Pensionskassen: Weshalb Aktien die wichtigste Renditequelle bleiben
Die Schweizer Pensionskassen können auf drei starke Jahre zurückblicken. Nach Einschätzung von Pictet Asset Management präsentiert sich die finanzielle Verfassung vieler Vorsorgeeinrichtungen derzeit robust. Der durchschnittliche Deckungsgrad sei laut jüngsten Schätzungen von 114 Prozent im Jahr 2024 auf rund 117 Prozent im Jahr 2025 gestiegen.
«Die Ausgangslage ist heute deutlich robuster als noch vor einigen Jahren», sagt Viviane Sorg, Head Institutional Market Switzerland bei Pictet Asset Management, im Gespräch mit finews. Höhere Deckungsgrade würden den Pensionskassen erlauben, gezielt Risiken einzugehen, um die langfristig notwendigen Renditen zu erzielen.
«Gleichzeitig muss man das sich schnell verändernde Umfeld im Auge behalten», denn das Marktumfeld bleibe volatil und Deckungsgrade können je nach Marktentwicklung variieren.
Aktien bleiben der Rendite-Motor
Besonders deutlich fällt die Einschätzung von Pictet bei den langfristigen Rendite-Aussichten aus. Gemäss dem aktuellen «Secular Outlook» des Hauses bleiben Aktien neben Private Equity und European Real Estate auf Sicht von zehn Jahren die attraktivste Anlageklasse für Schweizer Investoren. Die erwarteten jährlichen Renditen bewegen sich je nach Marktsegment zwischen rund 4 und knapp 7 Prozent in Schweizer Franken.
«Wenn wir auf die nächsten zehn Jahre blicken, erwarten wir bei Aktien unter den liquiden Anlagen die höchsten Renditen», sagt Sorg. «Das gilt insbesondere im Vergleich zu den meisten festverzinslichen Anlagen.»
Dies bedeute nicht, dass Pensionskassen ihre Aktienquoten laufend erhöhen müssten. Vielmehr gehe es darum, langfristig investiert zu bleiben und nicht aufgrund kurzfristiger Marktschwankungen strategische Entscheide zu fällen.
Schweizer Pensionskassen mit hohem Home Bias
Einen kritischen Punkt sieht die Expertin bei der geografischen Diversifikation. Im internationalen Vergleich weisen Schweizer Pensionskassen einen vergleichbar hohen Heimmarkt-Anteil auf. Der Hauptgrund dafür sind die traditionell hohen Allokationen in Schweizer Immobilien, die häufig zwischen 25 und 30 Prozent liegen. Zusammen mit Schweizer Aktien und Obligationen könne die Inlandquote vieler Vorsorgeeinrichtungen rasch gegen 50 Prozent steigen.
«Historisch hat diese Allokation sehr gut funktioniert», sagt Sorg. «Es sollte jedoch regelmässig überprüft werden, ob die historisch geprägten Allokationen weiterhin zum heutigen Umfeld passen.»
«Wir sehen keine generelle Abkehr von Private Markets. Was wir beobachten, ist eine stärkere Selektion.»
Für die Rendite- und Risikosteuerung sei eine internationale Diversifikation heute unverzichtbar: «Ziel eines diversifizierten Portfolios ist ein robuster Mix aus heimischer Verankerung und internationaler Ertragskraft, sowohl im Obligationen, Aktien- und auch im Real-Asset Bereich.» Auch eine Beimischung von Private Markets Investments mache je nach Liquiditätsbedarf Sinn.
«Gleichzeitig zwingen Deglobalisierung, geopolitische Spannungen und die Fragmentierung der Kapitalmärkte institutionelle Anleger laufend, ihre Diversifikationsannahmen zu hinterfragen und regionale Allokationen stärker qualitativ zu begründen», meint Sorg.
Keine Abkehr von Private Markets
Trotz der jüngsten Diskussionen rund um Liquiditätsprobleme bei einzelnen Private-Credit- und Private-Equity-Produkten sieht Pictet keinen grundlegenden Stimmungsumschwung bei institutionellen Anlegern.
Im Durchschnitt machen alternative Anlagen bei Schweizer Pensionskassen heute etwas mehr als 10 Prozent der Vermögens-Allokation aus. Darin enthalten sind Private Equity, Private Debt, Infrastruktur, Hedgefonds und Rohstoffe. Private Equity und Infrastruktur machen dabei je 2,5 Prozent aus, Private Debt 1,5 Prozent –, im internationalen Vergleich sind dies tiefe Werte.
«Wir sehen keine generelle Abkehr von Private Markets», sagt Sorg. «Was wir beobachten, ist eine stärkere Selektion.»
Investoren würden heute genauer prüfen, ob die gewählte Struktur, der Manager und die Liquiditätsprofile tatsächlich zu ihren Verpflichtungen passen. Insbesondere gewisse Evergreen-Konzepte würden kritischer hinterfragt.
Alain Gallati, Market Head German Speaking Switzerland bei Pictet Asset Services verweist darauf, dass die Allokationen in Private Equity und Infrastruktur über Jahre hinweg kontinuierlich gestiegen seien. Gerade Infrastrukturinvestitionen hätten zusätzlich von den regulatorischen Anpassungen im BVG profitiert.
Private Equity vs Venture Capital für Vorsorgegelder
Private Equity-Investitionen gewinnen als Portfoliobeimischung für Pensionskassen zunehmend an Bedeutung. Direkte Investitionen in Venture Capital (VC) beziehungsweise Start-ups sind hingegen nach wie vor selten. «Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die meisten Pensionskassen auf der Anlageseite sehr schlank aufgestellt sind und nicht über die entsprechenden personellen und fachlichen Ressourcen verfügen, dieses Feld aktiv zu bearbeiten», meint Gallati.
«Die jüngste Diskussion, inwieweit Vorsorgegelder für Investitionen in Startups benutzt werden sollten, zeigt, dass bei den Pensionskassen ein gezielter Aufbau des Know-Hows – verbunden mit entsprechenden Investitionen in Personal und Expertise – erforderlich ist», sagt Gallati.
Kostendruck im Custody-Geschäft nimmt weiter zu
Neben dem Asset Management betreut Pictet zahlreiche Schweizer Pensionskassen auch als Global Custodian.
Während sich die grundlegenden Anforderungen der Kunden in den vergangenen Jahren kaum verändert hätten, nehme der Druck auf Preise und Effizienz kontinuierlich zu.
«Mit Künstlicher Intelligenz können wir Reporting-Prozesse beschleunigen und gleichzeitig die Qualität erhöhen.»
«Das Geschäft ist heute deutlich stärker von Preisdruck geprägt», sagt Gallati. Gleichzeitig würden die technologischen Anforderungen laufend steigen.
Gefragt seien zunehmend modulare Reporting-Lösungen sowie individuell zugeschnittene Daten- und Informationsservices. Künstliche Intelligenz spiele dabei eine immer wichtigere Rolle.
«Mit Künstlicher Intelligenz können wir Reporting-Prozesse beschleunigen und gleichzeitig die Qualität erhöhen», erklärt Gallati.
Tokenisierung rückt näher
Auch bei der Digitalisierung von Finanzanlagen sieht Pictet weiteres Potenzial. Gemeinsam mit SIX hat das Unternehmen bereits einen Pilotversuch zur Tokenisierung und Fraktionierung von Anleihen erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurden Unternehmensanleihen auf der SDX-Plattform tokenisiert und in Bruchteilen einzelnen Portfolios zugeordnet. Dies soll künftig eine deutlich flexiblere Portfoliokonstruktion ermöglichen.
Die Technologie befinde sich zwar noch in einer frühen Phase, doch Gallati und Sorg sehen darin einen langfristigen Trend. Besonders interessant seien Anwendungen bei Fonds und Geldmarktanlagen.
Service bleibt entscheidender Wettbewerbsvorteil
Trotz Digitalisierung, Automatisierung und KI bleibt für Pictet ein Faktor zentral: die persönliche Betreuung.
«Wenn die Preisunterschiede nur noch marginal sind, entscheidet oft die Qualität der Beziehung», sagt Gallati.
Gerade im Schweizer Pensionskassenmarkt, der von langfristigen Partnerschaften geprägt sei, bleibe der persönliche Service ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Für Pictet steht deshalb fest, dass man die Position im institutionellen Geschäft weiter ausbauen will.
«Wir wollen im Schweizer Pensionskassenmarkt wachsen und eine echte Alternative bieten», sagt Gallati. «Das ist für uns ein strategisch wichtiger Markt.»














