Fintech-Riese plant Expansion dank Schweiz Know-how
Der Schweizer Wealth-Management-Markt bleibt für internationale Technologieanbieter einer der anspruchsvollsten – und zugleich aber auch attraktivsten – Märkte Europas. Genau dort will der Finanzsoftware-Spezialist Infront mit seiner Tochter Assetmax weiter wachsen.
«Die Schweiz ist Teil unserer DNA», sagt CEO Enrique Sacau im Gespräch. Nach der Übernahme von Assetmax im Jahr 2022 habe sich das Geschäft in der Schweiz dynamisch entwickelt. Die Integration sei zwar anfänglich anspruchsvoll gewesen, doch inzwischen stehe das Unternehmen vor einer neuen Wachstumsphase.
«Letztlich ist die Regulierung unerbittlich.»
Fokus auf grosse Vermögensverwalter
Assetmax betreut heute rund 120 Vermögensverwalter in der Schweiz – insbesondere grössere unabhängige Asset Manager sowie Privatbanken. Der Fokus liege bewusst auf komplexen Mandaten und individualisierten Portfolios, erklärt das Management.
«Die Schweiz ist deutlich anspruchsvoller als viele andere europäische Märkte», sagt Sacau. Schweizer Kunden investierten wesentlich diversifizierter – von klassischen Aktien und Obligationen über Private Equity und Immobilien bis hin zu Kryptowährungen.
Gerade diese Komplexität spiele Assetmax in die Karten. Die Plattform sei darauf ausgelegt, regulatorische Anforderungen, Kostendruck und Wachstum gleichzeitig abzudecken.
Kunden vor der Härte der Regulierung schützen
Regulierung sei längst nicht mehr nur ein Kostenfaktor, sondern ein zentraler Wachstumstreiber für die Branche, sagt das Unternehmen. «Letztlich ist die Regulierung unerbittlich, und es ist Teil unserer Aufgabe, dafür zu sorgen, dass unsere Kunden das nie am eigenen Leib erfahren müssen.», sagt Assetmax-Gründer Massimo Ferrari mit Blick auf Compliance- und Reporting-Anforderungen.
Vor allem grenzüberschreitende Vermögensverwaltung stelle hohe Anforderungen an Software-Anbieter. Die Schweizer Regulierung orientiere sich dabei zunehmend an europäischen Standards wie MiFID.
Die erwartete MiFID-3-Regulierung werde zwar weniger einschneidend ausfallen als frühere Reformen, dennoch bleibe der Investitionsbedarf hoch.
Keine Stellenabbau-Pläne trotz KI
Trotz des zunehmenden Einsatzes von künstlicher Intelligenz plant Infront in der Schweiz keinen Stellenabbau. Im Gegenteil: Das Unternehmen will seine Präsenz in Zürich und Lugano weiter ausbauen.
Derzeit beschäftigt die Gruppe rund 50 Mitarbeitende in der Schweiz. KI werde primär als Produktivitätswerkzeug verstanden, um Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und nicht als Ersatz für Mitarbeitende.
Expansion mit Augenmass
Eine breit angelegte Europa-Expansion steht derzeit nicht im Vordergrund. Stattdessen verfolgt Infront eine regionale Strategie mit Fokus auf bestehende Kernmärkte.
«Wer die Komplexität der Schweiz beherrscht, kann sich auch international behaupten.»
«Wir wollen zuerst tiefer in unseren bestehenden Märkten wachsen», sagt Sacau. Dazu gehören insbesondere grössere Privatbanken, institutionelle Kunden sowie Pensionskassen in der Schweiz.
Parallel arbeitet Infront daran, die verschiedenen Geschäftsbereiche – Daten, Trading, Risikoanalyse und Portfolio-Management – stärker miteinander zu verzahnen. Daraus soll ein integriertes Ökosystem für Vermögensverwalter entstehen.
Konsolidierung dürfte zunehmen
Im fragmentierten Schweizer Wealth-Management-Markt erwartet das Unternehmen mittelfristig eine stärkere Konsolidierung. Zwar habe sich diese bislang langsamer entwickelt als vielfach prognostiziert. Doch steigender Kostendruck und technologische Anforderungen dürften kleinere Anbieter zunehmend unter Druck setzen.
Gerade deshalb sieht Infront weiteres Potenzial für spezialisierte Technologieplattformen wie Assetmax. «Wer die Komplexität der Schweiz beherrscht, kann sich auch international behaupten», sagt Ferrari.















