Angebot für Commerzbank fällt beim deutschen Staat durch

Der deutsche Staat hat der laufenden Übernahmeofferte der italienischen Unicredit für die Commerzbank eine Absage erteilt. «Der interministerielle Lenkungsausschuss, der für die Beschlussfassungen im Rahmen der durch den Finanzmarktstabilisierungsfonds eingegangenen Beteiligungen zuständig ist, hat das vorliegende Angebot der UniCredit S.p.A. zum Tausch von Aktien der Commerzbank AG abgelehnt», heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag.

«Eine Annahme des Angebots kam bereits wirtschaftlich nicht infrage, da das Übernahmeangebot keine angemessene Prämie auf den aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie enthält», schreibt die Behörde mit Sitz in Frankfurt weiter.

Der deutsche Staat ist zweitgrösster Aktionär der Commerzbank und hält rund 12 Prozent der Anteile. Im September 2024 war der Unicredit beim Einstieg bei der Commerzbank ein Coup gelungen, als der italienische Finanzkonzern einen Anteil von 4,49 Prozent als Paket aus Staatsbesitz erworben hatte. Der Preis belief sich auf 702 Millionen Euro oder 13.20 Euro je Aktie. Aktuell notieren die Commerzbank-Aktien bei rund 36.60 Euro.

Paket-Verkauf im September 2024

Mit dem Verkauf eines grossen Pakets an einen einzigen Bieter hatte das deutsche Finanzministeriumim September 2024, damals unter Führung des FDP-Chefs Christian Linder, den Unicredit-Avancen den Weg geebnet. Heute hört sich das ganz anders an.

Man unterstütze die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank und lehne «das aggressive Vorgehen» der Unicredit ab. «Die Commerzbank AG spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands», hiess es. «Sie ist als bedeutender Arbeitgeber zudem zentral für den Finanzstandort Frankfurt. Beides gilt es auch in Zukunft sicherzustellen.»

Die Unicredit hat im Mai eine freiwillige Offerte für die Commerzbank vorgelegt und bietet 0,485 eigene Papiere je Commerzbank-Aktie. Bisher seien rund 11 Prozent aller Commerzbank-Aktien angedient worden, hiess es zuletzt. Damit würde der Anteil der Unicredit rechnerisch auf rund 38 Prozent steigen. Über Kaufoptionen habe man sich weitere mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert. Die Angebotsfrist läuft bis heute, soll aber bis zum 3. Juli verlängert werden.