Vontobel steigert Halbjahresgewinn um 87 Prozent auf Rekordniveau
Der Zürcher Investment- und Vermögensverwalter Vontobel hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr 2026 um 87 Prozent auf 216 Millionen Franken gesteigert und damit einen neuen Höchstwert erreicht. Dies geht den am Freitag veröffentlichten Zahlen hervor.
Die Erträge erhöhten sich gegenüber der Vorjahresperiode um 24 Prozent auf 852 Millionen Franken, während sich der Geschäftsaufwand auf 579 Millionen Franken belief.
Damit verbesserte sich die Cost-Income-Ratio deutlich von 77,9 auf 67,9 Prozent. Vontobel liegt damit unter dem selbst gesetzten langfristigen Zielwert von 72 Prozent.
Auch die Eigenkapitalrendite legte kräftig zu: Sie stieg von 10,2 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 16,9 Prozent.
«Vontobel erzielte im ersten Halbjahr 2026 ein sehr starkes Ergebnis. Steigende Erträge, getrieben durch eine hohe Kundenaktivität, sowie eine tiefere Kostenbasis führten zu einem deutlichen Gewinnanstieg», erklärten die Co-CEOs Christel Rendu de Lint und Georg Schubiger.
Neugeld mit zwei Gesichtern
Die verwalteten Vermögen stiegen per Ende Juni um 5 Prozent auf 252,2 Milliarden Franken. Unter dem Strich flossen Vontobel 2,5 Milliarden Franken Nettoneugeld zu, nach 2 Milliarden Franken in der Vorjahresperiode.
Die ausgewiesene Neugeldentwicklung wurde allerdings durch zwei Sondereffekte geprägt: die bereits angekündigte Rückführung des Futura-Fondsmanagement-Mandats durch Raiffeisen in Höhe von 1,3 Milliarden Franken sowie Abflüsse von 2,5 Milliarden Franken aus den Quality-Growth-Strategien. Ohne diese Effekte belief sich das Nettoneugeld laut Vontobel auf 6,3 Milliarden Franken.
Letztere leiden unter der starken Präferenz der Anleger für KI-getriebene amerikanische Mega-Cap-Aktien.
Ohne diese beiden Effekte hätte Vontobel 6,3 Milliarden Franken Nettoneugeld verbucht.
Private Clients wachsen in allen Regionen
Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit vermögenden Privatkunden. Private Clients erzielte Nettoneugeldzuflüsse von 2,5 Milliarden Franken, was einer annualisierten Wachstumsrate von 4,1 Prozent entspricht. Nach Angaben des Unternehmens lieferten sämtliche Regionen positive Zuflüsse.
In den USA baut Vontobel seine Präsenz mit einem neuen Standort in Los Angeles aus. In Deutschland soll im Oktober eine Niederlassung in Düsseldorf eröffnet werden, die vermögende Privatkunden und Family Offices betreuen wird.
Auch das Geschäft mit strukturierten Produkten entwickelte sich stark. Die Nachfrage konzentrierte sich insbesondere auf Produkte mit Bezug zu Rohstoffen und US-Aktien.
Institutionelles Geschäft durch Sonderfaktoren belastet
Bei den institutionellen Kunden stiegen die verwalteten Vermögen auf 112,5 Milliarden Franken. Das ausgewiesene Nettoneugeld lag jedoch bei null.
Bereinigt um die Abflüsse im Zusammenhang mit Raiffeisen und den Quality-Growth-Strategien belief sich das Nettoneugeld in diesem Bereich auf 3,8 Milliarden Franken. Das entspricht laut Vontobel einem annualisierten Wachstum von 7,4 Prozent.
Besonders gefragt waren Fixed-Income-Produkte. Die entsprechenden Anlageboutiquen erzielten ein Nettoneugeldwachstum von 15 Prozent.
Sparprogramm schneller als geplant
Einen wesentlichen Beitrag zur höheren Profitabilität leistet das 100-Millionen-Franken-Effizienzprogramm. Dieses schreitet nach Angaben von Vontobel schneller voran als geplant und soll bereits bis Ende 2026 abgeschlossen werden.
Die Kombination aus steigenden Erträgen und einer niedrigeren Kostenbasis sorgt für einen ausgeprägten operativen Hebel: Die Cost-Income-Ratio liegt nun zehn Prozentpunkte unter dem Wert des ersten Halbjahres 2025.
Gleichzeitig investiert Vontobel weiter in Technologie und Wachstumsinitiativen. Die Integration von Quantitative Investments in die breitere Investmentorganisation wurde abgeschlossen, wobei quantitative Methoden und KI-Kompetenzen stärker in den einzelnen Anlageboutiquen verankert werden sollen.
Mit Vontobel Solutions hat das Unternehmen zudem eine neue Einheit geschaffen, die Kompetenzen in Portfoliokonstruktion, Anlagestrategie und Risikomanagement bündelt.
Neuer Finanzchef kommt im August
Gleichzeitig baut Vontobel seine Führungsspitze um. Antoine Boublil übernimmt im August 2026 die Position des Chief Financial Officer und wird Mitglied der Geschäftsleitung der Vontobel Holding.
Ebenfalls neu in die Geschäftsleitung einziehen sollen Gianpiero Galasso, Head Private Clients Europe & Middle East, Andrew Jackson, Head Investments, und Christoph von Reiche, Head Institutional Clients. Die Ernennungen stehen unter dem Vorbehalt der regulatorischen Genehmigungen.
Finanziell verfügt Vontobel über ein komfortables Polster. Die CET1-Kapitalquote stieg auf 23,2 Prozent. Damit liegt sie deutlich über den regulatorischen Anforderungen und den eigenen langfristigen Zielwerten.














