Autolegende Kenny Eichenberger: So retten wir den Verbrenner

Der Ort des Gesprächs passt zum Mann: eine Zürcher Zigarrenlounge. Kenny Eichenberger ist soeben aus Ibiza zurückgekehrt, wo er seit Jahrzehnten ein Haus besitzt. Er liebt gutes Essen und guten Wein, und er nimmt sich die Zeit dafür. Ein Lebemann, sympathisch und direkt.

Aus dem Nichts hat er mit Kenny's Auto-Center ein stattliches Autohandelsgeschäft rund um Mercedes und Smart aufgebaut. Angefangen hat er «auf dem Sandplatz» – mit 50'000 Franken Kredit der UBS Regensdorf. Das von ihm gegründete Unternehmen wird dieses Jahr fünfzig Jahre alt und ist nach wie vor in Familienbesitz. Vor zehn Jahren hat Sohn Marc Eichenberger die Firma übernommen.

Die Liebe zum Blubbern 

Rund zehn Mercedes-Oldtimer nennt Eichenberger sein Eigen, darunter ein 300 SL. 

Wenig übrig hat er auch für modernes Grossfirmen-Management. «Mittlerweile gibt es da die Sitzung der Sitzung für die Sitzung», sagt er amüsiert und zieht genüsslich an seiner Havanna.

Millionen für den synthetischen Treibstoff

Nun aber ist der Petrolhead zum Investor geworden: Kürzlich ist er bei Synhelion eingestiegen. Das Schweizer Unternehmen stellt mit erneuerbarer Energie synthetische Treibstoffe für Flugzeuge, Schiffe und den Strassenverkehr her – CO2-neutral und einsetzbar in bestehenden Motoren. «Es ist eines meiner wichtigsten, privaten Direktinvestments – mehrere Millionen Franken», sagt Eichenberger.

Die Technologie von Synhelion wandelt erneuerbare Energie und biogene Abfälle in synthetische Treibstoffe um. Erneuerbare Hochtemperatur-Prozesswärme treibt einen thermochemischen Reaktor an, der Biomethan, CO2 und Wasser in Synthesegas umwandelt. Daraus entstehen über etablierte industrielle Verfahren synthetisches Kerosin, Diesel und Benzin.

Erneuerbare Energie plus Bioabfälle

Der nötige Kohlenstoff stammt aus Rohbiogas, das durch Vergärung biogener Rest- und Abfallstoffe gewonnen wird. Dieser Rohstoff ist laut Unternehmen weltweit verfügbar und weit weniger knapp als die Pflanzenöle und Altfette herkömmlicher Biotreibstoffe. Abgesichert hat Synhelion sein Verfahren mit 23 angemeldeten Patentfamilien.

Für den Autoliebhaber ist der Reiz offensichtlich: Der Treibstoff lässt sich fossilem Benzin beimischen, ohne dass am Fahrzeug etwas umgebaut werden muss. Eichenberger ist damit testweise bereits mit einem seiner Oldtimer gefahren. Sein Fazit fällt positiv aus: «Es kann die Rettung des Verbrennungsmotors sein.»

80 Rappen pro Liter als Benchmark

Entscheidend ist der Preis. Eichenberger ist überzeugt, dass sich der Treibstoff bei grossflächiger Ausrollung in grossen Anlagen für 80 Rappen pro Liter herstellen lässt. 

Heute liegt er noch deutlich höher. Synhelion verweist ihrerseits auf eine unabhängige Validierung durch den Prüfkonzern DNV, wonach die Produktionskosten im Grossmassstab unter 1'000 Euro pro Tonne sinken sollen – ein Niveau, das mit importierten fossilen Treibstoffen konkurriert.

Kapital als Flaschenhals

Als Privatinvestor möchte er die Mitgründer vor allem mit seiner unternehmerischen Erfahrung begleiten. «Die Gründer verbinden herausragende technologische Kompetenz mit starken unternehmerischen Fähigkeiten und einer klaren Vision. Ich kann meine Erfahrung einbringen, um das weitere Wachstum und die Skalierung des Unternehmens zu unterstützen.». 

Mittelfristig hält Eichenberger einen Börsengang für vorstellbar. «Dabei rechne ich mit einem sehr substantiellen Gewinn», sagt er. Bis dahin bleibt eine Hürde: «Der Flaschenhals für das schnelle Wachstum des Unternehmens ist das Kapital.»

Für eine grossindustrielle Produktionsanlage, die rund 30’000 Tonnen Brennstoff pro Jahr produziert, seien erhebliche Investitionen erforderlich. Die Rede ist von rund 400 Millionen Franken bis zu etwa einer Milliarde. Mit verschiedenen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren liefen vielversprechende Verhandlungen.

Eichenbergers Überzeugung ist derweil grundsätzlicher Natur: «Wir müssen das Verbrenneraus kippen.»