Was einen guten Asset-Management-CEO wirklich ausmacht
An Auszeichnungen mangelt es der Asset-Management-Branche nicht. Fondsperformance, Nettomittelzuflüsse oder das Wachstum der verwalteten Vermögen liefern regelmässig Stoff für Rankings und Awards.
Genau darin sehen Christian Haas und Arnaud Tesson von Eleway, Spezialist für Leadership im Asset Management, die Initianten des neuen Leadership Alpha Award, eine Lücke. Die meisten Messgrössen seien rückwärtsgewandt und würden wenig darüber aussagen, weshalb ein Asset Manager langfristig erfolgreich sei.
«Was im europäischen Asset Management aus unserer Sicht bislang gefehlt hat, ist eine Auszeichnung, die über quantitative Ergebnisse hinausgeht und die Qualität der Führung sowie die institutionelle Stärke einer Organisation beurteilt», sagt Haas.
Es gehe gewissermassen um «die Architektur hinter der Performance und nicht nur die Performance selbst».
Damit rückt eine Frage ins Zentrum, die gerade angesichts des Margendrucks und der Konsolidierung in der Branche an Bedeutung gewinnt: Was unterscheidet einen guten CEO von einem Manager, der während seiner Amtszeit einfach gute Zahlen produziert?
Was bleibt, wenn der CEO geht
Für Haas und Tesson liegt ein wesentlicher Unterschied in der Nachhaltigkeit der eigenen Wirkung. Ein CEO kann während einiger Jahre starke finanzielle Ergebnisse erzielen. Dabei können allerdings auch ein günstiges Marktumfeld oder ein Investmentstil helfen, der gerade besonders gefragt ist.
«Ein wirklich guter CEO hinterlässt eine starke Kultur, bessere Führungskräfte, eine klare strategische Ausrichtung und eine Organisation, die auch ohne seine ständige Präsenz erfolgreich bleibt.»
Herausragende Führung müsse deshalb an mehr gemessen werden.
«Ein wirklich guter CEO hinterlässt ein dauerhaftes Fundament: eine starke Kultur, bessere Führungskräfte, eine klare strategische Ausrichtung und eine Organisation, die auch ohne seine ständige Präsenz erfolgreich bleibt», sagt Haas.
Tesson sieht darin einen entscheidenden Unterschied zwischen persönlichem und institutionellem Erfolg. Dauerhafter Wert entstehe dann, wenn Wissen nicht bei einzelnen Stars konzentriert bleibe, Risiken offen diskutiert und die nächste Generation von Führungskräften systematisch aufgebaut werde.
Oder anders gesagt: Ein herausragender CEO sollte ein Unternehmen hinterlassen, das weniger von ihm abhängig ist als zu Beginn seiner Amtszeit.
War es Können oder einfach ein guter Markt?
Gerade im Asset Management ist diese Unterscheidung schwierig. Eine überdurchschnittliche Performance kann das Resultat eines hervorragenden Investmentprozesses sein oder schlicht einer Marktphase, in der der Investmentstil eines Hauses besonders gut funktioniert.
Der Leadership Alpha Award soll deshalb nicht einfach eine weitere Performancerangliste liefern.
«Wir fragen: Hat der CEO ein Umfeld geschaffen, in dem gute Entscheidungen systematisch wahrscheinlicher werden?», sagt Haas.
Konsolidierung als Führungstest
Besonders relevant wird die Frage angesichts der Konsolidierungswelle im europäischen Asset Management.
Fusionen und Übernahmen stellen das Management vor einen klassischen Zielkonflikt. Einerseits sollen Kosten reduziert, Prozesse vereinheitlicht und Synergien realisiert werden. Andererseits liegt ein wesentlicher Teil des Werts eines Asset Managers häufig gerade in Eigenschaften, die sich nur schwer quantifizieren lassen.
Dazu gehören eigenständige Investmentkulturen, die Autonomie erfolgreicher Teams, langjährige Kundenbeziehungen und eine starke Markenidentität.
«Wer im Interesse kurzfristiger Kostensynergien zu stark standardisiert, kann genau jene DNA zerstören, die die Transaktion ursprünglich attraktiv gemacht hat», warnt Haas.
Wenn eine gute Strategie nicht reicht
Ein weiteres Problem beobachten die Initianten bei der Umsetzung von Strategien.
Was für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung vollkommen klar erscheint, wird nicht automatisch von der gesamten Organisation verstanden und gelebt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Asset Manager zu lange an Erfolgsrezepten der Vergangenheit festhalten.
Historische Performance, eine etablierte Marke oder einzelne erfolgreiche Investmentteams können Sicherheit vermitteln, obwohl sich Kundenpräferenzen, Technologien und Branchenstrukturen bereits fundamental verändert haben.
«Echte Nachfolgeplanung zeigt sich darin, dass Verantwortung, Kundenbeziehungen und Entscheidungskompetenz lange im Voraus bewusst breiter verankert werden.»
Genau deshalb erhält die Unternehmenskultur beim Leadership Alpha Award ein hohes Gewicht.
«Unternehmenskultur ist kein Schlagwort, sondern ein wesentlicher Teil der operativen Infrastruktur», sagt Haas. «Sie prägt, wie Risiken beurteilt, Fehler behandelt und im Alltag Entscheidungen getroffen werden.»
Nachfolgeplanung als Härtetest
Besonderes Gewicht erhält die Nachfolgeplanung.
Ein formeller Nachfolgeprozess allein sagt nach Ansicht der Initianten wenig darüber aus, wie gut ein Asset Manager auf einen Führungswechsel vorbereitet ist.
«Echte Nachfolgeplanung zeigt sich darin, dass Verantwortung, Kundenbeziehungen und Entscheidungskompetenz lange im Voraus bewusst breiter verankert werden», sagt Haas.
Potenzielle Nachfolger müssten deshalb schon deutlich vor einem Wechsel Sichtbarkeit, interne Autorität und operativen Gestaltungsspielraum erhalten.
Für Tesson ist das zugleich ein Indikator für institutionelle Reife: Je weniger Strategie, Kundenvertrauen und Unternehmenskultur von einzelnen Persönlichkeiten abhängen, desto widerstandsfähiger ist letztlich die Organisation.
Prominente Jury soll hinter die Zahlen schauen
Die qualitative Beurteilung soll eine Jury übernehmen, deren Mitglieder selbst über langjährige Führungserfahrung im internationalen Asset Management verfügen.
Die Jury vereint sechs international profilierte Führungspersönlichkeiten mit umfassender Erfahrung in Asset Management, Unternehmensführung und Governance:
- Sheila Patel war CEO von Goldman Sachs Asset Management International und Chairwoman von Goldman Sachs Asset Management.
- Fiona Frick führte Unigestion von 2011 bis 2022 und ist heute unter anderem Mitglied der Verwaltungsräte von Bank of America Securities Europe und Mediolanum International Funds.
- Elisabeth Stheeman gehörte dem Financial Policy Committee der Bank of England an, war Global COO von LaSalle Investment Management und ist heute Mitglied des Verwaltungsrats der M&G Group.
- Nick Ring verantwortete als CEO das Geschäft von Columbia Threadneedle Investments in EMEA und APAC.
- Jonathan DeSimone prägte Alcentra als CEO und bringt langjährige Führungserfahrung im internationalen Asset Management ein.
- Arno Kitts bekleidete leitende Positionen bei BlackRock, Henderson Global Investors und J.P. Morgan und gehört heute dem Verwaltungsrat der Aberdeen Group an.
Am 3. Dezember 2026 findet in London die erstmalige Verleihung des Leadership Alpha Award statt. Dabei zeichnet die Jury jenen CEO aus, der nachhaltige Führungsqualität und institutionelle Stärke in besonderer Weise verkörpert. finews wird über den Anlass berichten.














