Drei KI-Modelle, drei Menschen: Mehr brauchen Sie nicht
Von Andreas K. Janoschek *
Diese Kolumne macht Sommerpause. Zum Abschluss fasse ich zusammen, was Sie im Sommer 2026 brauchen, um mit Künstlicher Intelligenz fast jedes Vorhaben umzusetzen: drei Arten von Modellen und drei Menschen. Das klingt bescheiden. Es ist mehr, als die meisten Projekte haben, die mir begegnen.
Ein KI-Vorhaben durchläuft dieselben Phasen wie ein Bauwerk: Architektur, Bau, Betrieb. Jede Phase verlangt eine andere Klasse von Modell und ein anderes Kompetenzprofil. Kein Bauherr lässt den Architekten mauern oder den Maurer die Statik rechnen. In KI-Projekten sehe ich diese Verwechslung regelmässig: ein Werkzeug, eine Person, drei Aufgaben. Wer so plant, bekommt Demos, keinen Betrieb.
Die entscheidende Kombination
Zuerst die Architektur. Am Anfang stehen Fragen: Was wollen Sie erreichen? Welche Rahmenbedingungen gelten, von Datenschutz über Technik bis Budget? Woran messen Sie in einem Jahr den Erfolg? Für diese Denkarbeit nehmen Sie das beste verfügbare Spitzenmodell, in der Regel das teuerste. Aktuell ist das Claude Fable 5. Sein Verschwinden beschrieb die dritte Folge. Seit Anfang Juli ist es zurück – und der Preis für die Spitzenleistung ist gestiegen. Da die Spitze ohnehin fast monatlich wechselt oder über Nacht verschwinden kann, legen Sie sich auf die Klasse fest, nicht auf einen Namen. Der Mensch dazu kennt ihr Geschäft und ihre Branche und behält zugleich den Überblick über die Technik. Diese Kombination ist selten und entscheidet über alles Weitere.
Dann der Bau. Aus dem Konzept wird ein Werkzeug, wird Code. Nirgends habe ich im ersten Halbjahr 2026 mehr Fortschritt gesehen als hier. Coding-Agenten, Gerüste im Sinn der ersten Folge, erledigen ganze Arbeitspakete. Claude Code ist ein Beispiel, Claude Cowork die Variante für Fachleute ohne Programmierhintergrund. Als Modell genügt die zweite Reihe der Spitzenklasse, schnell und günstig: Sonnet oder Haiku von Anthropic oder die führenden chinesischen Modelle. Der Mensch dazu braucht etwas Branchenwissen und vor allem eine Biografie: Er hat programmiert, bevor die KI es übernahm. Nur wer selbst Code geschrieben hat, erkennt, wo die Maschine überzeugend klingt und trotzdem danebenliegt.
Welche Fragen wirklich zählen
Zuletzt der Betrieb. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Viele Ideen schaffen es heute zur Skizze, viele Skizzen zur Demo. Im Alltag zählen andere Fragen: Wie stabil läuft das System? Was kostet es wirklich? Bleiben die Daten im Haus? Wie hoch ist die Fehlerquote? Spitzenmodelle sind dafür unnötig teuer. Kleine Modelle, auf genau eine Aufgabe nachtrainiert, erledigen sie zuverlässig und laufen auf eigener Hardware. Googles Gemma auf dem Mac Mini aus der ersten Folge ist mein Beispiel. Der Mensch dazu bringt Betriebserfahrung mit, im Zweifel kaufen Sie sie extern ein. Und geben Sie den Betrieb, bei allem Respekt, nicht dem Praktikanten, der die Demo gebaut hat. Skizze und Demo verzeihen Fehler. Der Betrieb verzeiht nichts.
Für ein Haus in der Schweizer Finanzbranche heisst das: Drei Rollen sind nicht zwingend drei Anstellungen. Ein unabhängiger Vermögensverwalter kauft sie tageweise ein. Eine Bank hat alle drei im Haus, aber selten am selben Tisch. Entscheidend ist, dass jede Phase besetzt ist. Ich habe selten jemanden getroffen, der alle drei Profile gleich gut ausfüllt.
Stimmen Sie zu? Widersprechen Sie? Nach der Sommerpause setzen wir das Gespräch an dieser Stelle fort.
Bis dahin wünsche ich Ihnen erholsame Ferien.
Nur der kleine Agent auf dem Mac Mini kennt keine Pause.
* Andreas K. Janoschek ist Gründer von Gerevest.AI in Genf. Zuvor war er Portfoliomanager bei Allianz Global Investors und CIO eines Lebensversicherers. Er hilft Banken, Versicherern und Vermögensverwaltern, KI sicher und souverän einzusetzen. www.gerevest.ai














