Kineo Finance: Schlaglicht auf ein Segment im Dornröschenschlaf
Es gibt sie noch, auch wenn sie ein Mauerblümchendasein fristen: in Franken denominierte Wandelanleihen. Gemäss dem Anleihen-Explorer der SIX sind noch acht Bonds dieser Kategorie ausstehend. Schuldner sind Cembra Money Bank (Emissionsjahr 2019), Cicor Technologies (2022), Idorsia (zwei Wandler, 2018 und 2021), Doc Morris Finance (2024), Peach Property Group (2023) und Basilea Pharmaceutica (2020).
Immer noch aufgeführt wird auf der Liste zudem ein Wandler aus grauer Vorzeit, 1989 von Maxwell Communication emittiert und fast so ebenso lange schon notleidend oder im medizinischen Jargon «klinisch tot».
«Blütezeit zwielichtiger Financiers»
Bereits vor bald einem Vierteljahrhundert schrieb übrigens ein versierter Redaktor in der «Finanz und Wirtschaft» von «der Blütezeit zwielichtiger Financiers vom Schlage eines Trump, Maxwell oder Rey», die den Investoren in der Schweiz in den 1980er- und 1990er-Jahren Anleihen zweifelhafter Bonität und mit teilweise komplizierten Strukturen (z.B. Doppelwährungsanleihen mit dem Kürzel Fips) angeboten hätten, «deren Funktionsweise auch routinierte Anlageberater nicht bis ins letzte Detail verstanden».
Und wenn wir schon in der Rubrik «Klatsch und Tratsch» am Schweizer Anleihenmarkt sind: Von den drei genannten «zwielichtigen Financiers» ist der Schweizer Werner K. Rey weitgehend in der Versenkung verschwunden, Donald Trump ist heute Präsident der USA, und der britische Verleger und Unternehmer Robert Maxwell schied zwar schon 1991 von dieser Welt, doch hat seine Tochter Ghislaine Maxwell jüngst für Schlagzeilen der unappetitlichen Art gesorgt.
Going-Public-Wandler von Kineo Finance
Zurück zu den Wandelanleihen der Gegenwart, deren Funktionsweise routinierte Anlageberater hoffentlich nicht überfordert. Am Dienstag gab Kineo Finance, nach eigenen Angaben ein Anbieter von massgeschneiderten, asset-based Finanzierungslösungen für kapitalintensive, technologiegetriebene Hardware-Unternehmen, bekannt, eine Wandelanleihe über 20 Millionen Franken (Maximalbetrag von 30 Millionen) zu lancieren.
Der Coupon wird im Bereich von 3 bis 3,50 Prozent fixiert, die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Es handelt sich um eine sogenannte Going-Public-Wandelanleihe. Werden die Aktien der Kineo Finance bis ein Jahr vor Fälligkeit an der SIX Swiss Exchange oder an einer anderen regulierten Börse kotiert, haben die Investoren die Möglichkeit, die Obligationen in Aktien umzuwandeln. Die Wandelprämie soll sich im Band von 15 bis 20 Prozent bewegen.
Bereits mit Straight am Markt
Erfolgt dagegen kein Listing der Aktien, werden die Obligationen zu 110 Prozent zurückbezahlt. Als Lead Manager fungiert die Helvetische Bank, die Anleihe selber wird an SIX kotiert. Gemäss Auskunft des Federführers werden die definitiven Konditionen diesen Freitag fixiert.
Kineo Finance, das 25 Mitarbeiter beschäftigt, ist am Schweizer Kapitalmarkt nicht ganz unbekannt. Das Unternehmen hat bereits 2023 eine fünfjährige Anleihe (Straight) begeben, mit nur 20 Millionen Franken wie der aktuelle Wandler ebenfalls quasi im «Briefmarkenformat».
Renaissance des Going-Public-Instruments?
Ob Kineo Finance mit der Emission eine Renaissance der Frankenwandler im allgemeinen und eine der Going-Public-Anleihe im besonderen einläutet, bleibt abzuwarten. Dieses Instrument war Mitte der 1980er-Jahre eingeführt worden, wobei sich die Bank Bär mit von Moos und Wertheimer profilierte. Später nutzte auch HBM Bioventures die Struktur.
Und ein schweizweit bekanntes Unternehmen, das dem ersten Sektor verbunden ist, machte mit einer Going-Public-Emission die ersten Schritte im Kapitalmarkt. Der Luzerner Milchverarbeiter Emmi, der 2004 den Börsengang wagte, lancierte bereits 2001 einen Going-Public-Wandler, dessen Konditionen allerdings vom üblichen Muster etwas abwichen.













