Bellevue steigert Gewinn deutlich – doch die Kundengelder schwinden
Der auf Healthcare spezialisierte Asset Manager Bellevue hat im ersten Halbjahr 2026 einen Konzerngewinn von 1,8 Millionen Franken erzielt. In der Vorjahresperiode waren es lediglich 0,2 Millionen Franken gewesen.
Der Geschäftsertrag erhöhte sich laut den am Donnerstag präsentierten Zahlen um 4,4 Prozent auf 26,2 Millionen Franken. Dazu trug insbesondere ein verbessertes Finanzergebnis bei: Mit Finanzanlagen erzielte Bellevue einen Erfolg von 1 Million Franken, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von rund 2 Millionen Franken angefallen war.
Im eigentlichen Asset-Management-Geschäft zeigt sich hingegen ein anderes Bild. Der Erfolg aus Asset-Management-Dienstleistungen sank um 8,6 Prozent auf 24,6 Millionen Franken.
Fast eine halbe Milliarde fliesst ab
Auch bei den verwalteten Vermögen bleibt der Druck hoch. Diese beliefen sich Ende Juni auf 4,8 Milliarden Franken und lagen damit 8,7 Prozent unter dem Stand von Ende 2025.
Bellevue verzeichnete Nettoabflüsse von rund 490 Millionen Franken. Darin enthalten sind allerdings 112 Millionen Franken aus einem Healthcare Trust, den der Asset Manager im Zuge der Redimensionierung seines UK-Geschäfts abgegeben hat.
Als Hauptgründe für die Entwicklung nennt Bellevue neben der negativen Performance verschiedener Medtech- und Healthcare-Strategien die anhaltende Umschichtung von Anlegergeldern in den Technologiesektor. Dieser profitierte weiterhin vom Boom rund um künstliche Intelligenz.
Die Rotation schwäche sich inzwischen allerdings ab, stellt Bellevue fest.
BB Biotech setzt positiven Akzent
Einen Lichtblick lieferte BB Biotech. Der Aktienkurs der Beteiligungsgesellschaft legte im ersten Halbjahr in Franken gerechnet um 14,1 Prozent zu. Die Marktkapitalisierung erreichte 2,7 Milliarden Franken.
Auch ausserhalb des Healthcare-Bereichs gab es positive Signale. Die Strategien Entrepreneur Europe Small, Entrepreneur Switzerland und Swiss Small & Mid verzeichneten zusammen mit der Global-Macro-Strategie Zuflüsse von insgesamt 37 Millionen Franken.
Damit zeigt sich innerhalb des Geschäfts eine deutliche Zweiteilung: Während insbesondere Healthcare- und Medtech-Strategien weiterhin unter Mittelabflüssen und dem Investorenfokus auf Technologie leiden, entwickeln sich ausgewählte Small- und Mid-Cap-Strategien robuster.
Sparprogramm zeigt Wirkung
Zur deutlichen Gewinnverbesserung beigetragen haben auch die Kostensenkungen. Der Geschäftsaufwand sank um 3,2 Prozent auf 23,8 Millionen Franken.
Bereinigt um Sondereffekte reduzierte sich der operative Aufwand nach Angaben von Bellevue um 5,4 Prozent. Der Asset Manager hatte bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, Organisation, Vertriebsstruktur und Produktpalette zu straffen.
Noch mehr Einsparungen in der Pipeline
Weitere Einsparungen sollen folgen. Bellevue verkleinert seine eigenen Büroflächen und vermietet nicht benötigte Räume unter. Dadurch soll der wiederkehrende Mietaufwand ab dem vierten Quartal 2026 um rund 700’000 Franken pro Jahr sinken.
Im ersten Halbjahr führte dies allerdings zunächst zu einer einmaligen, nicht liquiditätswirksamen Wertberichtigung von 600’000 Franken.
«Die Straffung der Organisation und die personelle Erneuerung haben die Profitabilität bereits gestärkt – ihre volle Wirkung entfalten sie erst noch», sagt der exekutive Verwaltungsratspräsident Veit de Maddalena.
Bellevue hofft auf Comeback von Healthcare
Für das zweite Halbjahr zeigt sich das Management zuversichtlicher. Seit Juni beobachtet Bellevue nach eigenen Angaben eine Verschiebung des Investoreninteresses von hoch bewerteten Technologietiteln hin zu defensiveren Wachstumssektoren wie Healthcare. Davon könnte das Unternehmen aufgrund seiner starken Ausrichtung auf den Gesundheitssektor überproportional profitieren.
Bellevue verweist dabei auf attraktivere Bewertungen, eine weiterhin hohe Innovationsdynamik, demografische Trends und zunehmende Anwendungen künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen.
Auch bei Fusionen und Übernahmen erwartet der Asset Manager eine Beschleunigung. Insbesondere grosse Pharmaunternehmen dürften ihre starken Bilanzen nutzen, um sich angesichts auslaufender Patente durch Akquisitionen neue Wachstumstreiber zu sichern.
«Wir sind überzeugt: Bellevue ist hervorragend positioniert, um von der sich abzeichnenden Erholung des Healthcare-Sektors überproportional zu profitieren», sagt de Maddalena.















