US-Banken treiben den Dividenden-Rekord an

Laut Vanguard stiegen die Ausschüttungen in den ersten drei Monaten des Jahres stärker an, als im langfristigen Trend. Mit insgesamt 421 Milliarden US-Dollar sei ein neuer Rekordwert erreicht worden, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Im ersten Quartal 2025 waren es 394 Milliarden US-Dollar gewesen.

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ausschüttungen in Europa (ohne UK) um 34 Prozent auf 68 Milliarden US-Dollar. Grösster Treiber der Rekordausschüttungen was saisonbedingt aber Nordamerika, mit einem Plus von 9 Prozent auf 205 Milliarden US-Dollar. Damit entfiel praktisch die Hälfte der globalen Ausschüttungen auf Nordamerika. Doch auch in UK, Japan und dem Pazifik stiegen die Ausschüttungen.

Banken und Pharma

In Nordamerika waren dabei die Finanzwerte der mit Abstand grösste Wachstumstreiber und trugen 8,3 Milliarden US-Dollar oder 31 Prozent des globalen Dividendenwachstums bei. Dies sei  getragen von zusätzlichem Kapital und widerstandsfähigen Erträgen, schreibt Viktor Nossek, Head of Investment and Product Analytics bei Vanguard Europe.

Dividendenerhöhungen sowie beschleunigte Aktienrückkäufe folgten darauf, dass US-Banken die Stresstests der US-Notenbank bestanden hatten. Von den gesamten Ausschüttungen in Nordamerika in Höhe von 205 Milliarden US-Dollar entfielen nicht weniger als 45 Milliarden US-Dollar auf Finanzwerte – ein deutlicher Beleg für den überproportionalen Einfluss des Sektors. 

Logischerweise zeigt sich dies auch bei der globalen Betrachtung. Hier kommen die «Financials» auf einen Anteil von 23 Prozent, deutlich mehr als der Energiesektor oder Gesundheit.

In Europa ausserhalb war das Wachstum laut Vanguard stark im Gesundheitssektor konzentriert: Einzelne Pharma-Unternehmen trugen den Grossteil des Zuwachses, getrieben durch höhere jährliche März-Dividenden vor dem Hintergrund solider Fundamentaldaten. So entfielen vom Ausschüttungswachstum von 17 Milliarden US-Dollar in Europa insgesamt 7 Milliarden US-Dollar auf den Gesundheitssektor.

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Praktisch die Hälfte zahlen US-Firmen, Financials kommen weltweit auf 23 Prozent aller Dividendenausschüttungen im ersten Quartal. (Quelle Vanguard)

 

Rückgang in China und EM durch Basiseffekte

Diese «starken Ergebnisse» kompensierten die durch Basiseffekte bedingten Rückgänge in China und den Schwellenländern, insbesondere im Finanzsektor. Insgesamt steuerten Nordamerika und Europa 27 Milliarden US-Dollar zum Wachstum bei, während sich China und die Schwellenländer unter dem Strich negativ auf die Gesamtentwicklung auswirkten.

Der Rückgang der Dividendenausschüttungen im chinesischen Finanzsektor um 10 Milliarden US-Dollar spiegle allerdings keine schwächeren Fundamentaldaten wider, sondern resultiert aus einer zeitlichen Verschiebung: Die vier grössten Banken stellten auf halbjährliche Dividenden um und zahlten die Zwischendividenden für das erste Halbjahr 2025 bereits im Dezember 2025 aus. Dadurch wurden Ausschüttungen in das Kalenderjahr 2025 vorgezogen, sodass im ersten Quartal 2026 nur begrenzte Mittel zur Verfügung standen. Diese Vorverlagerung belastete die Q1-Ausschüttungen, obwohl die jährliche Ausschüttungskapazität unverändert blieb.

Auch die Schwellenländer (ohne China) verzeichneten im Jahresvergleich einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, bedingt durch ein aussergewöhnlich starken erstes Quartal 2025, das vor allem von brasilianischen Finanzwerten getragen wurde. 

Ein starkes Quartal voraus

Mit Blick auf das zweite Quartal dürfte Europa ohne Grossbritannien die globalen Dividendenausschüttungen dominieren, was die strukturell ausgeprägte Dividendensaison im April und Mai widerspiegelt. Energie- und Rohstoffwerte könnten laut Viktor Nossek im weiteren Jahresverlauf 2026 erneut zu Treibern werden, sofern hohe Rohstoffpreise im Umfeld anhaltender geopolitischer Risiken Bestand haben.