Wall-Street-Banken brillieren und was dies für die UBS bedeutet
Die wiedergewonnene Lust auf Transaktionen und die steigenden Aktienmärkte haben das Kerngeschäft der Wall-Street-Banken beflügelt. Trading und Investmentbanking konnten Umsätze und Ergebnisse deutlich steigern.
In der vergangenen Woche haben Goldman Sachs und Morgan Stanley für das letzte Quartal 2025 Rekordgewinne gemeldet. Die beiden Marktführer im Investmentbanking krönten damit das beste Jahr in diesem Bereich seit 2021.
UBS will in den USA stärker wachsen
Bei der UBS ist derweil nicht mit einem Rekordgewinn zu rechnen, zu sehr drücken die Kosten der Integration der Credit Suisse noch auf das Ergebnis der Schweizer Grossbank. Aber die USA ist erwiesenermassen der Markt, wo das Institut grosse Wachstumschancen sieht. Die UBS hat aus diesem Grund ein Gesuch für eine «National Bank Charter», eine nationale Banklizenz, eingereicht und wie letzte Woche bekannt wurde, eine erste vorläufige Genehmigung erhalten; finews berichtete darüber.
Mit dem Fokus auf das Wealth Management wird es für die UBS in den USA allerdings nicht ganz einfach, wie auch die jüngsten Abschlüsse der US-Banken zeigen.
Deregulierungsagenda verspricht Boom für die Branche
Vier der fünf grossen US-Investmentbanken haben einen Anstieg der Quartalsgebühren aus Beratungsgeschäften gemeldet. Das hat den Optimismus der Banker bestärkt, dass die Deregulierungsagenda der Trump-Administration einen Boom für die Branche bringen wird.
Goldman Sachs verzeichnete einen Anstieg der Investmentbanking-Gebühren um 25 Prozent aufgrund einer Zunahme der Transaktionen. Wettbewerber Morgan Stanley meldete ein Plus der Investmentbanking-Erträge um 47 Prozent. Zuvor hatte auch Citigroup Rekorderträge aus M&A-Beratungsgeschäften gemeldet.
Grösster Auftragsbestand seit der Pandemie
Goldman-Sachs-Chef David Solomon verwies bei der Bilanzvorlage darauf, dass die Bank den grössten Auftragsbestand seit der Pandemie vorweisen könne, da Unternehmen versuchen würden, von den gelockerten US-Vorschriften zu profitieren.
«Ich glaube, CEOs und Vorstände sehen die Situation so: OK, wir haben hier ein Zeitfenster von ein paar Jahren, in dem es durchaus möglich ist, grosse, strategische, transformative Dinge in Betracht zu ziehen.»
Beschleunigung bei Fusionen und Übernahmen
«Wir beobachten eine Beschleunigung bei Fusionen und Übernahmen sowie Börsengängen», sagte Sharon Yeshaya, die CFO von Morgan Stanley. Die Bank erwartet weitere Transaktionen im Bereich Pharma und Industrie.
Goldman Sachs wies für das Quartal einen Nettogewinn von 4,6 Milliarden Dollar aus, was einem Anstieg von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bei Morgan Stanley stieg der Gewinn um 18 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar. Das verlieh auch den Aktienkursen der beiden Institute Rückenwind.
«Keine Zeit mehr zu verlieren»
Haupttreiber waren Investmentbanking und Aktienhandel. Morgan Stanley verzeichnete einen Anstieg der Provisionen aus Transaktionen um 45 Prozent und überholte damit seinen Konkurrenten J.P. Morgan Chase bei den Finanzberatungserlösen.
Laut Morgan-Stanley-CEO Ted Pick haben die amerikanischen Unternehmen ihre «festgefahrene Vorstandsmentalität» hinter sich gelassen. Die Unternehmensmanager seien angesichts sinkender Zinsen eher bereit, Kredite aufzunehmen und grosse Übernahmen zu tätigen. «Jetzt gibt es wirklich keine Zeit mehr zu verlieren», sagte er.
«2026 wird ein sehr, sehr gutes Jahr»
Pick dämpfte seinen Optimismus jedoch mit der Warnung, dass «die makroökonomischen Rahmenbedingungen kompliziert sind». Jetzt sei «nicht der richtige Zeitpunkt für übertriebene Erwartungen». Entsprechend zurückhaltend war die Bank bei den Erwartungen, und die mittelfristigen Finanzziele wurden beibehalten.
Goldman-Sachs-CEO David Solomon ist auch weiter positiv gestimmt. «Als jemand, der sich seit Jahrzehnten mit diesen Geschäften beschäftigt, würde ich wetten, dass 2021 nicht die Obergrenze ist», sagte er. «Die Welt ist derzeit so aufgestellt, dass sie 2026 für M&A- und Kapitalmarktaktivitäten unglaublich konstruktiv sein wird, und ich denke, das wahrscheinlichste Szenario ist, dass es ein sehr, sehr gutes Jahr wird.»
J.P. Morgan hatte als einzige Top-5-Bank im letzten Quartal 2025 einen Rückgang der Gebühren aus dem Investmentbanking verzeichnet, und zwar um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei der Bank of America stiegen die IB-Gebühren nur leicht um 1 Prozent.
Trading mit Rekordumsatz
Die Trading-Sparten der fünf führenden US-Banken erzielten 2025 einen Rekordumsatz von 60 Milliarden Dollar. Das war auf die hohe Aktivität der Investoren und Umschichtungen zwischen Sektoren und Regionen zurückzuführen. Die Aktienmärkte entwickelten sich stark, und einige Investoren zogen sich aus den USA zurück.
Goldman Sachs erzielte im letzten Quartal des Jahres einen Umsatz von 4,3 Milliarden Dollar aus dem Aktienhandel und übertraf damit Morgan Stanleys 3,7 Milliarden Dollar. Im Bereich Vermögensverwaltung, den die Banken ausgebaut haben, um ihren volatileren Investmentbanking- und Handelsgeschäften ein Gegengewicht zu verleihen, überstiegen die Kundenvermögen von Morgan Stanley im vierten Quartal erstmals 9 Billionen Dollar.
Assets under Management nehmen zu
Goldman Sachs hat sich dabei neue mittelfristige Ziele für sein Asset- und Vermögensmanagementgeschäft gesetzt, darunter das Ziel, bis 2030 alternative Vermögenswerte in Höhe von 750 Milliarden Dollar zu verwalten.
Der Vermögensverwaltungsriese Blackrock hatte die höchsten Quartalszuflüsse seiner Geschichte gemeldet und steigerte das verwaltete Vermögen erstmals auf über 14 Billionen Dollar.
Strukturelle Risiken
Einer der wenigen, der etwas Wasser in den Wein goss, war J.P. Morgan-Chef Jamie Dimon. Zwar beschrieb auch er die kurzfristigen wirtschaftlichen Aussichten als robust. Jenseits des aktuellen Konjunkturfensters sieht er jedoch erhebliche Risiken, auch geopolitische. «Sagen wir sechs Monate, neun Monate oder sogar ein Jahr, dann sind die Aussichten ziemlich positiv». Doch steigende Schulden, geopolitische Risiken und politische Bequemlichkeit könnten genau dann zuschlagen, wenn der Markt am wenigsten damit rechnet. Die aktuelle Lage dürfe nicht über strukturelle Risiken hinwegtäuschen.
«Die Defizite in den Vereinigten Staaten und weltweit sind ziemlich gross. Wir wissen nicht, wann sich das rächen wird. Irgendwann wird es sich rächen, denn man kann nicht einfach endlos weiter Geld leihen.»















