Primärmarkt im März: Krisen bremsen Emissionsgeschäft nicht
Der Primärmarkt bleibt im ersten Quartal auf Rekordkurs. Im März begaben in- und ausländische Emittenten Obligationen über 10,3 Milliarden Franken (praktisch gleich viel wie im März 2025), was gemäss der Statistik der Zürcher Kantonalbank (ZKB) dem drittaktivsten März in der Historie des Schweizer Kapitalmarkts entspricht. Damit liegt das Emissionsvolumen im ersten Quartal von 31 Milliarden 6 Prozent über der Vergleichsperiode in 2024.
Dass dieses Ergebnis in einem vom Iran-Krieg geprägten Marktumfeld zustande kam, ist alles andere als selbstverständlich. Denn im Inlandsegment, das gegenüber Krisen traditionell als resistenter gilt, wurden im März nur 6,1 Milliarden Franken (–10 Prozent) emittiert. Dagegen traten die ausländischen Schuldner umso beherzter auf der Bühne auf und lancierten Anleihen über 4 Milliarden Franken (+25 Prozent).
Wenig Spread-Ausweitung, aber höheres Zinsniveau
Die bemerkenswerte Robustheit des Schweizer Emissionsgeschäfts ist auch der ZKB nicht entgangen. Sie konstatiert, dass der Markt praktisch immer offen war (nur an drei Arbeitstagen herrschte kein Betrieb) und sich die für die Bepreisung der frischen Anleihen wichtigen Renditeaufschläge (Spreads) im Sekundärmarkt nur unwesentlich ausgeweitet hätten. Allerdings konnte sich auch das Schweizer Zinsgefüge dem internationalen Aufwärtstrend nicht ganz entziehen; die Gesamtrendite stieg damit auch ohne Spreadausweitung, was Investoren anlockte.

Auch die Frankenzinskurve hat sich nach oben verschoben. (Grafik: Raiffeisen Schweiz)
Im Inlandsegment waren neben den Stammgästen, der Pfandbriefzentrale und der Pfandbriefbank (je drei neue Tranchen und eine Aufstockung), etliche Kantonalbanken (St. Gallen, Graubünden, ZKB, Glarus, Luzern, Waadtland, Tessin, Bern und Genf) aktiv. Auch die Kantone Tessin und Bern sowie die Stadt Winterthur waren am Markt.
Alpiq als Vorbild für Investor Relations
Aus dem in letzter Zeit recht aktiven Segment der Immobiliengesellschaften waren Mobimo (Aufstockung) und Cham Swiss Properties vertreten, der Energiesektor war mit der BKW (grüne Anleihe), den Engadiner Kraftwerken und Alpiq Holding (Doppeltranche) zugegen. Alpiq stellte eigens zur Emission ein Interview mit Finanzchef Peter-Wim Gerssen auf die Website, was durchaus als nachahmenswerter Beitrag zur Pflege der Investor Relations betrachtet werden kann.
Sandoz Group sowie Georg Fischer (mit je einer Doppeltranche) und die im Bereich der Röntgen- und Hochfrequenztechnologie tätige Comet Holding vertraten die Corporates. Dass selbst ein Schuldner ausserhalb der Anlagequalität wie Comet (von der ZKB mit BB bewertet) ungeachtet des volatilen Umfelds kapitalmarktfähig ist, bestätigt das Bild der Schweiz als Fels in der Brandung. Auch Sandoz und Georg Fischer sind von den internationalen Agenturen mit einem Rating im unteren Bereich der Anlagequalität eingestuft.
Für die Abrundung besorgt waren die EFG Bank (mit einer Aufstockung und einer neuen Tranche) sowie die mit einer Solidarbürgschaft der Eidgenossenschaft ausgestattete Emissionszentrale für gemeinnützige Wohnbauträger (EGW), die quasi schon zum Inventar des Kapitalmarkts zählt.
Aktive ausländische Unternehmen
Im Auslandsegment dominierten mit Mondelez International (Dreifachtranche), Toyota Motor Finance (Doppeltranche) und dem Versorger EON SE (Doppeltranche) die Corporates. Aber auch Supranationals wie die International Bank for Reconstruction and Development (Weltbank), die Europäische Investitionsbank und die Asian Development Bank (die zwei ersten mit nachhaltigen Anleihen) waren vertreten. Der Versicherer Chubb INA Holdings (der nach Ausbruch des Iran-Kriegs das Eis am Primärmarkt brach) und der Versorger Watercare Services (im Besitz der neuseeländischen Region Auckland) waren ebenfalls im Angebot.
Stark war im März auch die Präsenz der Banken. Dazu zählten die französische BPCE (nachrangig), Royal Bank of Canada, die australische Westpac Banking Corporation, ASB Bank und das Staatsinstitut Kiwibank (beide aus Neuseeland und mit einer Doppeltranche). Markant kürzer war der Weg in die Schweiz für die Liechtensteinische Landesbank (LLB).
Erster (und erstklassiger) Pfandbrief aus dem Fürstentum
Apropos LLB. Diese hat Anfang Jahr zusammen mit der LGT das Liechtensteinische Pfandbriefinstitut gegründet. Und dieses hat am 1. April die ersten beiden Anleihen gemäss liechtensteinischer Pfandbriefgesetzgebung, die sich weitgehend das bewährte Schweizer System zum Vorbild genommen hat, emittiert. Die liechtensteinischen Pfandbriefe werden von Moody's mit der Bestnote Aaa bewertet.
Schwungvoll war im März auch der Obligationenhandel im Sekundärmarkt. Der Umsatz im Segment der Frankenanleihen betrug 14,1 Milliarden Franken, ein Plus von 30,4 Prozent zum Vormonat und von 36,1 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Wachstumsrate für das erste Quartal beläuft sich auf 10,9 Prozent.
Schlagzeilen im Spitalsegment: Horgen und Wetzikon
Schlagzeilen lieferte auch das Segment der Spitalschuldner. Das Horgener See-Spital schloss mit der Immobiliengesellschaft Infracore (deren Hauptsaktionärin Aevis Victoria heisst) eine Transaktion ab, welche die Rückzahlung der im Juli fälligen Anleihe über 100 Millionen Franken sichern soll. Der Markt reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachricht.
Auch das Credit Research der ZKB bezeichnet die Nachricht als positiv für die Obligationäre. Allerdings fehlen ihm «noch viele für die Beurteilung notwendige Angaben». Zudem hat es in den vergangenen Monaten Signale vermisst, «die darauf hindeuteten, dass die Gemeinden unterstützend eingreifen würden, um die Rückzahlung der Anleihe zu sichern». Damit stehen sowohl das Standalone-Rating als auch die Annahme der Unterstützungswahrscheinlichkeit unter Druck. Deshalb stellt Bonitätsanalyst Patrick Hasenböhler den Ausblick für das ZKB-Rating des See-Spitals (BB+) von stabil auf negativ.
Bessere Noten für Raiffeisen Schweiz und UBS Group
Über eine bessere Bewertung können sich Raiffeisen Schweiz und UBS Group freuen. Die ZKB hat beide am Donnerstag um je eine Stufe auf AA– und A nach oben befördert, wenige Tage nachdem sie die beiden Ratings auf Credit Watch positiv gesetzt hatte. Der Ausblick ist für beide systemrelevanten Banken stabil.
Dagegen wurden die Berner Kantonalbank und Clientis, die beide auf Credit Watch negativ figurierten, von AA– auf A+ bzw. von A– auf BBB+ zurückgestuft.
Zurück zum Spitalsegment: Auf Anfrage von finews bestätigte das GZO Spital Wetzikon, das ein vertrauliches Angebot eingereicht worden ist. Der Kurs der überfälligen und damit notleidenden GZO-Anleihe reagierte darauf positiv. Einiges spricht dafür, dass Gesellschaften aus dem Aevis-Umfeld bei diesem Angebot eine Rolle spielen.
Die unendliche Geschichte der Fips
Nostalgische Gefühle weckten vergangene Woche Zeitungsinserate der UBS, die sich auf die 1986 emittierte Doppelwährungsanleihe (Foreign Interest Payments Securities, Fips) von PepsiCo bezogen. Die Zinszahlungen dieser grundsätzlich ewig laufenden Obligationen erfolgen in Dollar, alle zehn Jahre hat sowohl der Emittent als auch der Investor das Recht zur Kündigung (Call) bzw. Fälligstellung (Put). Alle zehn Jahre wird zudem der Coupon neu festgelegt, abhängig von der Höhe des Zinsniveaus für US-Staatsanleihen.
Kündigt der Schuldner, erfolgt die Rückzahlung zu pari in Franken. Tut dies der Anleger, kommt der bei der Emission fixierte Wechselkurs ins Spiel. 1986 emittierte eine Reihe von ausländischen Schuldnern solche Instrumente, damals kostete der Dollar zwischen 1.85 und 2 Franken.
Alle zehn Jahre wieder
Weil Emittent PepsiCo auch diesmal auf eine Kündigung verzichtet und auch nicht alle Obligationäre (der damals noch mit Talonbogen gedruckten Titelurkunden) von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, läuft die Anleihe erneut zehn Jahre weiter. Gemäss SIX ist aktuell noch rund ein Zehntel des ursprünglichen Emissionsbetrags von 400 Millionen Franken ausstehend.
Neben PepsiCo werden an der Schweizer Börse noch Fips von Nordic Investment Bank, The Standard Oil Company und von Southern California Gas Company gehandelt.














