Saudi-Arabiens Charmeoffensive

Im WEF-Panel «Die saudi-arabische Wirtschaft auf dem Prüfstand» betonte Faisal F. Alibrahim, Minister für Wirtschaft und Planung, wie die tiefgreifenden Strukturreformen im Rahmen der Vision 2030 die wirtschaftlichen Grundlagen des Landes nachhaltig verändert haben. Stabilität sei dabei zum zentralen Wettbewerbsvorteil Saudi-Arabiens geworden. Der Regierungsplan Vision 2030 hat das Ziel, den Ölstaat in eine breit aufgestellte Volkswirtschaft umzuwandeln, basierend auf Handel, Produktion, Hitech der vierten industriellen Revolution, Tourismus und Bildung.  

«Stabilität ist nichts, was man kaufen kann, man muss sie aufbauen», sagte Alibrahim. Eine disziplinierte Wirtschaftspolitik habe ein berechenbares Umfeld geschaffen, in dem Unternehmen langfristig planen könnten. Als Beleg verwies er auf die Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen: Während die globalen FDI-Zuflüsse 2024 um 11 Prozent zurückgingen, stiegen sie im Königreich um 24 Prozent – ein Zeichen für «wachsendes Vertrauen und für die Qualität der Investitionen», so der Minister.

Versuch um Schadensbegrenzung

Die Charme-Offensive in Davos ist offenbar der Versuch, den Ölstaat vor der Crème der globalen Wirtschaftsführer wieder in ein besseres Licht zu rücken. Unabhängige Medien- und Branchenberichte hatten Mitte letzten Jahres berichtet, dass die ursprünglich ambitionierten Ziele für The Line, die 170 Kilometer lange, linear aufgebaute Stadt mit Platz für Millionen Menschen, faktisch nicht mehr als kurzfristiges Ziel gelten. Stattdessen wurden kleinere Teilschritte und eine reduzierte reale Bautätigkeit konstatiert. Berichte zeigen, dass nur ein sehr kurzer Abschnitt (rund 2,4 Kilometer) bis 2030 realistisch gebaut wird und die ursprünglichen Bevölkerungszahlen stark nach unten korrigiert wurden.

The Line ist Teil des Mega-Projekts NEOM (ein Akronym aus Neo für «neu» und «Mustaqbal», dem arabischen Wort für Zukunft). NEOM, gelegen im Nordwesten Saudi-Arabiens am Roten Meer, soll für rund 500 Milliarden US-Dollar entstehen, ist etwa halb so gross wie Belgien und als Metropole der Zukunft geplant. Einen Tag nach Davos wurde bekannt, dass die geplanten Asien-Winterspiele 2029 nicht stattfinden werden. Ein neues Datum würde «alsbald» kommuniziert.

Die Berichte verunsicherten Investoren hüben wie drüben, sodass der Leitindex TASI im Gesamtjahr 2025 um 13 Prozent verlor. Damit war die Tadawul-Börse Schlusslicht unter den Aktienmärkten am Golf. Zum Vergleich: die Börse DFM in Dubai legte 2025 um 17,2 Prozent zu, das Kursbarometer MSM in Oman gar um plus 28,2 Prozent.

Börse und Immobilienmarkt neu öffnen für Ausländer

Gleich wie Dubai, will Saudi-Arabien jetzt die Karte der strategischen Lage zwischen Europa und Asien spielen. In der WEF-Session «Many Shapes of Trade» erläuterte Majid A. Alkassabi, Handelsminister des Königreichs, wie die Neuordnung globaler Lieferketten dem Land neue Chancen eröffnet. Zusätzlich wird der Tadawul-Markt ab dem 1. Februar 2026 allen ausländischen Anlegern offenstehen. In bestimmten Gebieten des Golfstaats, insbesondere in der Haupstadt Riad und in Dschidda, dürfen Ausländer seit dem 1. Januar auch Immobilien erwerben.

«Der Handel entwickelt sich von einem fairen zu einem stärker gesteuerten und regelbasierten Modell», sagte Alkassabi. Dank seiner strategischen Lage und seiner Ressourcen könne Saudi-Arabien zu einer Connector Economy werden – einer Brückenökonomie zwischen Afrika, Europa und Asien, mit dem Ziel, sich als Logistik-, Handels- und Industriehub zu positionieren. Dazu baut das Haus Al-Saud die Häfen in Dammam am Arabischen Golf und Dschidda am Roten Meer stetig aus. Ausserdem soll der in Bau befindliche Flughafen King Salman International Airport in Riad mit 185 Millionen Passagieren bis 2050 das grösste Drehkreuz der Welt für die zivile Luftfahrt werden. 

Rückenwind erhalten die Saudis in ihrem Vorhaben, als Drehkreuz zwischen den Kontinenten zu fungieren, jetzt vom WEF. Saudi-Arabien wird das WEF Global Collaboration and Growth Meeting (Globale Zusammenarbeits- und Wachstumstreffen) in Dschidda am 22. und 23. April 2026 ausrichten, wie am Abschlusstag des WEF in Davos bekannt gegeben wurde.