Die UBS schlägt ein neues Kapitel auf

Ein Vorsteuergewinn von 3,6 Milliarden Dollar im zweiten Quartal 2026 und ein Reingewinn von 2,8 Milliarden Dollar. Für das erste Halbjahr bedeutet dies einen Vorsteuergewinn von 7,4 Milliarden Dollar und einen Reingewinn von 5,8 Milliarden Dollar. Zur Erinnerung: Die letzte verbliebene Schweizer Grossbank hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem Reingewinn von 7,8 Milliarden Dollar abgeschlossen. 

Soweit die Kennzahlen. 

Beeindruckend ist noch eine andere Geschichte: Die Führungsspitze der UBS richtet den Fokus neu aus. 

Integration ist bald Geschichte

In den vergangenen fast drei Jahren stand bei der UBS nur eine Frage im Raum: Schafft es die letzte verbliebene Schweizer Grossbank, ihre einstige Mitbewerberin, die Credit Suisse, erfolgreich zu integrieren?

Die Halbjahreszahlen liefern darauf eine klare Antwort.

Synergien gehoben

Mit 12,6 Milliarden Dollar an realisierten Bruttoeinsparungen sind rund 90 Prozent der geplanten Synergien bereits erreicht. Die Datenmigration der Schweizer Kunden wurde im Frühjahr abgeschlossen, mehr als 90 Prozent der alten IT-Anwendungen werden nicht mehr genutzt, rund 70 Prozent wurden bereits vollständig ausser Betrieb gesetzt.

Das ist mehr als eine operative Erfolgsmeldung.

Die Grossbank hat damit einen Punkt erreicht, an dem die Integration nicht länger das dominierende Managementthema ist. Aus einer jahrelangen Restrukturierung wird zunehmend wieder ein normales Bankgeschäft.

Beispiellose Arbeit

So selbstverständlich dies ist nicht. Es handelt es sich um einen der grössten und vor allem komplexesten Integrationsprozesse in der Bankengeschichte. Nicht nur in der Schweiz rümpfte der eine und andere angesichts der Herausforderungen die Nase. Mehr als einmal wurde die UBS-Spitze gefragt: «Seid ihr euch sicher? Wie wollt ihr dies bewältigen?» Das Schadenspotenzial eines Scheiterns war gross – dies geht in der Diskussion rund um die UBS zu oft vergessen. 

Der Pokal, den es sich laut Group-CEO Sergio Ermotti in den vergangenen Jahren zu verdienen galt, ist der UBS sicher. 

Mehr als nur Wealth Management

Nun schlägt die UBS also ein neues Kapital. auf.

Die Schweizer Grossbank gilt als Synonym für Vermögensverwaltung.

Dies ist nicht falsch. Dies zeigt sich auch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Im Global Wealth Management flossen im zweiten Quartal 36 Milliarden Dollar an Neugeldern zu. Die verwalteten Vermögen stiegen auf den Rekordwert von 7,3 Billionen Dollar.

Robusteres Geschäftsmodell

Bemerkenswert ist jedoch, dass die positive Entwicklung diesmal nicht allein auf das Wealth Management zurückzuführen ist.

Praktisch alle Divisionen steuerten zum Erfolg bei: Bemerkenswert ist insbesondere auch das Investment Banking, das von der hohen Marktaktivität profitierte und damit unterstrich, dass die Grossbank heute auf mehreren Ertragspfeilern steht. Das macht das Geschäftsmodell robuster als noch vor wenigen Jahren.

Ein Signal an die Politik

Fast zeitgleich mit den Quartalszahlen kündigte die UBS ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 3 Milliarden Dollar an.

Der Schritt richtet sich nicht nur an die Aktionäre.

Er fällt mitten in die politische Debatte um strengere Eigenkapitalvorschriften für systemrelevante Banken. Indem die UBS gleichzeitig Milliarden an Kapital ausschüttet und betont, ihre Renditeziele für 2026 übertreffen zu wollen, sendet sie ein klares Signal: Die Bank sieht sich finanziell stark genug, um sowohl regulatorische Herausforderungen zu bewältigen als auch weiteres Wachstum zu finanzieren.

Die nächste Bewährungsprobe steht bevor

Damit verändert sich auch die Wahrnehmung der UBS.

In den vergangenen Jahren wurde sie daran gemessen, ob die Credit-Suisse-Übernahme gelingt. Diese Frage verliert nun zunehmend an Bedeutung. Künftig wird die Grossbank daran gemessen werden, ob sie aus der Übernahme nachhaltiges Wachstum erzielen kann.

Die Integration war die Pflicht. Jetzt beginnt für Sergio Ermotti & Co. die Kür.