Warum Indien in der Anlagewelt mehr Aufmerksamkeit verdient
Indien ist auf Aufholjagd. Das Land zählt bereits zu den fünf grössten Volkswirtschaften der Welt, die Wachstumsraten sind eindrücklich. Und das Potenzial bleibt gross. Denn mit 1,4 Milliarden Einwohner hat die grösste Demokratie der Welt in der Pro-Kopf-Betrachtung weiterhin enormen Aufholbedarf.
Indien zählt allerdings nicht zu den Regionen, die für das Gros der Schweizer Investoren eine hohe Priorität haben. Wer dort investiert, tut dies oft über seine Emerging-Markets-Quote, wobei immerhin 20 Prozent des MSCI EM auf Aktien indischer Unternehmen entfallen.
Ein Nebenschauplatz
Was spricht dafür, sich intensiver mit diesem bisherigen «Nebenschauplatz» auseinanderzusetzen? Welche Punkte müssen Investoren beachten? Was bringt das am 1. Oktober 2025 in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen der Efta (und damit auch der Schweiz) und Indien?
(Bilder: Mischa Vasylyev)
Um auf solche Fragen kompetente Antworten zu erhalten, hatten die auf Anlagemöglichkeiten in Indien spezialisierten Private-Equity-Gesellschaft Rootbridge und finews am Donnerstagabend (und damit in der Woche des indischen Nationalfeiertags «Republic Day» vom 26. Januar) zu einer Veranstaltung ins Zunfthaus zur Saffran in Zürich geladen. Und das Interesse für das Thema ist – gemessen am Publikum, das Dominik Buholzer, Chefredaktor von finews, begrüssen durfte – auch hierzulande durchaus rege.
Über die Kultur und Kommunikation zum Vertrauen
Auf dem von finews-Publishing-Director Florian Schwab umsichtig moderierten Podium waren vier Persönlichkeiten mit geballter und zugleich vielfältiger Indien-Kompetenz vertreten, wobei auch die Schweizer Anlageperspektive nicht zu kurz kam.
Suki Dusanj-Lenz, Gründerin und CEO von Once Upon a Media, betätigt sich seit Jahrzehnten als Brückenbauerin und Netzwerkerin zwischen den Unternehmen in Europa und Indien. Sie rief dazu auf, sich bei Investitionen in Indien auch mit den Unterschieden in der Kultur und der Kommunikation zu beschäftigen und dies als Bereicherung zu betrachten. «Nur so kann das für Geschäftsbeziehungen unentbehrliche Vertrauen aufgebaut werden.»

Von links: Florian Schwab, Reto Cueni, Ajay P. Singh, Suku Dusanj-Lenz, Nayan Srivastava. (Bild: Mischa Vasylyev)
Mit den Gesetzmässigkeiten der Schweizer Vermögensverwaltung bestens vertraut ist Reto Cueni – lange in führenden Positionen als Ökonom bei Vontobel und seit 2025 als Chefökonom bei der Bank Syz tätig. Er machte darauf aufmerksam, dass Indien gegenüber dem in der Anlagewelt deutlich stärker beachteten China vorab aus demografischen Gründen laufend an Boden gutmacht, hielt aber auch fest, dass die Wirtschaft immer noch sehr binnenorientiert ist.
Ebenfalls auf dem Podium vertreten waren die beiden Gründer von Rootbridge Capital, Ajay P. Singh and Nayan Srivastava, die sich seit 2009 gemeinsam Private-Equity-Anlagen in Indien widmen. Singh warb dafür, die westliche Anlage-Professionalität dafür einzusetzen, das Potenzial der unzähligen kleineren und mittleren Unternehmen Indiens (viele davon familiengeführt) zu entwickeln und damit zur Entfaltung zu bringen.
Dass es heute einiges braucht, um Schweizer Investoren von Anlagen in Indien zu überzeugen, bestätigten sowohl Singh als auch Srivastava. Dieser sprach von einem «uphill battle», den er Tag für Tag auszufechten hat, hält Indien aber für einen unverzichtbaren Baustein in jedem Portfolio.
Lücke im Corporate-Finance-Banking?
Auch für den Schweizer Finanzplatz aufschlussreich war in der intensiv genutzten Publikumsrunde die Bemerkung eines Teilnehmers, dass es in Indien nach dem Ausscheiden der Credit Suisse für Unternehmen keine Schweizer Geschäftsbank mehr gebe und auch umgekehrt keine indische Geschäftsbank in der Schweiz.
Beim Apéro bot sich die Gelegenheit, weiter über Potenzial und Opportunitäten des Anlagelands Indien zu diskutieren, aber auch über allfällige Stolpersteine, die es zu vermeiden gilt.















