Was wir vom Genfer UNO-KI-Gipfel für die nächsten zwölf Monate mitnehmen können
Von Andreas Janoschek *
2025 brachten die Chinesen einen Roboter nach Genf. 2026 hat er seine Freunde mitgebracht.
Am 7. Juli war ich wieder am AI for Good, dem jährlichen KI-Gipfel der UNO in Genf, ausgerichtet von der Internationalen Fernmeldeunion ITU. Die Veranstaltung taugt als Frühindikator. Was dort gezeigt wird, prägt erfahrungsgemäss die folgenden zwölf Monate. 2025 nahm ich zwei Dinge mit: Forscher aus Abu Dhabi führten lokale Modelle auf Kleingeräten vor, und die chinesischen Labore setzten das Tempo in der Forschung. Was also nehmen wir diesmal mit? Was kommt in den nächsten zwölf Monaten?
Zuerst fiel mir der Eintritt auf. Letztes Jahr war alles gratis, jede Bühne offen für alle. Dieses Jahr kostet die Registrierung, 50 Franken für den normalen Pass, bis zu 4'900 für den Leaders-Pass. Das passt zu dem, was gerade im Markt passiert. Der Fall Fable aus der letzten Folge ist dafür das prominenteste Beispiel. Amerikanische Spitzen-KI wird teurer und steht nicht immer jedem uneingeschränkt zur Verfügung.
Und die chinesische KI? Sie wandert in die Hardware. Roboter in allen Grössen, KI-Haustiere, KI-Spielzeug, ein Gegenstück zum Cybertruck samt Flugauto. In diesen Geräten läuft kein Cloud-Abo, dort arbeiten spezialisierte kleine Modelle, auf einzelne Aufgaben trainiert. Die chinesischen Labore liefern also das ganze Sortiment, vom Spitzenmodell bis zum Kleinmodell. Allein die Menge an Ausstellungsstücken und Themen spricht dafür, dass sich dieser Trend fortsetzt.
Und Europa? Ausser der Schweiz, kaum sichtbar. Dafür ist Japan deutlich präsenter als im Vorjahr.
Was heisst das nun für die Schweizer Finanzbranche?
Bisher konnte man sich für 20 Dollar amerikanische Spitzen-KI anmieten, und falls die Firma nichts anbot, eben privat auf dem eigenen Gerät. Oder der Firmen-Copilot bot alles inklusive. Das ändert sich, sobald die Nutzung teuer und verbrauchsabhängig wird. Werden Mitarbeitende bereit sein, für ihre Schatten-KI privat nach Verbrauch zu bezahlen? Und bekommen die Copilot-Zugänge der Angestellten bald nur noch die zweitbesten Modelle, weil die Spitzenmodelle zu teuer werden?
Aus Gesprächen mit Genfer Finanzinstituten weiss ich, dass mancherorts schon verstärkt mit lokaler KI experimentiert und gebaut wird. Der Gipfel 2026 ist für mich ein klarer Beleg, dass sich der Trend zu lokalen Spezialisten fortsetzen dürfte.
Subventionierte KI für alle ist vorbei. Die Frage für jedes Haus ist nur noch, wie schnell man auf Spezialmodelle umstellt.
* Andreas K. Janoschek ist Gründer von Gerevest.AI in Genf. Zuvor war er Portfoliomanager bei Allianz Global Investors und CIO eines Lebensversicherers. Er hilft Banken, Versicherern und Vermögensverwaltern, KI sicher und souverän einzusetzen. www.gerevest.ai













