Allianz GI erklärt Langeweile zum Erfolgsmodell
Für Allianz Global Investors (Allianz GI) verlagert sich das Zentrum des globalen Wachstums zunehmend nach Osten. Der Vermögensverwalter baut seine Präsenz in China, Taiwan, Indonesien, Hongkong und Korea weiter aus und betrachtet Asien als einen der wichtigsten Wachstumsmärkte der kommenden Jahre.
«Wenn man sich die Wachstumsaussichten in einem inflationären Umfeld anschaut, gibt es eine Region, die besonders heraussticht: Asien-Pazifik», sagte CEO Tobias C. Pross am European Media Day am Mittwoch in Frankfurt.
Die strategische Ausrichtung wird von einem starken Geschäftsgang begleitet. Im ersten Quartal 2026 flossen Allianz GI netto rund 8 Milliarden Euro an Neugeldern zu. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 2 Milliarden Euro gewesen. Die verwalteten Vermögen stiegen damit auf über 600 Milliarden Euro. Allein auf Drittkunden entfallen inzwischen 421 Milliarden Euro – ein Rekordwert.
Asien wird zum Wachstumskern
Während Europa und die USA mit schwächerem Wachstum, geopolitischen Spannungen und fiskalischen Herausforderungen kämpfen, sieht Pross Asien als langfristigen Gewinner.
Entsprechend investiert Allianz GI weiter in den Ausbau seiner regionalen Plattform. Zuletzt verstärkte das Unternehmen seine Präsenz in China, Indonesien und Taiwan, eröffnete ein Büro in Korea und ernannte die ehemalige Citi-Managerin Julie Koo zur Leiterin der Region Asien-Pazifik.
Dabei betrachtet Allianz GI Asien nicht mehr nur als Absatzmarkt für internationale Produkte. Vielmehr soll die Region zu einem zentralen Pfeiler für Wachstum, Innovation und Kundengewinnung werden.
Wette auf China
Bemerkenswert ist auch die weiterhin hohe Überzeugung des Hauses in Bezug auf China.
Während viele internationale Investoren ihre Engagements in den vergangenen Jahren reduziert haben, sieht Pross gerade in politisch und geopolitisch anspruchsvollen Märkten Chancen für aktive Manager.
Nach seinen Angaben gehört die China-A-Aktienstrategie von Allianz GI zu den erfolgreichsten ihrer Kategorie weltweit und habe ihren Vergleichsindex in den vergangenen drei Jahren deutlich übertroffen.
Gerade in Märkten, die von politischen Eingriffen, regulatorischen Veränderungen und geopolitischen Risiken geprägt seien, könnten aktive Manager ihre Stärken ausspielen.
«Boring is the new sexy»
Neben Asien bilden Privatmärkte die zweite grosse Wachstumsinitiative des Unternehmens. Allianz GI verfolgt das Ziel, seine Private-Markets-Plattform strategisch auf Augenhöhe mit dem traditionellen Publikumsfondsgeschäft zu bringen.
Dabei setzt das Unternehmen bewusst auf einen konservativen Ansatz. Anders als viele Wettbewerber verfüge Allianz GI mit dem Allianz-Konzern über einen der grössten institutionellen Investoren Europas als Co-Investor in den eigenen Strategien.
«Boring is the new sexy», sagte Pross.
Gerade in einem Marktumfeld, in dem Investoren zunehmend auf Risiken, Liquidität und Bewertungsfragen achten, werde Verlässlichkeit wieder zum Wettbewerbsvorteil. Nach Angaben des Unternehmens gab es im Private-Credit-Geschäft von Allianz GI in den vergangenen zwanzig Jahren keine Kreditausfälle.
«Was Sie sehen, ist das, was Sie bekommen», sagte Pross und verwies auf die konservative Kreditvergabepolitik des Hauses.
Aktive ETFs erschliessen neue Kundengruppen
Auch aktive ETFs gewinnen innerhalb der Wachstumsstrategie an Bedeutung. Allianz GI hat entsprechende Produkte bereits in Asien lanciert und baut das Angebot nun auch in Europa aus.
Besonders interessant aus Sicht des Unternehmens: Viele Anleger, die in die neuen Produkte investierten, seien zuvor noch nie Kunden von Allianz GI gewesen.
Für Pross sind aktive ETFs deshalb nicht nur ein Produkttrend, sondern ein Instrument, um neue Anlegergruppen, Plattformen und Vertriebskanäle zu erschliessen.
KI braucht zuerst Daten
Beim Thema künstliche Intelligenz mahnt der Allianz-GI-Chef zur Nüchternheit.
Derzeit arbeitet das Unternehmen an einer globalen Datenplattform, die sämtliche relevanten Informationen zusammenführen soll. Erst auf dieser Basis könne KI ihr volles Potenzial entfalten.
«Garbage in, garbage out gilt auch im Zeitalter der künstlichen Intelligenz», sagte Pross.
Deshalb entwickelt Allianz GI neben der zentralen Datenplattform auch eigene Sprachmodelle für Investmentanwendungen, anstatt sich ausschliesslich auf externe Standardlösungen zu verlassen.
Rückenwind für aktive Manager
Trotz Kriegen, Handelskonflikten, geopolitischen Spannungen und einer fragmentierteren Weltordnung sieht Pross die Branche vor einer attraktiven Phase.
«Das ist die beste Zeit, um aktiver Vermögensverwalter zu sein», sagte er.
Die Aufgabe aktiver Manager bestehe heute mehr denn je darin, Anlegern Orientierung zu geben, Risiken einzuordnen und aus einer wachsenden Flut von Informationen die relevanten Signale herauszufiltern.
Für Allianz GI steht dabei fest, wo ein grosser Teil dieser Zukunft geschrieben wird: in Asien.













