World Gold Council berichtet mit einer kräftigen Prise Zweckoptimismus

Es gehört definitiv ins Kapitel Understatement: «Der Goldpreis gab gegenüber den Rekordhochs zu Jahresbeginn 2026 im zweiten Quartal leicht nach», leitet die Lobbyorganisation der Goldindustrie, der World Gold Council (WGC), ihre patenterweise auch auf Deutsch verfasste Medienmitteilung zum periodischen Bericht «Gold Demand Trends» ein.

Tatsächlich hat das gelbe Metall seit dem Allzeithoch deutlich eingebüsst, von über 5'250 Dollar pro Unze auf aktuell rund 4'000 Dollar. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich der Unzenpreis vor zwei Jahren noch unter 2'500 Dollar bewegte und eine Kurskorrektur nach der mehrjährigen Hausse fällig war.

Goldnachfrage in Tonnen nimmt im ersten Halbjahr nur leicht zu

Gemäss dem WGC-Bericht ist weltweite Goldnachfrage im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich unverändert bei 1'269 Tonnen geblieben, womit sich für das erste Halbjahr ein Anstieg von 2 Prozent auf geschätzte 2'522 Tonnen im Wert von 380 Milliarden Dollar ergibt.

Der WGC unterscheidet auf der Nachfrageseite jeweils zwischen Anlegern, Schmuckindustrie und Zentralbanken.

Rückschlag im zweiten Quartal

Die Investitionen in Exchange Traded Funds (ETF) auf Gold (ein weltweit und auch hierzulande beliebtes Gefäss für nicht physische Goldinvestments), Barren und Münzen fielen demnach im zweiten Quartal auf 262 Tonnen. Das entspricht einem markanten Rückgang von 46 Prozent (was der WGC in der Mitteilung nicht verbalisiert). Aus ETF flossen 45 Tonnen Gold ab. Für das erste Halbjahr bleibt damit dank der starken Vorlage im ersten Quartal noch ein kleines Plus von 18 Tonnen übrig. Ähnlich sieht es bei den Barren und Münzen aus, mit einem Minus von 3 Prozent im zweiten Quartal und einem Plus von 21 Prozent im ersten Halbjahr.

Die gemäss WCG immer noch hohen Preise dämpften die Nachfrage der Schmuckindustrie im zweiten Quartal, die um 17 Prozent zurückging. Nach dem bereits schwachen ersten Quartal resultiert für das erste Semester mengenmässig ein deutliches Minus. Wertmässig allerdings reicht es für ein Plus von 22 Prozent auf 86 Milliarden Dollar, weil der Goldpreis im ersten Halbjahr 2025 tiefer war.

WCG Zentralbanken Grafik

Eine Stütze des Marktes: Zentralbanken kaufen seit Jahren netto Gold dazu. (Grafik: WGC)

Dagegen betrachteten die Zentralbanken (und andere staatliche Institutionen) die Korrektur offenbar als Kaufgelegenheit und erwarben von April bis Juni netto 289 Tonnen Gold dazu (+62 Prozent). Im ersten Quartal hatte sich diese Käufergruppe allerdings wohl unter dem Eindruck des Rekordpreises zurückgehalten, so dass das erste Halbjahr unter der Vorperiode liegt.

Der WCG tröstet sich mit dem Hinweis auf sein «Central Bank Gold Reserves Survey». Diese Erhebung habe ergeben, «dass 45 Prozent der Befragten beabsichtigen, ihre eigenen Goldreserven in den nächsten 12 Monaten aufzustocken, was die anhaltende Bedeutung von Gold für offizielle Reserven unterstreicht».

Minenproduktion steigt, Recycling schwächelt

Die Lobbyorganisation hat auch das Angebot unter die Lupe genommen. Es betrug im zweiten Quartal wie die Nachfrage 1'269 Tonnen, praktisch unverändert zum Vorjahr. Gestiegen ist die Minenproduktion (+2 Prozent auf 996 Tonnen), dagegen ging das Recycling um 6 Prozent zurück.

Louise Street, die leitende Analystin beim WCG, fasst die Ergebnisse folgendermassen zusammen, garniert mit einer kräftigen Prise Zweckoptimismus: «Die Goldrally zu Jahresbeginn kehrte sich im zweiten Quartal um, wobei sich die Preise nach der Korrektur von Rekordhochs konsolidierten. Der Markt blieb jedoch gut unterstützt, was die etablierte Rolle von Gold als Diversifikator und Wertspeicher widerspiegelt.Während die Gold-ETF-Zuflüsse im Einklang mit den Preisen zurückgingen, trugen anhaltende Zentralbankkäufe und das Wachstum der OTC-Investitionen dazu bei, dass die weltweite Goldnachfrage im ersten Halbjahr um zwei Prozent zulegte.»

WCG Goldnachfrage Region Grafik

Asiaten lieben Gold, nicht mehr nur als Schmuck, sondern vermehrt auch als Barren und Münzen. (Grafik: WGC)

Die Nachfrage aus dem OTC-Markt (Over-the-Counter) hat um 91 Prozent auf 171 Tonnen zugelegt. Es handelt sich dabei gemäss WCG um nicht direkt sichtbare Elemente der Nachfrage, die auch statistische Restwerte umfassen (und damit Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen). Ein Indikator dafür ist die Positionierung spekulativer Investoren im Gold-Futures-Handel in den USA. Der WCG beruft sich zudem auf Meldungen, wonach sich OTC-Käufe auf den asiatischen Markt konzentriert haben und deutet dies als Hinweis für die wachsende Bedeutung der Investoren aus dieser Region.  

Der WCG gibt zudem einen Marktausblick für das zweite Halbjahr ab. Die Nachfrage der Anleger dürfte demnach kräftig bleiben, wobei OTC-Aktivitäten und asiatische Investoren eine prominentere Rolle spielen könnten. Für die Entwicklung der Gold-ETF aus den USA und Europa werden die Realrenditen, die US-Geldpolitik und der Dollar prägend sein. Die Schmucknachfrage dürfte weiterhin unter den hohen Preisen leiden.