Wie Anleger mit Private Debt Filmproduktionen ermöglichen können

Vor einem Jahr wechselte sie quasi das Genre, zur schönen Kunst des Films (finews berichtete).

Bis September 2025 hatte Manuela Fröhlich eine ziemlich klassische Finanzmarktkarriere absolviert, mit Stationen bei der Hypovereinsbank, F&C Investments in London sowie Aquila Group und LRI Invest in Luxemburg. Zuletzt war sie in leitender Funktion bei einer Impact Boutique tätig. Hierzulande ist sie schon länger als Mitgründerin der Fondsfrauen bekannt, dem grössten europäischen Netzwerk für Frauen in der Finanzbranche.

Alles dreht sich um Filmprojekte

Als Head of Fundraising & Investor Relations beim Asset Manager Align Group (nicht zu verwechseln mit dem Zürcher Vermögensverwalter Align Private Wealth) hat Fröhlich zwar weiterhin mit Finanzen tun, doch nun dreht sich alles um Filmprojekte. Align ist nämlich ein Private-Debt-Verwalter, der seit der Gründung 2019 ausschliesslich im Bereich Media Finance und noch spezifischer in der Finanzierung von Filmproduktionen aktiv ist.

Kein Wunder also, dass er auch in Los Angeles präsent ist. Der Hauptsitz von Align befindet sich in Brüssel, ein weiteres Büro in Luxemburg. Bis Mitte 2026 wurden über Align insgesamt 119 Millionen Euro in Investmentlösungen in der Unterhaltungsindustrie zugeteilt.

Publikumserfolg ist kein kritischer Faktor

Wie funktioniert Media Finance genau? Weshalb braucht es dafür plötzlich Private Debt? Und was bringt es den Anlegern, in diesem Nischenmarkt zu investieren? Um diese Fragen zu beantworten, hat sich finews mit Fröhlich in Zürich getroffen. «Das derzeit laufende Zurich Film Festival ist für uns natürlich positiv, aber diesmal ist leider keine Produktion dabei, die wir finanziert haben», stellt Fröhlich zu Beginn des Gesprächs klar.

Die Vorstellung, dass Private-Debt-Investoren die Produktion eines Films finanzieren und dann darauf hoffen, dass dieser an den Kinokassen oder über die Streaming-Anbieter möglichst viel Geld einspielt, liegt zwar nahe, ist aber falsch. Der Publikumserfolg spielt für Align keine Rolle. Der Asset Manager vergibt nämlich Darlehen (Senior Loan), die mit künftigen Ertragsquellen wie staatlichen Subventionen (Tax Credits) und vertraglich fixierten Distributionserlösen abgesichert sind.

Tax Credits sorgen für gut prognostizierbare Cashflows 

Tax Credits spielen eine grosse Rolle, da sie recht gut prognostizierbar sind. Viele Länder fördern Dreharbeiten vor Ort mit substanziellen Zuschüssen (wobei sie dafür mitunter genaue Auflagen machen, vor welcher «Kulisse» genau produziert werden muss), weil sie sich von einem solchen Film einen positiven Effekt für den Tourismus und ihre Standortattraktivität versprechen. Diese Cashflows treffen nach der Fertigstellung und Prüfung der förderfähigen Ausgaben ein. «Typischerweise werden unsere Darlehen bereits vor der Lancierung eines Films zurückbezahlt», führt Fröhlich aus.

Früher wurden Filmproduktionen oft von Banken über Kredite vorfinanziert. Doch bereits vor Jahrzehnten haben diese begonnen, sich aus dem Geschäft zurückziehen; die globale Finanzkrise hat den Ausstieg beschleunigt. Align schätzt das Marktpotenzial für Private Debt in Media Finance auf 10 Milliarden Euro.

Verschiedene besicherte Darlehenstranchen

Wie jeder Gläubiger ist auch Align bestrebt, Risiken tunlichst zu vermeiden. Aber anders als zum Beispiel Obligationäre kann der Asset Manager in ausgewählten Fällen vom Aufwärtspotenzial profitieren (wenn also die Filmproduktion selber schon mehr Geld einspielt). Der «Equity Kicker» kann dabei im ebenfalls gesicherten, parallel zum Senior Loan vergebenen, aber kleineren Kredit (Gap Loan) eingebaut werden. Dieses Gap Loan dient dazu, eine verbleibende Finanzierungslücke zu schliessen, als Sicherheit fungieren die noch nicht verkauften Filmrechte.

Zwar beeinflussen die Kinoeinnahmen eines Films die Rechnung von Align nicht direkt, doch indirekt sind sie sehr wohl wichtig. Denn wenn Filme beim Publikum Gefallen finden und auch monetär reüssieren, können auch wieder mehr neue Projekte realisiert werden, und in der Folge entsteht neuer Finanzierungsbedarf. Daher ist die Tatsache, dass die Unterhaltungsindustrie kaum mit anderen Anlageklassen korreliert, durchaus ein Argument.

Blockbuster wie «Slumdog Millionaire»

Dabei ist der Markt zweigeteilt. Die ganz grossen Filmproduktionen mit Kosten von 100 Millionen Dollar und mehr werden direkt von den grossen Hollywood-Studios finanziert. Align ist hingegen im Segment der sogenannt unabhängigen Produktionen aktiv, wobei es darunter durchaus auch solche hat, die sich später wie «Slumdog Millionaire», «The Wolf of Wall Street» oder «John Wick» als Blockbuster erweisen.

Hinter den meisten anderen Anbietern von Media Finance, mit denen Align im Wettbewerb ist, steht ein Ankerinvestor (teilweise bekannte Banken und Versicherungen) oder ein Hedge Fund. Align ist einer der wenigen Akteure, dessen Anlagegefässe anderen Investoren offen stehen.

12 Prozent klingen sehr attraktiv, doch bekanntlich gibt es keine hohe Rendite ohne Risiko. Wo liegt also der Haken? «Die Rendite ist in erster Linie eine Prämie für Komplexität, Spezialwissen und Illiquidität und weniger eine Entschädigung für Ausfallrisiken», antwortet Fröhlich. «Bei unseren Senior Loans gegen staatliche Tax Credits gab es bisher keine Abschreibungen, auch nicht während der Pandemie. Bei jenen gegen Vertriebsverträge blieben sie selbst damals unter 2 Prozent. Höhere Verluste resultierten bei den risikoreicheren Gap Loans, deshalb setzen wir heute noch konsequenter auf Senior Lending.»

«Die Rendite ist in erster Linie eine Prämie für Komplexität, Spezialwissen und Illiquidität.»

Die insgesamt überschaubaren Verluste dürften mit dem rigorosen Auswahlverfahren zu tun haben, welches das erfahrene Team – Mitgründer und Executive Chairman Adrian Politowski ist seit 2004 im Media-Finance-Geschäft, ebenso wie die Mitgründerin Nadia Khamlichi – anwendet. Von den rund 400 Projekten, die jedes Jahr eine private Finanzierungsquelle suchen, werden 100 näher und 30 bis 50 sehr detailliert geprüft. 10 bis 20 davon gelangen in die engste Auswahl. Zum Abschluss kommt es nur in 4 bis 5 Projekten, wobei sich die Darlehen jeweils im einstelligen Millionenbereich bewegen.

Zu den von Align bisher finanzierten Produktionen zählen auch etliche Filme, die in Fachkreisen oder im Publikum auf grosse Resonanz gestossen sind, wie «Good Luck to You, Leo Grande» und«Gail Daughtry and the Celebrity Sex Pass»

Treiber hinter der vergleichsweise hohen Rendite, die Media Finance in den letzten Jahren abgeliefert hat, dürften auch der Rückzug der Banken sein und die Tatsache, dass es sich um einen Nischenmarkt handelt, der viel in der Finanzbranche ziemlich limitiertes Spezialistenwissen erfordert.

«Wir wollen die Anlageklasse als kleinen, aber festen Bestandteil in den Portfolios von Schweizer Institutionellen und Family Offices etablieren.»

«Wir wollen aus der Nische herauswachsen und die Anlageklasse als kleinen, aber festen Bestandteil auch in den Portfolios von Schweizer Institutionellen und Family Offices etablieren», beschreibt «Neueinsteigerin» Fröhlich ihre Mission. Dabei steht sie offenbar nicht mehr ganz am Anfang. Bereits heute sei zu spüren, dass Investoren Filmfinanzierungen an sich kennten und begännen, spezifische Fragen zu stellen.

Align verspricht den Investoren aber nicht nur eine monetäre Rendite, sondern kann ihnen dank der ausgezeichneten Vernetzung auch persönliche Einblicke in die Welt des Films bieten. Dazu zählen Einladungen an Film-Festivals und Besuche von Film-Sets, also bei Dreharbeiten.