So viele Kundengelder hat Bellevue wirklich verloren
Die Halbjahreszahlen der Bellevue Group haben ein zwiespältiges Bild gezeichnet: Der Konzerngewinn ist deutlich gestiegen, gleichzeitig verzeichnete der Asset Manager Nettoabflüsse von rund 490 Millionen Franken; finews berichtete darüber.
Ein Teil dieser Abflüsse war allerdings auf die Redimensionierung des UK-Geschäfts zurückzuführen. Auf Nachfrage von finews macht Bellevue nun erstmals deutlich, wie hoch die unmittelbar kundengetriebenen Abflüsse tatsächlich waren.
«Die ‹echten› kundengetriebenen Abflüsse liegen bei 375 Millionen Franken», erklärt der Asset Manager. Die grössten Abflüsse habe Bellevue aufgrund von Kundenreallokationen bei den Medtech- und Healthcare-Strategien verzeichnet.
Keine Prognose für die Neugeldwende
Wann Bellevue unter dem Strich wieder neue Kundengelder anziehen wird, lässt das Unternehmen offen. «Es ist verfrüht, hierzu eine Angabe zu machen», heisst es auf Anfrage von finews.
Allerdings sieht Bellevue erste Anzeichen für eine Verschiebung des Investoreninteresses hin zu defensiveren Wachstumssektoren wie Healthcare. Insbesondere im Medtech-Bereich hätten die Bewertungen zuletzt die soliden operativen Fundamentaldaten nicht ausreichend reflektiert.
Dreht der Trend?
Bellevue erwartet, dass sich dies ändern könnte und die Bewertungen wieder anziehen. «Sollte dieser Trend im Healthcare-Markt anhalten, so sind wir zuversichtlich, dass sich dies in den von Bellevue verwalteten Vermögen reflektieren wird.»
Damit setzt Bellevue bei der erhofften Neugeldwende wesentlich auf eine Renaissance jenes Sektors, mit dem die Investmentboutique seit Jahrzehnten eng verbunden ist.
Stärke oder strategische Abhängigkeit?
Diese Spezialisierung ist zugleich eine der zentralen strategischen Fragen für Bellevue. Denn während die ausgeprägte Healthcare-Kompetenz dem Unternehmen ein klares Profil verschafft, machen die jüngsten Mittelabflüsse deutlich, wie stark die Entwicklung der verwalteten Vermögen von der Nachfrage nach entsprechenden Anlagestrategien abhängt.
Bellevue sieht darin weiterhin klar eine Stärke.
Das Unternehmen habe sich über Jahrzehnte weit über die Schweiz hinaus den Ruf erarbeitet, als Investmentboutique über einzigartiges Investment-Knowhow im Healthcare-Sektor zu verfügen. Verschiedene Strategien hätten ihre Benchmarks und Peers konsistent übertroffen.
«Wir sehen unsere Spezialisierung als klaren Wettbewerbsvorteil und werden weiterhin darauf aufbauen», hält Bellevue fest.
BB Biotech bleibt zentraler Pfeiler
Eine Schlüsselrolle spielt dabei weiterhin BB Biotech. Die Beteiligungsgesellschaft, die sich im ersten Halbjahr positiv entwickelte, bezeichnet Bellevue als «zentralen Pfeiler» der Gruppe. BB Biotech wurde 1993 und damit im selben Jahr wie Bellevue gegründet. Die Gesellschaft verkörpere «bis heute die DNA der Bellevue Group», heisst es.
Die Verbindung unterstreicht allerdings auch, wie konsequent Bellevue an seiner Positionierung als Healthcare-Spezialist festhält. Eine grundsätzliche strategische Neuausrichtung steht zumindest derzeit offenbar nicht zur Debatte.
«Grosse strategische Flexibilität»
Offener fällt die Antwort auf die Frage nach möglichen Übernahmen, Partnerschaften oder einer Beteiligung an der Konsolidierung der Asset-Management-Branche aus.
Bellevue verweist darauf, gut positioniert zu sein, um von einer Erholung des Healthcare-Marktes überproportional zu profitieren. Gleichzeitig verfüge die Gruppe über eine «hoch solide Bilanz» und ein sehr stabiles Aktionariat. «Dies gibt uns grosse strategische Flexibilität», erklärt Bellevue.
Wann ziehen Healthtech und Medtech wieder?
Ob diese Flexibilität künftig auch für Akquisitionen oder strategische Partnerschaften genutzt werden könnte, lässt das Unternehmen offen.
Vorerst setzt Bellevue vor allem auf eine andere Wende: Kehrt das Interesse der Investoren an Healthcare und Medtech nachhaltig zurück, sollen davon auch die verwalteten Vermögen profitieren. Wann daraus wieder positive Nettoneugelder werden, darauf will sich Bellevue allerdings noch nicht festlegen.














