Weshalb Biotech für Investoren wieder spannend wird
Nach schwierigen Jahren kehrt Bewegung in die Biotech-Branche zurück – und sie könnte erst am Anfang eines neuen Zyklus stehen. Im Podcast spricht Christian Koch, Head des BB Biotech-Teams, über die Kräfte, die derzeit die globale Biopharmaindustrie prägen – von geopolitischen Spannungen über milliardenschwere Patentabläufe bis hin zu einer neuen Übernahmewelle.
«Es gibt eigentlich nur einen wirklich entscheidenden Endmarkt für die Branche, und das sind die USA», sagt Koch. Rund die Hälfte der Umsätze globaler Biopharmaunternehmen werde dort erzielt, während «70 bis 80 Prozent der Profite» aus dem amerikanischen Markt stammen. Entsprechend gross sei die Verunsicherung gewesen, als politische Diskussionen über Medikamentenpreise und Produktionsstandorte aufkamen.
Nach einer mehrjährigen Schwächephase zeigt sich die Branche nun wieder dynamischer. Koch spricht rückblickend sogar von einem «Biotech-Winter», der nach dem Covid-Boom eingesetzt habe. «Übersteigerte Erwartungen nach den Impfstofferfolgen und gleichzeitig stark steigende Zinsen: Diese Kombination hat zu einer drei- bis vierjährigen Korrektur geführt.»
Doch strukturelle Treiber bleiben intakt. Besonders die grossen Pharmakonzerne stehen unter Druck, neue Medikamente zu sichern. «In den nächsten fünf bis zehn Jahren laufen Patente im Umfang von Hunderten Milliarden Dollar aus», erklärt Koch. «Über zehn Jahre sprechen wir von mehr als 500 Milliarden Dollar Umsatz, der ersetzt werden muss.» Das sorge für einen anhaltenden Bedarf an Übernahmen. «M&A bleibt einer der zentralen Motoren der Biopharmaindustrie.»
«Chinesen entwickeln unglaublich schnell»
Zugleich verschärft sich der internationale Wettbewerb. Während die USA weiterhin den wichtigsten Markt darstellen, gewinnt China als Innovationsstandort an Bedeutung. «Mit ihren viel niedrigeren Kostenstrukturen können chinesische Firmen unglaublich schnell entwickeln», sagt Koch. Für Investoren stelle sich daher zunehmend die Frage, «ob das nur Wettbewerb ist – oder auch eine Opportunität».
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im Investmentprozess. BB Biotech baut derzeit eine eigene datengetriebene Plattform auf, auf der Analysten und KI-Systeme eng zusammenarbeiten. «KI ist für uns kein Ersatz für den Menschen», betont Koch. «Es geht um ‹human in the loop› – die Maschine unterstützt den Analysten, aber die Entscheidung bleibt menschlich.»
Warum die kommenden Jahre entscheidend für die Branche werden könnten, wie gross die Übernahmewelle tatsächlich werden dürfte und weshalb künstliche Intelligenz die Analyse von Biotech-Investments grundlegend verändern könnte: Darüber spricht Christian Koch in der neuen Folge des finews-Podcasts.
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