Nationalbank kürt Sieger des Gestaltungswettbewerbs für die neuen Noten
Dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Mittwoch, und damit nur wenige Tage vor der Abstimmung über die Initiative «Bargeld ist Freiheit» und den Gegenvorschlag von Bundesrat und Parlament, an einer Medienkonferenz in Zürich den Gewinner des Gestaltungswettbewerbs für die neue Banknotenserie präsentiert hat, ist natürlich reiner Zufall. Denn die SNB plant langfristig, während Bundesbern die Abstimmungstermine relativ kurzfristig festgelegt. Gleichwohl ist es eine schöne Koinzidenz, die ein Schlaglicht auf die Problematik der abnehmenden Verwendung und Akzeptanz von Bargeld wirft.
Zuerst einmal hat aber das seit 2010 in Lausanne und Bern tätige Grafikerbüro Emphase Grund zum Feiern. Denn es wurde von der SNB zum Sieger gekürt. Die Freude war den beiden Emphase-Gründern, Fabienne Kilchör und Sébastien Fasel, anzusehen. Sie standen zusammen mit Antoine Martin, Vizepräsident des Direktoriums und damit auch Vorsteher des u.a. für das Bargeld verantwortlichen II. Departements, und Sébastien Kraenzlin, stellvertretendes Direktoriumsmitglied und im gleichen Departement tätig, auf der Bühne.
«Die Schweiz und ihre Höhenlagen» überzeugend umgesetzt
Martin und Kränzlin betonten in ihrem gemeinsamen Referat auch die hohe Qualität der anderen elf Wettbewerbsentwürfe. Sie unterstrichen, dass die Emphase-Entwürfe (hier zu finden) sowohl in der Umfrage als auch in der Beurteilung durch einen Beirat aus externen Fachpersonen jeweils unter den drei bestbewerteten Entwürfen figurierte.
Bereits seit Ende Oktober 2024 steht das Thema der neuen Banknotenserie fest: Die sechs Stückelungen sollen «die Schweiz und ihre Höhenlagen» zeigen, konkret Tieflagen, Mittelland, Jura, Voralpen, Gebirge und Hochgebirge. Die Vorderseite auf den Entwürfen von Emphase schmücken Pflanzen, die in den jeweiligen Höhenlagen heimisch sind. Auf den Rückseiten bilden typische Landschaften und Bauten Lebensräume für Mensch und Tier ab. Der Befund des SNB-Duos: «Grafisch überzeugt der Entwurf J durch seine eigenständige Bildsprache, das ausgewogene Zusammenspiel der abgebildeten Komponenten und die hohe gestalterische Dichte. Technisch eignet er sich besonders gut für die gestalterische Weiterentwicklung zu Banknoten.»
Urteil der Bevölkerung und des Beirats
Der Vorsteher des II. Departements und sein Stellvertreter führten auch aus, wie die Wahl zustande gekommen ist. Die Grafiker der besten zwölf Entwürfe (von ursprünglich über 300) arbeiteten ihre Entwürfe aus, die dann der Bevölkerung und dem Beirat vorgelegt wurden. «Die Meinung der Bevölkerung und die Bewertung des Beirats flossen je zu gleichen Teilen in die Entscheidung ein.»
Im Urteil der Bevölkerung (es beteiligten sich über 100'000 Personen an der Umfrage) rangierten die Entwürfe K , B und J auf den ersten drei Plätzen. Die beiden SNB-Vertreter zeigten sich über die rege Teilnahme an der Umfrage «ausserordentlich erfreut» und verdankten auch «die wertvollen Rückmeldungen zur Gestaltung», die man im weiteren Prozess berücksichtigen werde. Bei der Umfrage handelte es sich um eine Premiere: Bisher wurde die Schweizer Bevölkerung noch nie in die Banknotengestaltung einbezogen.
Der Beirat favorisierte hingegen H, J und L.
Zweite Stufe mit noch sechs Entwürfen
Die besten sechs Entwürfe gingen in eine zweite Wettbewerbsstufe, in der sich die Gestalter der SNB und dem Beirat vorstellten, ihre Konzepte präsentierten und ihre finanziellen Angebote unterbreiteten.
Auch in dieser zweiten Stufe schnitt Emphase sehr gut ab. «Zusammenfassend überzeugte die Emphase GmbH sowohl durch die fachliche Qualifikation und die gestalterische Qualität ihrer Arbeit als auch in kommerzieller und organisatorischer Hinsicht und erzielte das beste Gesamtresultat», hielten Martin und Kraenzlin fest. Dabei wurden die Ergebnisse der ersten und der zweiten Wettbewerbsstufe für das Endresultat mit 60 und 40 Prozent gewichtet.
Unkonventionelle Aufteilung der Prämie
Den zweiten Platz im Gestaltungswettbewerbs belegte die Maxitype GmbH (Entwurf L), den dritten Rang die Norr Design AG (Entwurf B).
Bei der Prämie von von 60'000 Franken für die drei besten Wettbewerbsbeiträge hat sich der Beirat für eine unkonventionelle Aufteilung entschieden. Der erste Rang erhält nur 10'000 Franken, der zweite und dritte je 25'000 Franken. Begründung: «Mit dieser Verteilung trägt er dem Umstand Rechnung, dass die Gewinnerin den Auftrag zur Gestaltung der neuen Banknotenserie erhält.»
Ausstellung im Forum SNB
Als Geste der Wertschätzung stellt die Nationalbank die zwölf Entwürfe aller Gestalter im Forum SNB an der Fraumünsterstrasse in Zürich aus. Die Ausstellung wird der Öffentlichkeit vom 5. bis zum 15. März jeweils von 9.30 bis 16.30 Uhr zugänglich sein.
Wie geht es mit dem Banknotenprojekt nun vorwärts? In den kommenden Monaten wird der Entwurf inhaltlich, grafisch und sicherheitstechnisch weiterentwickelt. «Das endgültige Design der Banknoten kann sich noch deutlich von den eingereichten Entwürfen unterscheiden. Abschliessend wird der Bankrat über die Gestaltung der Banknoten entscheiden.» Die neuen Banknoten sollen frühestens Anfang der 2030er-Jahre ausgegeben werden.
Die Erfahrungen mit früheren Banknotenserien legen nahe, dass sich insbesondere die beiden Grafikdesigner Kilchör und Fasel auf einen mehrjährigen und mitunter nervenraubenden Arbeitsmarathon einstellen müssen.
Bargeld wird auch in der Zukunft wichtig bleiben
Martin nutzte die Gelegenheit dazu, das diesbezügliche Credo der Nationalbank zu wiederholen. Bargeld werde auch in Zukunft seine wichtige Rolle als Zahlungsmittel und zur Wertaufbewahrung behalten, und deshalb seien die sicherheitstechnische Weiterentwicklung und die Neugestaltung der Banknoten zentral. Das dürften auch die Befürworter der Bargeldinitiative so sehen.
Auf die Initiative angesprochen, antwortete Martin, dass die SNB die Sicht des Bundesrats teile, wonach eine Annahme keine grossen Auswirkungen habe. Das ist sicher nicht falsch, allerdings können sich auch symbolische Entscheide für die Politik mitunter durchaus als prägend erweisen.















