ihre Anlageklasse nicht zu drosseln.

«Wir sind immer noch sehr positiv. Denn die mittelfristigen strukturellen Treiber und die guten Fundamentals sind ungeachtet des geopolitischen Lärms immer noch intakt», argumentiert Santhosh. Sie bezieht sich dabei beispielsweise auf die gewachsene ökonomische Stabilität und Resilienz vieler Schwellenländer, die günstige Demografie, gut dotierte Währungsreserven und die reduzierte Abhängigkeit vom Dollar. Unterstützend wirkt dabei natürlich auch das Bestreben vieler Investoren, den Anteil der US-Währung in ihrem Portfolio zu reduzieren und entsprechend zu diversifizieren.

«In dieser Anlageklasse ist aktives Management besonders sinnvoll, weil es trotz eines günstigen Grundtrends immer auch faule Eier gibt, die wir nicht im Korb haben wollen.»

Briggs betont den grossen Handlungsspielraum, den Robeco den Portfoliomanagern einräumt. «In dieser Anlageklasse ist aktives Management besonders sinnvoll, weil es trotz eines günstigen Grundtrends immer auch faule Eier gibt, die wir nicht im Korb haben wollen.» Die Fonds richten sich zwar an einer Benchmark aus, aber die zulässige Abweichung davon (Tracking Error) ist bewusst grosszügig gestaltet.

Ein Land, das Briggs aufgrund des dank dem hohen Zinsniveau ansehnlichen laufenden Ertrags (Carry) schon länger favorisiert, ist Brasilien. Skeptisch ist er dagegen gegenüber Kolumbien, und auch China und Thailand sind aufgrund der gegenüber US-Staatsanleihen nicht signifikant besseren Renditen wenig attraktiv. Denn der Renditeaufschlag, den Emmas-Bonds gegenüber den (nicht mehr unisono) als sicher betrachteten Treasuries bieten, gilt weiterhin als schlagendes Kaufargument.

Ghana profitiert von der Goldhausse

Das Beispiel Ghana wiederum zeigt, wie rasch ein Mauerblümchen erblühen kann. Der westafrikanische Staat profitierte als Goldproduzent in den letzten Jahren massiv vom Boom des gelben Metalls.

Entsprechend zentral ist die Expertise, sowohl auf der Schuldner- wie auf der Makroebene. Santhosh und Briggs betonen, wie wichtig der Austausch und Dialog mit den unterschiedlichen Teams bei Robeco ist, also mit den für die Region zuständigen Analysten vor Ort, den Kreditspezialisten und dem Global Research. «Aber auch externes Knowhow, insbesondere vom Internationalen Währungsfonds und von den Ratingagenturen, ist für uns relevant», führt Briggs aus.

«Am Ende trägt aber der leitende Portfoliomanager, also Richard, die Verantwortung für den Anlageentscheid, der zudem auf einer breiten Basis qualitativer und quantitativer Daten sowie Analysen beruht», präzisiert Santhosh.

Hohe Ertragserwartungen bei tiefer Volatilität

Von welchen Renditen kann ein Investor in Schwellenländeranleihen im Durchschnitt ausgehen? Gemäss Robeco sind im Lokalwährungssegment in den nächsten Jahren 8 bis 12 Prozent realistisch, für Hartwährungen liegt die Ertragserwartung etwas tiefer im Bereich von 6 bis 10 Prozent.

Santhosh: «Das sind deutlich bessere Projektionen als für andere Fixed-Income-Klassen, und dazu kommt als Zückerchen eine voraussichtlich tiefere Volatilität.» Gemäss Briggs ist die erwartete Mehrperformance insbesondere bei Lokalwährungen auch auf den Nachholbedarf nach einer langen Schwächephase zurückzuführen.