Pimco-Schweiz-Chef: «Fixed Income wird wieder ein wichtiger Baustein»
Nach Jahren, in denen Anleihen in vielen Portfolios ein Schattendasein führten, hat sich das Bild grundlegend verändert. Für Davide Gysi, Country Head Switzerland beim US-Vermögensverwalter Pimco, bieten sich auch für Investoren gute Chancen: «Wenn man sieht, wo wir uns heute bei der Rendite befinden, sind dies gute Ausgangspunkte für die kommenden Jahre», sagt er.
Je nach Segment seien derzeit Renditen von 6 bis 7 Prozent in US-Dollar möglich. Damit könne Fixed Income wieder eine wichtige Funktion als Baustein eines diversifizierten Portfolios übernehmen, so Gysi. Gerade nach den Erfahrungen von 2022, als Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck gerieten, habe sich das Umfeld fundamental verändert.
Volatilität schafft Chancen
Von einer komfortablen Situation will Gysi dennoch nicht sprechen. Geopolitische Unsicherheiten und die hohe Volatilität an den Märkten verlangten Investoren einiges ab.
Für aktive Fixed-Income-Manager eröffne gerade dieses Umfeld jedoch Chancen. Höhere Renditen bedeuteten langfristig auch höhere mögliche Erträge. Entscheidend sei deshalb, kurzfristige Schwankungen nicht isoliert zu betrachten.
Das Interesse der Kunden hat laut Gysi entsprechend zugenommen. Besonders deutlich sei dies zunächst bei institutionellen Investoren und Family Offices zu beobachten gewesen, die in der Regel einen längeren Anlagehorizont hätten. Gysi erwartet, dass das Thema in den kommenden zwölf Monaten auch bei Privatanlegern weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Pimco baut Schweizer Präsenz aus
Von diesem Rückenwind will Pimco auch in der Schweiz profitieren. Gysi übernahm die Leitung des Schweizer Geschäfts mit dem Auftrag, die Position des Asset Managers auf dem hiesigen Markt auszubauen.
Seither ist das Team gewachsen. In Zürich beschäftigt Pimco inzwischen rund zwölf Personen, zwei mehr als noch vor zwei Jahren. Rechnet man Mitarbeitende in München und London hinzu, die hauptsächlich für den Schweizer Markt tätig sind, beläuft sich der Personaletat für das Schweiz-Geschäft insgesamt auf rund 20 Personen.
Geschäftlich konnte der Vermögensverwalter sowohl bei institutionellen Kunden als auch im Private Banking und bei Family Offices neue Mandate gewinnen. Zudem hat Pimco sein Angebot für Schweizer Kunden stärker in Richtung Private Markets diversifiziert.
Eine weitere Priorität ist das Tessin. Dort sei Pimco in den vergangenen zwei Jahren mit Veranstaltungen und Roundtables deutlich aktiver geworden. Teammitglieder aus Zürich seien regelmässig vor Ort.
Der Schweizer Finanzplatz bleibe für internationale Asset Manager attraktiv, ist Gysi überzeugt. Insbesondere die Offenheit gegenüber neuen Anlageideen und Investmentmöglichkeiten zeichne ihn von anderen Finanzzentren aus.
Direct Lending wird erwachsen
Wachstumspotenzial sieht Pimco auch in den Private Markets. Der Direct-Lending-Markt ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen und befindet sich laut Gysi nun in einer Konsolidierungs-Phase.
«Die Sparte ist deutlich reifer geworden und befindet sich nun in einer Phase der Konsolidierung», sagt Gysi. Das bedeute jedoch keineswegs, dass Pimco Direct Lending abschreibe. Die Anlageklasse werde weiterhin auf Interesse stossen. Gleichzeitig suchten Investoren zunehmend nach Möglichkeiten, ihre Private-Credit-Allokationen breiter zu diversifizieren.
Pimco setzt dabei insbesondere auf Asset-Based Finance. Der Bereich stosse zunehmend auch bei bestehenden Direct-Lending-Investoren auf Interesse, weil sich damit ähnliche Renditeziele mit unterschiedlichen Risikoprofilen verfolgen liessen.
Illiquidität nicht unterschätzen
Gysi warnt allerdings vor falschen Vorstellungen bei Private Markets. Es sei zentral, Vorteile und Risiken transparent mit den Kunden zu diskutieren –, insbesondere die Illiquidität.
Das gilt auch für sogenannte Gates, mit denen Fonds Rücknahmen begrenzen können. Diese Mechanismen seien gerade dazu geschaffen worden, bestehende Investoren zu schützen und den Handlungsspielraum dem Portfolio-Manager zu sichern.
KI schafft neue Kreditmöglichkeiten
Bei künstlicher Intelligenz steht für Gysi weniger die Frage im Vordergrund, welcher Aktienwert zum grossen KI-Gewinner wird.
Entscheidend sei vielmehr, welche Finanzierungsmöglichkeiten durch den enormen Kapitalbedarf rund um Rechenzentren, Infrastruktur und andere KI-Investitionen entstehen und ob bei einem Investment ausreichend Sicherheit bestehe, dass das eingesetzte Kapital bei Fälligkeit zurückbezahlt werde.
Die zunehmende Grösse und Komplexität solcher Transaktionen könne für einen Asset Manager mit entsprechender Strukturierungs- und Kreditanalysekompetenz zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, sagt Gysi.
Aktive ETFs werden sich auch hierzulande durchsetzen
Ein weiteres Wachstumsfeld sieht Gysi bei aktiven ETFs. Pimco hat inzwischen entsprechende Produkte in der Schweiz kotiert und erwartet, dass das Anlagevehikel an Bedeutung gewinnt.
Gerade bei Fixed Income sei die Diskussion über aktiv oder passiv anders gelagert als bei Aktien. Aktive ETFs könnten sich deshalb neben traditionellen Fonds als zusätzliches Instrument etablieren.
Noch stehe der Markt in der Schweiz am Anfang. «Wenn wir in ein oder zwei Jahren wieder zusammensitzen, können wir sicher mehr darüber diskutieren, wohin der Trend gegangen ist», sagt Gysi.
Für Pimco selbst bleibt der Ausbau des Schweizer Geschäfts damit eine langfristige Aufgabe. Neben der Gewinnung neuer Kunden werde es zunehmend darum gehen, bestehende Kunden eng zu begleiten. Asset Manager würden heute stärker als Partner wahrgenommen, sagt Gysi. Gefragt seien nicht mehr nur Produkte, sondern kontinuierlicher Austausch über Märkte, Portfolios und neue Investmentmöglichkeiten.














