Schwindende Bargeldakzeptanz entgeht der Bevölkerung nicht
Bei der Nutzung der Zahlungsmittel bei Transaktionen vor Ort hat sich innert Jahresfrist nur wenig verändert. Das Bedürfnis der Bevölkerung, das Bargeld zur Verfügung steht und auch als Zahlungsmittel eingesetzt werden kann, ist weiterhin hoch. Doch die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem Zugang zu Bargeld ist deutlich gesunken. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der «Zahlungsmittelumfrage bei Privatpersonen in der Schweiz 2025», welche die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Montag publiziert hat.
Für die Erhebung, die neu jährlich statt wie bisher zweijährlich durchgeführt wird, wurden im Herbst 2025 rund 2'000 Personen mit Wohnsitz in der Schweiz online oder telefonisch zu ihrem Zahlungsverhalten befragt. Zudem erfassten sie während einer Woche ihre alltäglichen Zahlungen in einem Tagebuch.
Die SNB ist verpflichtet, sowohl die Bargeldversorgung zu gewährleisten als auch das Funktionieren des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zu sichern und zu erleichtern. Entsprechend ist es für sie wichtig, Trends im Benutzerverhalten frühzeitig zu erkennen – zumal zum einen die Frage nach der Zukunft des Bargelds durchaus eine politische Komponente hat (der Souverän hat am 8. März den Gegenvorschlag zur Bargeldinitiative angenommen) und zum anderen die technologische Entwicklung den lange eher trägen Zahlungsmittelmarkt umgewälzt hat.
Die interessantesten Resultate im Detail:
Die Debitkarte bleibt im Präsenzgeschäft das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel, gefolgt vom Bargeld und von Bezahl-Apps.

Grafik: SNB
Ein Grossteil der Bevölkerung trägt Bargeld bei sich, besitzt sowohl Debitkarten als auch Kreditkarten und verfügt über Bezahl-Apps. Trotz der Vielfalt an bargeldlosen Zahlungsmitteln wird Bargeld weiterhin regelmässig genutzt.
Immerhin die Hälfte der Bevölkerung kennt Sofortzahlungen (Instant Payment), eine Zahlungsart, die von der SNB forciert wird. Und ein Viertel hat sie bereits mindestens einmal genutzt.
Die Bargeldakzeptanz hat sich verschlechtert. «Rund die Hälfte der Bevölkerung erlebte im vergangenen Jahr Akzeptanzeinschränkungen bei der Zahlungsmittelwahl. Im Vergleich zu den Vorjahren war davon zunehmend Bargeld betroffen«, hält die SNB dazu fest.

Grafik: SNB
Gesunken ist auch die Zufriedenheit mit dem Zugang zu Bargeld: Nur noch 81 Prozent (2024: 88 Prozent) der Bevölkerung waren mit den Möglichkeiten, Bargeld zu beziehen, zufrieden. Die SNB führt dies auf «den anhaltenden Abbau von Bezugsstellen wie Geldautomaten» zurück.
Die wachsende Unzufriedenheit mit der Akzeptanz und der Versorgung mit Bargeld kann als Indiz dafür interpretiert werden, dass die Negativspirale bei der Bargeldinfrastruktur, die vom heutigen Präsidenten des Direktoriums Martin Schlegel bereits im November 2022 in einem Referat thematisiert wurde, durchaus eine reale Bedrohung ist. Inwiefern die politische Diskussion ums Bargeld das Problembewusstsein erhöht hat, ist der Umfrage nicht zu entnehmen.
Die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung wünscht sich, dass Bargeld auch künftig als Zahlungsmittel eingesetzt werden kann. Nur 2 Prozent sprechen sich für eine Abschaffung von Bargeld aus, weil es unpraktisch sei oder für illegale Geschäfte genutzt werde.
Problem erkannt, aber noch nicht gebannt
Immerhin scheint das Problem erkannt zu sein. Im Geschäftsbericht 2025 ist der Thematik «Massnahmen zur Stärkung der Bargeldversorgung» mehr als eine Seite gewidmet. Die SNB hält dort im Zusammenhang mit dem zweiten runden Tisch Bargeld im November fest: «Mit Vertreterinnen und Vertretern der am Bargeldkreislauf beteiligten Akteure wurden verschiedene Fragen zum Bargeldzugang und zur Bargeldakzeptanz diskutiert.»
Zudem habe die SNB am runden Tisch die von einer Expertengruppe ausgearbeiteten «Prinzipien für einen adäquaten Zugang zu Bargeld» vorgestellt. «Die Teilnehmenden waren sich einig, dass koordinierte Anstrengungen notwendig sind, damit Bargeld der Bevölkerung auch in Zukunft flächendeckend als Zahlungsmittel zur Verfügung steht.»
Interessant ist, dass die Bargeldnutzung für Zahlungszwecke zwar strukturell rückläufig ist, aber der Anteil der Bevölkerung, der eine Bargeldreserve für sinnvoll hält, über die letzten Jahre sogar noch gewachsen ist.

Grafik: SNB
Der Anteil derjenigen, die Kryptowährungen und Stablecoins halten, ist weiterhin steigend, doch für Zahlungszwecke werden sie kaum eingesetzt.

Grafik: SNB














