Postfinance rüttelt mit neuartigem ETF den Markt auf
Alles begann vor rund eineinhalb Jahren bei einem Treffen in Olten. Postfinance-CIO Philipp Merkt präsentierte DWS-Schweiz-Chef Sven Württemberger die Idee, die Anlagekompetenz und Asset Allokation von Postfinance in ein ETF zu überführen. Ziel war es, ein breit diversifiziertes Portfolio mit mehreren Anlageklassen wie Aktien, Immobilien und Gold in einer einfachen, für Privatanleger zugänglichen Form abzubilden.
Die Idee hatte Merkt bereits seit Längerem herumgewälzt. Württemberger brachte die konkrete Umsetzungsidee ein, dieses Konzept gemeinsam als Multi-Asset-ETF zu strukturieren. Dieser ging also bewusst über eine klassische Indexabbildung hinaus: Statt eines einzelnen Benchmarks würde ein strategisch diversifiziertes Portfolio über mehrere Anlageklassen hinweg abgebildet.
Ähnliche Ansätze werden im Markt diskutiert. Doch die Umsetzung gilt als operativ und strukturell anspruchsvoll – entsprechend dürfte die Lancierung dieses ETF auf besonderes Interesse stossen.
Herr Merkt, Herr Württemberger, Sie lancieren einen neuartigen Multi-Asset-ETF. Was muss man sich darunter vorstellen?
Merkt: Wir bringen gemeinsam einen Multi-Asset-ETF auf den Markt – den Postfinance Global Portfolio ETF. Im Kern bildet er die strategische Asset Allocation unserer prämierten Vermögensverwaltung ab. Anleger erhalten damit ein breit diversifiziertes Portfolio über verschiedene Anlageklassen hinweg in einem einzigen Produkt.

Postfinance-CIO Philipp Merkt. (Bild: zVg)
Und damit betreten Sie in der Schweiz Neuland.
Württemberger: In dieser Form ist es in der Schweiz neu – und international wahrscheinlich auch: Eine Bank macht ihre Vermögensverwaltungs-Expertise erstmals über einen ETF breit zugänglich. Das bedeutet: institutionelles Know-how wird für Privatanleger investierbar ab sehr kleinen Beträgen.
«Was bisher oft erst ab höheren Mindestbeträgen in der Vermögensverwaltung verfügbar war, wird jetzt für eine breite Anlegerbasis zugänglich.»
Merkt: Genau. Es ist ein Einstiegs- oder Corpe-Podukt, das gleich ein ganzes Portfolio abdeckt: Aktien Global mit einem leicht höheren Schweiz Anteil, Schweizer Immobilien und Gold. Statt mehrere ETFs zusammenzustellen, reicht ein einziger Baustein – einfach, breit diversifiziert und sparplanfähig. Ein weiterer Schritt Richtung Demokratisierung des Anlegens.
Sie sprechen von «Demokratisierung». Ist das nicht ein strapazierter Begriff?
Württemberger: Vielleicht – aber er trifft den Kern. Was bisher oft erst ab höheren Mindestbeträgen in der Vermögensverwaltung verfügbar war, wird jetzt für eine breite Anlegerbasis zugänglich.

DWS-Schweiz-Chef Sven Württemberger. (Bild: zVg)
Merkt: Wir öffnen das Anlagegeschäft bewusst. Für uns steht im Vordergrund, dass möglichst viele Menschen Zugang zu professioneller Portfolio-Allokation erhalten – unabhängig vom Anlagebetrag.
Bedeutet das nicht auch Kannibalisierung des eigenen Geschäfts?
Merkt: Diese Frage stellt sich immer. Aber wir sehen das Produkt als grösstenteils komplementär. Es spricht auch andere Zielgruppen an und erweitert den Markt insgesamt: Auch Nicht-Postfinance Kundinnen und Kunden können den ETF kaufen. Wir denken, dass wir so ein echtes Bedürfnis von neuen und bestehenden Anlegerinnen und Anlegern treffen.
Warum hat sich Postfinance für die Partnerschaft mit DWS entschieden?
Merkt: Mit der DWS arbeiten wir seit Jahren im ETF-Bereich zusammen. Viele XTrackers Produkte sind bei uns im E-Trading als ETF Sparpläne möglich. Vertrauen und operative Erfahrung waren bereits vorhanden. Das hat die Umsetzung erleichtert.
«Der Fokus ist auf der Schweiz. Die Struktur eines ETFs ermöglicht es jedoch, dass das Produkt auch international handelbar ist.»
Württemberger: Aus unserer Sicht ist es ein idealer Fit: Postfinance bringt die Asset-Allocation-Kompetenz, wir die ETF-Infrastruktur über Xtrackers. Gleichzeitig sehen wir solche Partnerschaften als strategischen Wachstumsbereich: ETF-as-a-Service.
Welche Rolle spielt der Schweizer Markt dabei?
Württemberger: Er ist zentral. Das Produkt ist klar «Made for Switzerland» – mit einem stärkeren Fokus auf den Heimmarkt als klassische globale Indizes. Gleichzeitig sehen wir Exportpotenzial: «Made in Switzerland» ist international ein starkes Qualitätslabel.
Merkt: Der Fokus bleibt aber zunächst klar auf der Schweiz. Die Struktur eines ETFs ermöglicht es jedoch, dass das Produkt grundsätzlich über verschiedene Plattformen auch international handelbar ist.
Was ist der konkrete Mehrwert für Anleger?
Merkt: Mit einem einzigen Investment erhält man eine professionelle, breit diversifizierte Asset Allocation – abgestimmt auf Schweizer Anlegerbedürfnisse. Es ist einfach zugänglich, kosteneffizient, transparent und ideal für Sparpläne.
Württemberger: Man könnte auch sagen: Der Anleger kauft nicht nur einen Index, sondern ein ganzes Portfolio – inklusive der dahinterstehenden Expertise.
Warum kommt ein solches Produkt erst jetzt?
Württemberger: Weil es komplex ist. Einen Index zu replizieren ist Standard. Hier sprechen wir von einem breiten, multi-assetbasierten Ansatz in ETF-Form – inklusive Liquiditäts-, Struktur- und Umsetzungsfragen. Das braucht Zeit.
«Ich bin überzeugt, dass weitere Anbieter folgen werden. Aber in dieser Ausgestaltung sind wir aktuell Vorreiter.»
Merkt: Und vielleicht auch Mut. Einige Anbieter zögern, weil sie bestehende Geschäftsmodelle schützen wollen. Wir sehen darin eine Chance.
Wie beurteilen Sie das Marktumfeld?
Merkt: Durchaus gut: In unsicheren Zeiten steigt das Bedürfnis nach breiter Diversifikation und langfristigen Anlagen: Genau hier setzt unser neues Produkt an. Zudem können Anlegerinnen und Anleger, die auf Grund der aktuellen politischen Situation verunsichert sind, den ETF in einer Sparplan Lösung oder gestaffelt kaufen und so vom Durchschnittsspreiseffekt profitieren.
Württemberger: Der ETF-Markt wächst stark, insbesondere im Retail-Segment. In Europa stammen bereits rund ein Drittel der Zuflüsse von Privatanlegern – Tendenz steigend.
Wird das Schule machen?
Württemberger: Der Markt wird in diese Richtung gehen. Investoren wollen institutionelle Qualität in einem einfachen, kostengünstigen Vehikel.
Merkt: Ich bin überzeugt, dass weitere Anbieter folgen werden. Aber in dieser Ausgestaltung sind wir aktuell Vorreiter.
Herr Merkt, was bedeutet dieses Projekt für Sie persönlich?
Merkt: Es ist die Umsetzung einer Idee, die ich seit Jahren mit mir herumgetragen habe. Dass wir sie jetzt realisieren konnten – und in dieser Ausprägung als erste Bank in der Schweiz und vielleicht auch darüber hinaus – macht mich stolz.














