Ist dies Blackrocks nächster Schweizer Blockbuster?

Blackrock hat am Montag den Systematic Swiss Equity High Income Fund (SEHI) lanciert; finews berichtete darüber. Damit reagiert die Schweizer Niederlassung des weltweit grössten Vermögensverwalters auf veränderte Anlegerbedürfnisse. Das Produkt wurde in der Schweiz entwickelt und richtet sich gezielt an Schweizer Investoren.

«Das ist ein Produkt aus der Schweiz für die Schweiz mit dem Besten, was Blackrock global zu bieten hat», sagt Schweiz-Chef Dirk Klee im Gespräch mit finews.

Antwort auf Nullzinsen und starken Franken

Die Lancierung erfolgt vor dem Hintergrund eines herausfordernden Marktumfelds. Schweizer Obligationen bieten nach wie vor geringe Renditen, während der starke Franken internationale Anlagen belastet.

«Auf der einen Seite haben wir ein Nullzinsumfeld, in dem Schweizer Anleihen wenig attraktiv sind. Auf der anderen Seite haben wir einen andauernden Währungsdruck auf den Schweizer Franken», erklärt Klee.

Der Fonds investiert vorwiegend in Schweizer Unternehmen, die zwar an der Schweizer Börse kotiert sind, ihre Geschäfte jedoch global betreiben.

«Man investiert in den Heimatmarkt ohne Währungsrisiko – gleichzeitig aber in Unternehmen, die global agieren», so Klee.

Erfolgsmodell als Vorlage

Ausgangspunkt für die Entwicklung des neuen Fonds war der Erfolg des bereits bestehenden Schweizer Dividenden-ETF von Blackrock.

Laut Klee verwaltet der ETF inzwischen mehr als 7 Milliarden Franken. Allein seit Jahresbeginn seien Nettozuflüsse von rund 1,25 Milliarden Franken verzeichnet worden.

«Dieser Fonds hat sich zu einem absoluten Blockbuster-Produkt und zu einem Kernbaustein vieler Schweizer Portfolios entwickelt», sagt Klee.

Im Austausch mit Vertriebspartnern habe sich gezeigt, dass insbesondere die Kombination aus Dividendenrendite, Schweizer Domizil und fehlendem Währungsrisiko stark nachgefragt werde.

Fokus auf regelmässige Erträge

Blackrock beobachtet zudem ein wachsendes Bedürfnis nach laufenden Ausschüttungen. «Wir haben zunehmend Investoren, die neben Kapitalgewinnen auch laufende Erträge generieren wollen», erklärt Klee.

Insbesondere für Anleger, die Kapital aus der zweiten Säule beziehen, könne der Fonds eine interessante Lösung darstellen. «Man möchte in dieser Lebensphase den Fokus stärker von Kapitalgewinnen auf Einkommen verlagern. Dafür könnte dieser Fonds eine gute Alternative sein», betont er. 

Künstliche Intelligenz als Renditetreiber

Im Unterschied zum bestehenden ETF handelt es sich beim neuen Produkt nicht um einen passiven Indexfonds. Das Portfolio wird durch das globale Systematic-Team von Blackrock gesteuert, dessen Wurzeln mehr als vier Jahrzehnte zurückreichen.

Die Fondsmanager nutzen dabei umfangreiche Datenbestände, maschinelles Lernen und KI-Modelle, um Dividendenprognosen zu erstellen und Anlageentscheidungen zu optimieren.

«Die Modelle, die Daten und die Investmentideen werden zunehmend durch AI generiert – auch wenn der Mensch natürlich am Steuer bleibt», sagt Klee.

Besonders bei der Analyse von Dividendenzahlungen komme die Technologie zum Einsatz.

«Wir machen AI-Annahmen über künftige Dividenden und positionieren danach das Portfolio. Die Genauigkeit und die Schnelligkeit der Datenanalyse sind durch AI auf einem anderen Niveau.»

Datenvorsprung als Wettbewerbsvorteil

Nach Ansicht von Klee profitiert Blackrock dabei von seiner langjährigen Technologieorientierung. Mit Aladdin verfügt das Unternehmen seit Jahrzehnten über eine etablierte Plattform für Portfolio- und Risikomanagement. Gleichzeitig investiert Blackrock seit vielen Jahren in Datenanalyse und technologische Infrastruktur.

«Blackrock ist von Anfang an als Vermögensverwalter und Technologiefirma aufgebaut worden», sagt Klee. «Wir hatten die Daten bereits auf unserer Plattform. Sie waren im Prinzip schon vorbereitet für die AI-Module, die wir jetzt darauf aufsetzen.»

Hohe Erwartungen

Konkrete Absatzzahlen für den neuen Fonds liegen wenige Tage nach dem Start noch nicht vor. Die Erwartungen sind jedoch hoch. 

Klee: «Es könnte ebenfalls ein Blockbuster-Produkt werden – für Anleger, die am Aktienmarkt partizipieren wollen, gleichzeitig aber Wert auf laufende Erträge legen.»