Das Hotel, wo Mailand am schönsten glänzt

Die Tore öffnen sich, und Mailand verstummt. Wer im Portrait Milano vorfährt — in unserem Fall stilecht in einem Maserati GranCabrio —, rollt durch jahrhundertealte Portale direkt auf einen weitläufigen Kreuzgang.

Eben noch das dichte Treiben des Corso Venezia, jetzt: Stille, Proportion, ein Innenhof, der die Stadt auf nahe Distanz hält.

Triple-A-Lage

Die Adresse gehört zu den edelsten Mailands, eingebettet zwischen Corso Venezia und Via della Spiga. Dort also, wo das Quadrilatero della Moda am hellsten pulsiert.

Das Ensemble mit seinem weitläufigen Innenhof («chiostro») diente über vier Jahrhunderte als erzbischöfliches Priesterseminar, gegründet 1564 im Geist der Gegenreformation.

Klösterliche Essenz, weltliche Freuden

Eine gewisse klösterliche Essenz ist geblieben — in den Proportionen, in der kontemplativen Grundstimmung des Hauses, in der Anordnung der Zimmer entlang des Kreuzgangs. Nur wurde sie ins Weltliche übersetzt: in einen zeitgenössischen, unaufdringlichen Luxus.

Ein besonders schönes Bordeauxrot zieht sich stilbildend durch die ganze Liegenschaft; es ist die Farbe, die man mitnimmt, wenn man später an das Haus zurückdenkt.

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Drinks in historischen Gemäuern. (Bild: Portrait Milano)

Check-In auf der Couch

Einmal Angekommen, steht man nicht an: Der Empfang findet an einem gemütlichen Lobbytisch statt, zwischen sorgsam drappierten  Kunstbänden, die den kontemplativen Charakter des Ortes fortschreiben.

Hinter dem Haus steht die Familie Ferragamo — und ein Mann, der ihre Werte in Gastfreundschaft übersetzt. Valeriano Antonioli, seit 2010 CEO der familieneigenen Lungarno Collection, hat die Marke Portrait im Jahr 2012 selbst aus der Taufe gehoben; das Portrait Milano (erst Ende 2022 eröffnet) ist eines von nur drei Häusern. Weitere befinden sich in Florenz und in Rom. Präsident der Gruppe ist Leonardo Ferragamo, der für die Realisierung des Hotels auf den Innenarchitekten Michele Bönan setzte. 

Hausbar der Superlative

Auf dem Zimmer die nächste Entdeckung: die Hausbar. Kein Kühlschrank mit traurigen Fläschchen, sondern eine veritable kleine Bar — Martinigläser und Shaker auf Marmor, Wermut von Carpano, ausgesuchte Weine, Snacks in Einmachgläsern, dazu das Werkzeug, um aus alledem etwas Überzeugendes zu machen.

Und dann jenes Detail, das wir noch nirgends gesehen hatten: Das Toilettenpapier, per se ein ästhetisches Ärgernis für jeden Innenarchitekten, liegt hinter einer metallenen Blende, bündig in die Wand eingelassen. Dieses Haus bringt offensichtlich alles Unschöne zum Verschwinden.

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Pool im Spa des Potrait Milano. (Bild: Portrait Milano)

Aperitivo im Garten

Zum Aperitivo, diesem schönsten aller italienischen Verpflegungs-Bräuche, zieht es uns hinunter in die Giardino Bar, ein lauschiges Eck im Kreuzgang. Die Weinauswahl ist toll, die Snacks sind verführerisch, das Publikum ein Schauspiel für sich: Uns erfreut die hohe Dichte an fashion-affinen Gästen, blendend aussehende Damen und Herren, dazwischen der Duft einer Zigarre, die man hier tatsächlich rauchen darf. Auch das Innere der Bar überzeugt: prunkvoll und zugleich sehr einladend, eine Kombination, die selten gelingt.

Gegessen wird im 10_11 — gesprochen «Ten Eleven». Der Name ist Topografie: Er verweist auf die beiden Hausnummern des Anwesens, Via Sant'Andrea 10 und Corso Venezia 11, den intimen und den weltzugewandten Eingang des Gebäudekomplexes.

Eine Reise wert

Gekocht wird hervorragend italienisch: das Risotto alla Milanese als Primo an diesem Ort beinahe Pflicht, ebenso wie die Pasta in Bianco aus dem Parmesanlaib. Die Dorade in der Salzkruste als Secondo erweist sich als tadellose, sichere Bank. Die Weinkarte ist ein Kapitel für sich: Wer sich Zeit nimmt, der wird belohnt.

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Signature Dish: Pasta in Bianco im Ristorante 10_11. (Bild: Portrait Milano)

Das Portrait Hotel definiert die Kategorie des historisch inspirierten Stadthotels mit dem ästhetischen Anspruch eines Modeschöpfers. Aus dieser Kombination ist an diesem Ort etwas einmaliges entstanden.

Wen es demnächst beruflich oder privat nach Mailand führt, der kennt nun seine Adresse. Und alle anderen haben soeben einen Grund gefunden, wieder einmal hinzufahren.