«Irgendwann kommt ein Unfall»

Von Max Fischer

Beherrschen Sie als Finanzmathematiker das 1x1 nicht, Herr Chesney? 

Worauf spielen Sie an?

Sie kritisieren das hohe Risiko für den Bund respektive die Steuerzahler in Zusammenhang mit der UBS. Dabei haben diese bei den Rettungsübungen für CS und UBS bisher nur gewonnen. 

Das höre ich oft. Aber schauen wir doch die Zahlen genau an.

Bei der CS-Übernahme 2023 stellt der Bund Garantien für bis zu 109 Milliarden Liquidität und erhielt Prämien von zirka 200 Millionen.

Diese Prämien entsprechen gerade mal einer Rendite von 0,2 Prozent. Das ist angesichts des enormen Risikos für den Steuerzahler viel zu wenig. Das ist keine faire Absicherung, sondern ein Billigkauf des Bundes. Die Steuerzahler tragen potenziell Milliardenverluste. Bei vergleichbaren Garantien – zum Beispiel bei Staatsanleihen mit hohem Risiko – liegen die Prämien bei 2 bis 5 Prozent. 

Auch die Schweizerische Nationalbank SNB gewann bei den CS-Darlehen, vor allem durch Zinsen, Risiko- und Bereitstellungsprämien. Es wurden sämtliche Hilfen vollständig zurückgezahlt. Unter dem Strich blieben der SNB 537 Millionen Franken aus diesen Operationen.

Ja, klar, bei einer vollständigen Rückzahlung eines Darlehens ist ein Gewinn durch Zinsen logisch. Aber angesichts der Systemrisiken, die die CS eingegangen ist, waren die Darlehen für die CS ausgesprochen günstig. 476 dieser 537 Millionen ergaben sich aus einer Notfall-Liquiditätshilfe, einem ELA-Darlehens über 50 Milliarden Franken. Für diese Emergency Liquidity Assistance zahlte die CS eine lächerliche Risikoprämie von 0,952 Prozent. 

Doch bei der UBS machten Bund und Nationalbank doch gross Kasse. Der Bund investierte 6 Milliarden Franken in Wandelanleihen und erzielte beim Ausstieg einen Gewinn von 1,2 Milliarden Franken. Die SNB übernahm toxische Aktive (StabFund) und realisierte Gewinne von rund 3 bis 6 Milliarden inklusive Zinsen. Das macht einen Gesamtgewinn von 5 bis 6 Milliarden.

Das war ein Glücksfall! Die amerikanische FED hat der SNB 2008 geholfen, ihre toxischen Papiere profitabel abzuwickeln, indem sie diese indirekt über Quantitative Easing revalorisiert hat. Das heisst: Die US-Notenbank kaufte 2008 im Zuge der Kriseninterventionen bestimmte US-hypothekenbesicherte Wertpapiere. Dadurch stabilisierten sich die Finanzmärkte und die Marktpreise einiger dieser Papiere stiegen wieder.

Die SNB und die UBS profitierten so indirekt vom Quantitative-Easing-Erfolg der FED. Wer garantiert, dass die SNB in einer allfälligen neuen UBS-Krise wieder von derartiger FED-Hilfe profitieren würde? Insbesondere, wenn in einer solchen Krise die amerikanischen Banken viel weniger stark betroffen wären?

Sie befürchten eine Wiederholung von Krisen wie bei CS und UBS?

Es sind alle Ingredienzien vorhanden. Gigantische Volumen von nebulösen Derivaten, riesige Schulden und überdimensionierte Boni. Irgendwann kommt ein Unfall – und wir Steuerzahler bezahlen. Als die Bank 2008 fast bankrott war, nahm sie Abschreibungen auf faule amerikanische Hypothekenpapiere von zirka 45 Milliarden Dollar vor. Und jetzt beschwert sich die UBS über zusätzliche 20 Milliarden Franken an zusätzlichen Eigenmitteln.