Wieder weniger Risikokapital für Schweizer Startups

Die Zahl der Investments blieb mit 123 praktisch konstant, womit der mehrjährige Abwärtstrend gestoppt werden konnte, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag.
Nach dem leichten Aufschwung im ersten Halbjahr 2025, ging die insgesamt investierte Summe in den ersten sechs Monaten 2026 wieder um 15,5 Prozent auf 1,24 Milliarden Franken zurück.

Damit liegen die Investitionen in Schweizer Startups aktuell etwas höher als etwa 2023 und 2024. Die Grafik zeigt aber auch den Vergleich mit 2022 als allein in den ersten sechs Monaten 163 Deals bekannt wurden und noch über 2,58 Milliarden Franken Risikokapital floss.

 

finews_VC_Halbjahr_Grafik_ohne_Kurve_rechte_Achse.png

Quelle: Swiss Venture Capital Report


Hardware profitiert

Während die Gesamtzahlen «von Konstanz auf niedrigem Niveau» geprägt seien, gab es laut dem Update bei Sektoren und Kantonen grosse Veränderungen. Laut Mitteilung konnten Hardware-Startups mit mehr als 324 Millionen Franken einen neuen Finanzierungsrekord verbuchen. Das waren über 60 Prozent mehr als in jedem anderen Halbjahr. Die Produkte der Startups machen etwa Rechenzentren effizienter oder sicherer oder schaffen neue Möglichkeiten in der Raumfahrt. Die Unternehmen dürften vom Interesse der Investoren an Deep-Tech-Startups profitieren. Grosse Biotech-Investments blieben dagegen weitgehend aus.

Wenig grosse Deals

Angeführt wird die Rangliste der grössten Finanzierungsrunden vom Zuger Energiespeicher-Unternehmen terralayr mit knapp 179 Millionen Franken. Fast gleich viel sammelte der Chiphersteller Kandou AI und der Ernährungsberatungs-Spezialist Oviva. Nur noch bei Windward Bio investierten Risikokapitalgeber mit 131 Millionen Franken über 100 Millionen, die nächstgrösseren Deals belaufen sich laut dem Report auf noch gut 39 Millionen Franken. Im Unterschied zum Vorjahr dominierten in der Top 10 reifere, teils bereits umsatzstarke Unternehmen, laut den Autoren auch ein Zeichen dass Investoren selektiv vorgehen.

Waadt überholt Zürich deutlich

Bei den Kantonen zeigt sich ein ungewohntes Bild: Mit über 330 Millionen Franken liegt der Kanton Waadt beim investierten Kapital klar an der Spitze – ein Niveau, welches an die Rekordjahre 2021 und 2022 erinnere, heisst es dazu. Grund dafür ist die Stärke im Hardware-Bereich: Drei der vier Hardware-Investments unter den Top 10 gingen an Waadtländer Startups. Mit grossem Abstand folgen Zug (236,7 Millionen Franken), Schwyz (181,5 Millionen Franken), Basel-Stadt (173,4 Millionen Franken) und Zürich mit 155,8 Millionen Franken. Der Kanton Zürich verzeichnete demnach den tiefsten Wert seit 2018, bedingt durch fehlende grosse Biotech-Deals und stagnierende ICT-Finanzierungen, heisst es dazu.

Fundraising bleibt die grösste Herausforderung

Die wichtigste Voraussetzung für eine Belebung des Risikokapitalmarktes seien die Exits. Im laufenden Jahr sei deren Zahl mit 21 bislang auf dem Niveau von 2025 geblieben. Allerdings sei ein deutlicher Anstieg strategischer Investitionen zu verzeichnen, die oft Exits vorausgehen.

Gemäss der zum sechsten Mal durchgeführten, breit angelegten Umfrage unter Schweizer Risikokapitalinvestoren stellt das Fundraising weiterhin die grösste Herausforderung für sie dar. Bei den Fragen nach ihren Erwartungen für die nächsten zwölf Monate zeigten sich die Investoren allerdings optimistischer als vor einem Jahr. Dies umfasst Erwartungen zum Umfeld und zur eigenen Investment-Aktivität genauso wie zur Zahl der Exits, was einen weiteren Hinweis auf eine sich abzeichnende Belebung liefere.