Belgische Privatbank lässt sich in in Zürich nieder und sucht nach Übernahmezielen
«Man kann in der Schweiz nicht ernsthaft tätig sein, wenn man nicht in Zürich präsent ist», sagt Thierry de Groote im Gespräch mit finews.
Am 3. September eröffnet Delen Suisse deshalb offiziell ein Büro an der Rämistrasse 16, unweit des Bellevue; finews berichtete darüber. Es ist nach Genf der zweite Standort in der Schweiz.
Delen Private Bank liess sich Zeit für die Expansion. Das 1936 gegründete belgische Finanzhaus ist seit 1996 in der Schweiz tätig.
Die Entwicklung in den vergangenen Jahren hat den Entscheid vereinfacht. Das Geschäft mit Kunden aus der Region Zürich sei stark gewachsen, sagt de Groote, der Delen Suisse seit 2017 führt. Hinzu seien konkrete Anfragen von bestehenden und potenziellen Kunden gekommen.
Zehn Jahre statt drei
Delen will in Zürich nicht nur einen Kundenstandort aufbauen. «Als Familienunternehmen treffen wir solche Entscheidungen nicht auf Basis eines Geschäftsplans für zwei oder drei Jahre. Wir denken in einem Zehnjahreshorizont», betont de Groote.
Zürich soll zu einem zweiten Standbein für Delen Suisse werden. Das Büro startet zunächst mit drei Mitarbeitenden. Mittelfristig könnten es gegen zehn werden.
De Groote hat für die Schweiz ein ambitioniertes Ziel: Delen Suisse soll sich in den kommenden zehn Jahren zu einem Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen in Milliardenhöhe entwickeln.
Dabei setzt das Unternehmen nicht nur auf organisches Wachstum.
Delen sucht nach Übernahmezielen
De Groote kann sich explizit vorstellen, Schweizer Finanzinstitute oder unabhängige Vermögensverwalter zu übernehmen beziehungsweise mit ihnen zusammenzugehen. Gerade kleinere Anbieter kämpften zunehmend mit hohen Kosten, fehlender Skalierung und der schwierigen Akquisition neuer Kunden.
«Wir würden sehr gerne Schweizer Finanzinstitute oder qualitativ gute unabhängige Vermögensverwalter davon überzeugen, sich uns anzuschliessen», sagt er.
Dabei gehe es Delen nicht primär darum, Kundenvermögen einzukaufen. «Was uns bei Übernahmen wirklich interessiert, ist, dass Management-Teams und Kunden gleichermassen wichtig sind. Die Kunden sind ein Bonus.»
Als Blaupause dient der Gruppe unter anderem die Expansion in den Niederlanden. Dort ist Delen über mehrere Akquisitionen gewachsen und hat die übernommenen Teams und Kunden in die eigene Plattform integriert.
Ein ähnliches Modell könne er sich langfristig auch in der Schweiz vorstellen, sagt de Groote.
«Hidden Gem» im Private Banking
Die Delen Private Bank gehört ausserhalb ihrer Heimat noch immer zu den weniger bekannten europäischen Vermögensverwaltern. Per 30. Juni 2026 verwaltete die Gruppe 84,1 Milliarden Euro und beschäftigte mehr als 1’200 Mitarbeitende. Sie ist neben Belgien und der Schweiz auch in den Niederlanden, Luxemburg und Grossbritannien tätig.
De Groote bezeichnet Delen Private Bank Gruppe als einen «Hidden Gem» des europäischen Private Banking. Das Wachstum der vergangenen Jahrzehnte sei überwiegend organisch erfolgt und durch die Entwicklung der Finanzmärkte unterstützt worden; Akquisitionen hätten einen deutlich kleineren Anteil ausgemacht.
Auch in der Schweiz setzt Delen zunächst auf Empfehlungen bestehender Kunden. Laut de Groote stammen rund 70 Prozent des jährlichen Wachstums aus zusätzlichem Vermögen bestehender Kunden und Weiterempfehlungen.
Ein bewusst schmales Angebot
Delen versucht sich dabei über ein vergleichsweise fokussiertes Geschäftsmodell von den zahlreichen Konkurrenten im Schweizer Private Banking abzugrenzen.
Die Gruppe konzentriert sich auf zwei Bereiche: diskretionäre Vermögensverwaltung und Vermögensplanung. Institutionelle Kunden, unabhängige Vermögensverwalter als Kunden oder ein klassisches Custody-Geschäft gehören nicht zum Zielmodell.
Im Fokus stehen Privatkunden und Familien. Einen harten Mindestanlagebetrag gebe es nicht, sagt de Groote. Das durchschnittliche Kundenvermögen in der Schweiz liege bei rund 3 bis 4 Millionen Franken.
Eine zentrale Rolle spielt die Technologie. Delen entwickelt seine IT weitgehend selbst. Über die digitale Plattform können Kunden nicht nur ihre Wertschriftenportfolios, sondern ihr gesamtes Vermögen inklusive Immobilien, Beteiligungen und Familienstrukturen abbilden.
Für de Groote soll die Technologie vor allem eines ermöglichen: den Kundenberatern mehr Zeit für die eigentlichen Bedürfnisse ihrer Kunden zu verschaffen.
Weniger Produktverkauf, mehr Kundenkontakt
Das zeigt sich auch an der Steuerung der Kundenberater. Während bei vielen Banken Neugeld, Ertrag oder Produktverkäufe zu den wichtigsten Kennzahlen gehören, setzt Delen Suisse nach Angaben von de Groote andere Schwerpunkte.
Gemessen werde beispielsweise, wie häufig ein Berater einen Kunden treffe, wie oft Estate-Planning-Spezialisten einbezogen würden oder wie intensiv der persönliche Kontakt sei.
«Die wichtigen Fragen für unsere Kunden sind die Übertragung des Vermögens innerhalb der Familie, die Nachfolge, das Testament oder die Pensionierung», sagt de Groote.
Das Zürcher Büro ist deshalb mehr als eine zusätzliche Adresse. Für Delen ist es der Ausgangspunkt für die nächste Wachstumsphase in der Schweiz – organisch und, wenn sich die Gelegenheit bietet, auch über Zukäufe.












