Kantonalbanken-CEOs: Der grosse Lohn-Report
Zuverlässig werden sie immer wieder politisch diskutiert: die Löhne an der Spitze der Kantonalbanken. Die Institute gehören dem Kanton und damit den Steuerzahlern. Wer hier über Vergütungen befindet (in aller Regel ist es der Bankrat, manchmal aber auch der Regierungsrat oder das kantonale Parlament), verteilt kein Aktionärsgeld, sondern Vermögen der öffentlichen Hand. In den Bankräten sitzen in der Regel verdiente politische Gesichter, die selber aus dem Mandat nicht selten einen ansehnlichen Zustupf erzielen.
Entsprechend haben mehrere Kantone Leitplanken eingezogen. Im Aargau steht der Deckel im Bankgesetz: «Der Bruttolohn eines Mitglieds der Geschäftsleitung beträgt maximal das Doppelte des Bruttolohns eines Mitglieds des Regierungsrats.»
Lohndeckel in einigen Kantonen
Im Kanton Luzern setzt die Eignerstrategie für 2025 eine Maximallimite von 854'281 Franken pro Person. Chef Daniel Salzmann kam allerdings auf 1'016'987 Franken. Ein Widerspruch ist das nicht: Für Mitglieder, deren Vergütung schon 2024 über 847'501 Franken lag, gelten laut Geschäftsbericht «höhere Maximalbeträge» — wie hoch, weist die Bank nicht aus. Salzmann bezog 2024 bereits 1'008'918 Franken.
Und dann ist da der Vergleich, der in jeder dieser Debatten irgendwann fällt: jener mit dem Bundesrat. Ein Mitglied der Landesregierung verdient 478'166 Franken brutto im Jahr, dazu kommt eine Spesenpauschale von 30'000 Franken. Gemessen daran verdienen fast alle Kantonalbank-Chefs deutlich mehr als die sieben Personen, die das Land regieren — der Bestbezahlte unter ihnen rund das Fünffache.
Ist das gerechtfertigt für Staatsinstitute, deren Geschäft zu weiten Teilen aus Hypotheken, Sparkonti, Plain-Vanilla-Anlagen und ein wenig Firmenkundengeschäft besteht?
Unterschiedliche Neigung zur Transparenz
finews unternimmt in diesem Report erstmals den Versuch, die Verhältnisse über alle 24 Kantonalbanken hinweg vergleichbar zu machen.
Das Unterfangen erweist sich aufgrund der unterschiedlichen Publikations-Philosophien und -Standards als eher hürdenreich: Drei Institute publizieren zur Vergütung ihrer Geschäftsleitung schlicht nichts: die Appenzeller, die Obwaldner und die Nidwaldner Kantonalbank. Weitere veröffentlichen nur Bruchstücke. Die Kantonalbanken aus Schwyz und Fribourg nennen einen Gesamtbetrag, aber keine höchste Einzelvergütung. Die Banque Cantonale Neuchâteloise weist einen Betrag für elf Mitglieder ihrer «direction» aus — ein deutlich weiterer Kreis als die eigentliche Geschäftsleitung.
Schaffhausen und Tessin mit Lücken
Selbst dort, wo Zahlen vorliegen, klaffen die Massstäbe auseinander. Die Schaffhauser Kantonalbank gibt ihre Management-Vergütung ausdrücklich ohne Arbeitgeberbeiträge an die Sozialversicherungen an (auch für CEO Alain Schmid). Das ist unter Umständen keine Kleinigkeit: Bei jenen Banken, die beide Werte publizieren, machen diese Beiträge zwischen 8,5 (bei der Zürcher Kantonalbank) und 35 Prozent (bei der Walliser Kantonalbank) der Gesamtvergütung aus.
Die Tessiner BancaStato wiederum nennt die höchste Einzelvergütung, nicht aber die Person dahinter. Auf Anfrage von finews teilte die Bank mit, man halte sich in dieser Frage ausschliesslich an die Angaben im Geschäftsbericht. Wir gehen davon aus, dass es sich um den Vorsitzenden der Generaldirektion, Fabrizio Cieslakiewicz, handelt.
Was folgt, ist insofern die bestmögliche Annäherung: Wir haben die Bruttobezüge (d.h. ohne Arbeitgeberbeiträge) der CEOs und Geschäftsleitungen soweit als möglich analysiert. Daraus ergibt sich die folgende Rangliste, die wir in eine Gruppe der Spitzenverdiener, ein Mittelfeld und eine Gruppe von «Geringverdienern» unterteilen.
Erstens: Die Spitzenverdiener
1. Zürcher Kantonalbank
Die grösste Kantonalbank zahlt die mit Abstand höchste Einzelvergütung des Landes — und arbeitet zugleich am günstigsten. Auf jeden Franken Konzerngewinn entfällt gut ein Rappen Vergütung der Generaldirektion, der tiefste Wert des ganzen Feldes.
2. Banque Cantonale de Genève
Bei der BCGE übersteigt der variable Teil den festen: Nicolas Krügel bezog 680'720 Franken fix und 921'537 Franken erfolgsabhängig. Kein anderes Institut gewichtet die Leistungskomponente an der Spitze derart stark.
3. Banque Cantonale Vaudoise
Die ausgewiesene Zahl ist nicht die ganze Geschichte. Zusätzlich läuft ein Langfristplan über die Jahre 2023 bis 2025, aus dem Pascal Kiener weitere 215'334 Franken zugeteilt bekam; für die gesamte Generaldirektion sind es 1'507'335 Franken.
4. St. Galler Kantonalbank
Die St. Galler sind die einzige Kantonalbank, die ihrer Geschäftsleitung auch Optionen zuteilt — 2025 im Wert von 302'000 Franken. Der variable Teil wird zu grossen Teilen in gesperrten Aktien ausgerichtet.
5. Luzerner Kantonalbank
Die Eignerstrategie des Kantons Luzern setzt für 2025 eine Maximallimite von 854'281 Franken. Daniel Salzmann liegt mit 1'016'987 Franken gut 160'000 Franken darüber — erlaubt durch eine Besitzstandsklausel für Mitglieder, deren Vergütung schon 2024 über der Schwelle lag.
6. BancaStato
BancaStato nennt den Betrag der höchsten Vergütung, aber nicht die Person. Auf Anfrage von finews hielt die Bank fest, man halte sich in dieser Frage ausschliesslich an den Geschäftsbericht. Wir gehen trotzdem davon aus, dass es sich um den CEO handelt.
Lesen Sie auf den nächsten Seiten, wie sich die Gruppe des Mittelfelds genau zusammensetzt – und welche Kantonalbanken-Manager sich mit den geringsten Bezügen befriedigen müssen.
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