Leonteq-CEO: «In erster Linie hatten wir ein Wachstumsproblem»

Leonteq ist im ersten Halbjahr 2026 in die Gewinnzone zurückgekehrt; finews berichtete darüber. Mit einem Konzerngewinn von 12,7 Millionen Franken und einem RoTE von 4 Prozent bleibt die Profitabilität allerdings bescheiden. Ist Leonteq bereits wirklich im Turnaround – oder haben Sie zunächst nur die Verlustzone verlassen?

Ich sehe Leonteq als eine Transformations-Story. Unsere Halbjahreszahlen haben gezeigt, dass die vor einem Jahr eingeleitete Strategie zu greifen beginnt. 

Mit einer Eigenkapitalrendite von 4 Prozent geben wir uns natürlich nicht zufrieden. Es ist aber ein erster wichtiger Schritt in Richtung unseres Ziels von 10 Prozent für 2028.

Sie haben die Kostenbasis deutlich gesenkt. Gleichzeitig wollen sie nun wieder stärker wachsen und unter anderem den Vertrieb ausbauen. Wie verhindern sie, dass das angestrebte Wachstum die eben erreichten Kosteneinsparungen wieder aufzehrt?

Die Kostenbasis von Leonteq war in der jüngeren Vergangenheit zu hoch, aber in erster Linie hatte das Unternehmen ein Wachstumsproblem. Inzwischen sind viel versprechende Wachstumsinitiativen am Laufen, das Kundensentiment ist gut, und wir haben die Kostenbasis so weit als möglich reduziert. 

Der Ausbau des Vertriebs erfolgt sehr selektiv. Für das Gesamtjahr haben wir Kosten von 200 Millionen Franken veranschlagt. Das ist moderat tiefer als die Kosten im Jahr 2025 und deutlich niedriger als 2024. 

«Wir werden mit unserem Retail-Flow Geschäft nach Deutschland expandieren.»

Wir sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, auch wenn noch einiges zu tun ist, und konzentrieren uns weiterhin darauf, unsere strategischen Prioritäten diszipliniert und konsequent umzusetzen.

Leonteq spricht von einer «Resize, Optimise, Expand»-Strategie. Die Phase des «Resize» scheint weitgehend abgeschlossen zu sein. Wo werden Sie nun konkret investieren – und in welchen Bereichen soll Leonteq in den kommenden drei Jahren substanziell grösser werden?

Wir expandieren in Geschäftsfeldern, in denen Leonteq bereits eine führende Position einnimmt oder klare Erfolgsaussichten hat und überdurchschnittliche Margen erzielen kann. 

Konkret gehört dazu der Bereich der aktiv verwalteten Zertifikate (AMCs), welcher zusätzliche wiederkehrenden Einnahme generieren soll. 

Dann werden wir mit unserem Retail-Flow Geschäft nach Deutschland expandieren. Hier haben wir bereits einen erfolgreichen Start in der Schweiz hingelegt und innerhalb von 14 Monaten einen Marktanteil von 10 Prozent erreicht. 

Zudem möchten wir die Click’n’Trade-Funktionalität unserer digitaler Plattform, LYNQS, in weiteren Märkten ausrollen.

Besonders stark wächst Asien und Nahost: Der Kommissions- und Dienstleistungsertrag legte dort um 57 Prozent zu. Kann diese Region mittelfristig zu einem ähnlich wichtigen Ertragspfeiler werden wie die Schweiz oder Europa – und welche Märkte haben für Sie Priorität?

Unser Ziel ist es für 2028 einen Vorsteuergewinn von 60 bis 80 Millionen Schweizer Franken zu erzielen. Wir gehen davon aus, dass Asien und Nahost, unsere derzeit am stärksten wachsende Region, einen wichtigen Anteil liefern wird. 

Auch legen wir einen stärkeren Fokus auf institutionelle Kunden, die zunehmend massgeschneiderte Anlagelösungen nachfragen. Dieses Kundensegment ist angesichts der grösseren Transaktionsvolumina und des in vielen Fällen höheren Margenpotenzials besonders attraktiv. 

Um dieses Wachstum zu unterstützen, bauen wir unsere Vertriebskapazitäten in wichtigen Wachstumsregionen gezielt aus und verfeinern unsere Zielmarktstrategie weiter, wobei wir gleichzeitig unseren disziplinierten Kostenansatz beibehalten.

Der Verwaltungsrat stellt für 2026 eine Gesamtausschüttung in Höhe des Konzerngewinns in Aussicht. Ist das ein einmaliges Signal an die Aktionäre nach schwierigen Jahren – oder zeichnet sich hier eine neue langfristige Kapitalausschüttungspolitik ab?

Wir haben unsere Kapitalausschüttungspolitik bereits vor einem Jahr festgelegt und kommuniziert. Wir streben eine ordentliche Dividendenausschüttungsquote von rund 30 Prozent des jährlichen Konzerngewinns an. 

Darüber hinaus soll Überschusskapital in Form von Aktienrückkaufprogrammen an die Aktionäre zurückgeführt werden, sofern unsere CET1-Kapitalquote deutlich und auf nachhaltiger Basis über 15 Prozent liegt.

«Aus unserer Sicht sind die wichtigsten Kennzahlen für unsere Transformation das Gesamtgeschäftsvolumen und die Kommissionerträge. »

Mit unserer Kommunikation im Zusammenhang mit den Halbjahresresultaten hat der Verwaltungsrat zusätzlich Transparenz geschaffen, was dies punkto Gesamtausschüttung für das Jahr 2026 bedeutet. 

Wenn wir in einem Jahr wieder über die Halbjahreszahlen sprechen: An welcher Kennzahl sollen Investoren erkennen können, dass Leonteq den Turnaround nicht nur geschafft hat, sondern wieder auf einem nachhaltigen Wachstumspfad ist?

Aus unserer Sicht sind die wichtigsten Kennzahlen für unsere Transformation das Gesamtgeschäftsvolumen und die Kommissionerträge. 

Unser Geschäft weist eine relativ hohe Fixkostenbasis auf, profitiert jedoch von einer hoch skalierbaren Plattform mit niedrigen Grenzkosten. Das sollte sich dann bei konsequenter Umsetzung unserer Strategie in einer verbesserten Profitabilität und einer höheren Eigenkapitalrendite niederschlagen.