Sener Arslan: «Wir wollen der dominante Player sein»

Herr Arslan, Sie sind seit fast zwei Jahren bei QPLIX. Wie sind Sie zu diesem Unternehmen gekommen?

Ich hatte verschiedene Stationen in meiner Karriere – einen Mix aus Vermögensverwaltung und Technologie. Einerseits war ich bei der UBS, andererseits als selbständiger Vermögensverwalter tätig, und dann auf der Technologieseite bei einem anderen PMS-Anbieter. Zuletzt war ich Group COO und CEO bei einem grossen Multi Family Office, wo ich mit vielen Single Family Offices sowie UHNWI- und HNWI-Kunden zu tun hatte. Als ich mich entschied, in Richtung Wealthtech zu wechseln, suchte ich gezielt nach Playern, die bestimmte Kriterien erfüllen: eine gewisse Grösse und Substanz, um nachhaltig zu wachsen; ein eigentümergeführtes Modell, das langfristige Strategien ermöglicht; echten Expansionswillen; und eine moderne Software-Architektur. QPLIX hat alle diese Kriterien erfüllt.

Woher kommt Ihr Interesse für Technologie, nachdem Sie zuvor eher an der Kundenfront waren?

Aus den eigenen Erfahrungen mit Ineffizienz – als Vermögensverwalter und bei den Banken. Man merkt schnell, dass man vom Business her keine wirkliche Effizienz schaffen, nicht schnell arbeiten und Prozesse nicht optimieren kann. Vieles davon ist technologiegetrieben. Mit Technologie lassen sich sehr viele Prozesse optimieren, Daten schnell komprimieren, zusammenführen und analysieren. Als ich in diese Welt eintauchte und sah, wie spannend sie ist, hat mich das nicht mehr losgelassen.

Was schätzen Sie am Produkt von QPLIX?

QPLIX ist eine echte Plattform – keine Kombination aus Best-of-Breed-Lösungen, bei der CRM, PMS und Reporting in verschiedenen Tools liegen. Auf QPLIX kann man alle Instrumente abdecken: liquid und illiquid, alle Anlageklassen. Das Kernsystem umfasst CRM mit KYC und AML, das gesamte Portfoliomanagement mit über 350 Indikatoren, Order Management mit direkter Bankanbindung sowie ein vollständig whitelabelbares Kundenportal inklusive mobiler Applikation. Alles in einem einzigen Ökosystem. Zusätzlich haben wir über 250 internationale Depotbanken angebunden. Und es werden laufend mehr.

«Seit meinem Start haben wir mittlerweile über 30 Kunden allein in der Schweiz.»

Wie ist QPLIX im Schweizer Markt angekommen?

Sehr stark – fast überraschend stark. Seit meinem Start haben wir mittlerweile über 30 Kunden allein in der Schweiz. In den letzten zwei Jahren haben wir knapp 18 neue Vermögensverwalter auf die Plattform gebracht und mehrere Single Family Offices gewonnen. Viele Player sind grundsätzlich interessiert. Was oft fehlt, ist ein vertrauter Partner auf der Gegenseite. Wenn man Vertrauen gewinnt, Lösungen aufzeigt und auf die konkreten Probleme eingeht, sind die Kunden bereit zu investieren. Was nicht funktioniert, sind Halblösungen oder Strategien, die sich ständig ändern. QPLIX lebt seit fast 14 Jahren eine nachhaltige Strategie. Das kommt an.

Musste QPLIX das Produkt für den Schweizer Markt anpassen?

Ja, es war nicht ganz einfach. Der Schweizer Regulator hat andere Anforderungen als Deutschland oder Grossbritannien – Stichwort Finig und Fidleg. Das hat Anpassungen im CRM-Bereich erfordert. Dazu kommen andere Instrumente, andere Schnittstellen zu Buchhaltungssoftware und ERP-Systemen. Entscheidend war aber, dass wir agil entwickeln und alle zwei Wochen einen neuen Release liefern. Die Bedürfnisse des Schweizer Marktes konnten wir so sehr schnell umsetzen.

Wie hat sich das Schweizer Office entwickelt?

Ich habe allein angefangen. Mittlerweile sind wir zu zehnt in der Schweiz, mit einem wachsenden Team im Bereich Product Delivery – also Leuten, die Kunden onboarden und mitbetreuen. Langfristig planen die Gründer, in der Schweiz auch eigene Entwicklungen zu realisieren. München ist relativ nahe, wir tauschen uns sehr regelmässig aus, und das hilft enorm.

Welche Trends helfen QPLIX beim Wachstum?

Ich sehe drei Ebenen. Erstens die Family Offices: Illiquide Anlagen sind nach wie vor zu grossen Teilen manuell. Alles, was man dort automatisieren und in die Analyse einbringen kann, hilft uns enorm. Zweitens der Markt für unabhängige Vermögensverwalter (External Asset Managers, EAMs): Wir sehen sehr starkes Wachstum. Die Fragen sind durch die Bank dieselben: Wie kann ich effizienter arbeiten, Prozesse digital abbilden, alle Stakeholder von RM bis Endkunde einbinden? Und drittens die Banken: Wir beobachten, dass Banken die Wertschöpfungskette aufbrechen wollen – weniger Abhängigkeit vom Kernbankensystem, mehr spezialisierte Tools. Dort kommt QPLIX genau hin.

Ist QPLIX als Lösung für Banken in Deutschland bereits etabliert?

Es gab dieses Jahr eine offizielle Meldung: Die Deutsche Bank hat QPLIX ausgewählt, um ihre Endkunden, Family Offices und EAMs zu bedienen. Das hat auch bei anderen Banken Interesse geweckt. Der Trend, die Wertschöpfungskette aufzubrechen, ist in Deutschland genauso spürbar wie in der Schweiz.

Würde QPLIX auch in einer Avaloq-Umgebung funktionieren, wie sie bei den meisten Privatbanken im Einsatz ist?

Ja, Avaloq und andere Kernbankensysteme haben wir bereits angebunden. Jede Bank hat ihre eigene Architektur – teils Kernbankensysteme wie Avaloq oder Andere, teils Eigenbauten. Das Knowhow, das wir aus diesen verschiedenen Projekten gesammelt haben, hilft uns in jedem neuen Gespräch.

«Man lädt ein beliebiges Dokument hoch – ein Private-Equity-Capital-Call, eine Transaktion von einer Bank ohne Schnittstelle – und das System extrahiert die Daten, bucht sie in QPLIX vor, und ein einziger Klick bestätigt die Verbuchung.»

Welche Immobilien-Funktionalitäten bietet die Plattform?

Wir können eine Immobilie vollständig erfassen: Mieterträge, Mietverträge, Cashflow-Berechnung, Kostenrechnung, sämtliche Dokumente. Von der Gebäudeebene bis zum einzelnen Stockwerk. Wenn ich fünf Jahre vorausschaue, sehe ich meine Cashflow-Position, alle Einnahmen, alle Ausgaben. QPLIX ist keine Immobiliensoftware im engeren Sinne, aber für die Investment- und Anlageseite bietet es alles, was man braucht.

Was steht dieses Jahr noch auf der Entwicklungs-Roadmap?

Drei Bereiche. Erstens KI: Wir haben alle Daten auf lokalen Servern – in der Schweiz für inländische und internationale Kunden, in Deutschland für deutsche Kunden. Die Modelle werden lokal gehostet, die Daten verlassen das System nicht. Wir haben mit einem KI-gestützten Dokumentenleser begonnen: Man lädt ein beliebiges Dokument hoch – ein Private-Equity-Capital-Call, eine Transaktion von einer Bank ohne Schnittstelle – und das System extrahiert die Daten, bucht sie in QPLIX vor, und ein einziger Klick bestätigt die Verbuchung. Keine OCR (optische Zeichenerkennung) sondern echtes KI-Verständnis, unabhängig von der Sprache. Der zweite Bereich ist die Chat-Funktion: Man kann direkt im Tool fragen, welche Obligationen in den nächsten 90 Tagen auslaufen, oder «erstelle einen Report», und bekommt die Antwort sofort. Drittens entwickeln wir ein dediziertes RM-Portal – ein eigenes Interface für den Relationship Manager, der unterwegs ist und schnell auf alle Daten, AML-Cases und Portfolioanalysen zugreifen muss.

Ist das finanziell eine intensive Entwicklungsarbeit?

Bei der KI ja – das ist ein Bereich, der sich ständig weiterentwickelt und entsprechendes Budget braucht. Ansonsten entwickeln wir nicht am Markt vorbei, sondern mit dem Markt zusammen. Gewisse Entwicklungen realisieren wir gemeinsam mit Kunden – ohne diese zu belasten. Das stärkt uns im Markt.

Wo wollen Sie in der Schweiz mittel- und langfristig hin?

Mittelfristig wachsen wir in drei Bereichen weiter: Single Family Offices, unabhängige Vermögensverwalter – allein schon durch die Masse von knapp 1'800 EAMs in der Schweiz – und Banken, die einzelne Teile der Wertschöpfungskette auslagern wollen. Langfristig wollen wir der dominante Player in der Schweiz sein, wenn es um Single Family Offices und EAMs geht. Daneben interessieren uns auch Pensionskassen und Versicherungen: Diese müssen ihre Anlagen konsolidieren, Asset Liability Management betreiben, Stresstests durchführen. Das sind alles Themen, die QPLIX abdecken kann.


Sener Arslan ist seit April 2024 Regional Director Switzerland bei QPLIX, einem Münchner Anbieter von Wealth-Management-Software für Family Offices, Privatbanken und externe Vermögensverwalter. Zuvor amtete er von 2020 bis Ende 2023 als Group COO von Taurus Global Wealth und CEO der Taurus Wealth Holding in Zürich, wo er für die globale Strategieentwicklung und die Integration internationaler Taurus-Einheiten verantwortlich zeichnete. Von 2019 bis 2020 leitete Arslan bei Expersoft Systems den internationalen Vertrieb und die Geschäftsentwicklung; davor war er dort Senior Sales Manager für die Märkte Schweiz, Deutschland und Grossbritannien. Von 2015 bis 2016 wirkte er als Chief Investment Officer bei Gigant Swiss Consulting in Zürich. Seine Karriere begann Arslan bei der UBS, wo er von 2010 bis 2015 zunächst als Investment Advisor und anschliessend als Program Manager im Bereich Wealth Management Investment Mandates tätig war. Arslan ist Chartered Financial Analyst.